Queerbaiting – was ist das?

Queerbaiting nutzt Regenbögen und „queere“ Figuren, um Diversität zu heucheln. Leider ist in diesen Fällen aber nichts dahinter!

Queerbaiting – was ist das?
Mit Queerbaiting bekommen Konzerne die LGBTQ+-Community an den Haken!
Inhalt
  1. Was ist Queerbaiting?
  2. Wo Queerbaiting verwendet wird
  3. Warum Queerbaiting so schwierig ist

Queerbaiting und Pride Month gehören inzwischen leider fast unzertrennlich zusammen! Denn im Pride Month werden Liebe und Geschlecht in all seinen Facetten besonders hervorgehoben. Die Leute feiern Diversität und machen sich für Menschen stark, die wegen ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe und/oder sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Eine tolle Sache denken sich auch viele Unternehmen und bestücken ihr Merchandise mit Regenbögen und dem Aufruf nach Respekt und Akzeptanz! Leider ist in manchen Fällen nicht viel dahinter – und da spricht man von „Queerbaiting“. Was das ist, wie es verwendet wird und warum so etwas absolut nicht cool ist, erklären wir dir hier!

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Was ist Queerbaiting?

Queerbaiting wird gerade (aber nicht nur) im Kontext von Film- und Fernsehproduktionen verwendet. Grob übersetzt heißt Queerbaiting so etwas, wie „einen queeren Köder auswerfen“. Vom Prinzip her ist es eine ähnliche Taktik, wie das „Clickbaiting“: Hier wird dem*die User*in etwas von der Überschrift des Textes versprochen, was zum Klicken animiert. Der Text selbst hält das Versprechen der Überschrift allerdings nicht – der*die User*in wurde also mit falschen Versprechungen „geködert“. Beim Queerbaiting verhält es sich ähnlich: Es wird beispielsweise durch Sprüche/Handlungen/Kleidung angedeutet, eine Figur sei queer – nur um später zu zeigen, dass sie bspw. doch heterosexuell ist (oder es wird gar nicht erst weiter darauf eingegangen). Beispiele für Queerbaiting sind:

  • Unternehmen, die für eine bestimmte Zeit (bspw. über den Pride Month) Regenbogen und politische Nachrichten auf ihrem Merchandise verkaufen (Beutel, Tassen etc.), sich sonst aber nicht für die Rechte der LGBTQ+-Community einsetzen
  • Film-, oder Serien-Figuren werden als queer in der Werbung für den Film/die Serie angedeutet, sind am Ende aber heterosexuell
  • Oder: Die Film- oder Serien-Figur wird als queer angedeutet, aber es wird keine „finale Auflösung“ geliefert

Wichtig beim Queerbaiting: Die Erwartungen der zuschauenden Person (oder des*der Konsument*in) werden nicht erfüllt bzw. es zeigt sich im Fall von Unternehmen, dass keine wirkliche Einstellung hinter all den Regenbögen zu erkennen ist. Sie haben sich damit einfach geschmückt, „weil es alle im Pride Month tun“.

 
 

Wo Queerbaiting verwendet wird

Ein Konzern, der aktuell öfter mit Queerbaiting aufgefallen ist (damit aber absolut nicht der einzige ist!), ist Disney. Das Unternehmen weiß um die eigene große LGBTQ+-Community, hat aber ein zweischneidiges Verhältnis mit Queerness. Ein paar der Beispiele der letzten Zeit:

  • Sowohl bei der Realverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ als auch bei „Star Wars: Rise of the Skywalker“ wurden „krasse“ LGBTQ+-Szenen vor Veröffentlichung der Filme versprochen. Am Ende handelte es sich um Ausschnitte, die wenige Sekunden lang waren und manchen Zuschauer*innen nicht einmal aufgefallen sind.
  • Die Querness von Bucky aus „The Falcon and the Winter Soldier” wird nur für Kenner*innen überhaupt angedeutet.
  • Alle Andeutungen, dass die Figur Valkyrie aus der „Thor“-Filmreihe bisexuell ist, wurden aus dem Film geschnitten
  • eine Figur im Film "Cruella" wird als queer angedeutet, aber nicht klar benannt

Und wie gesagt, Queerbaiting beschränkt sich absolut nicht nur auf Disney! Bei den MTV Video Music Awards 2003 gab es einen inszenierten Kuss zwischen Madonna und Britney, die russische Band t.A.t.U. tat lediglich so, als seien sie lesbisch, bei der Serie „Sherlock“ wird auf eine homosexuelle Beziehung zwischen Sherlock und Watson immer nur hingedeutet … Queerbaiting ist immer noch ein krasser Bestandteil der (Pop-)Kultur!

 

Warum Queerbaiting so schwierig ist

Jetzt könnte man ja sagen: Jede Repräsentation ist immer noch besser als gar keine Repräsentation. Fair enough – wäre die Repräsentation denn wirklich vorhanden! Doch beim Queerbaiting wird im Fall von Merchandise auf den reinen Profit geschaut: Produkte werden mit Regenbogenfarben versehen, bekommen vielleicht noch einen netten Spruch und die Menschen hinter den Produkten hauen sich zufrieden auf die Schulter. Doch weiterhin werden Menschen auf der Welt geschlagen, vergewaltigt, getötet, weil sie nicht „normal“ seien. Weil die Form der Liebe, die sie leben oder das Geschlecht, mit dem sie sich identifizieren, nicht „richtig“ sei. Daran ändert auch kein Becher mit Regenbogen und dem Spruch „Liebe ist Vielfältig“ etwas.

Queere Figuren in Film und Fernsehen nur auf diese Weisen zu sehen, suggeriert, dass Queerness etwas sei, dass man besser verberge, höchstens einmal andeuten dürfe. Oder wie Dr. Mueller im Interview mit Blonde passend zusammenfasst: „[Queere Repräsentation wird] angedeutet, ermutigt, aber niemals realisiert.“ Dabei zeigen ja bereits einige LBGTQ+-Serien auf Netflix, dass es auch anders geht. Dass Queerness nichts sein muss, dass man besser verbirgt in den eigenen Werken, weil man sonst Angst haben muss, die konservative Gesellschaft zu verschrecken. Selbst von einem wirtschaftlichen Standpunkt ergibt es kaum Sinn, denn die Leute merken, wenn man sie ködert. Und vor allem erinnern sie sich daran. Der Profit auf ihre Kosten ist dann am Ende nur ein kurzweiliger und so gewinnt keine Seite!