LGBTQ+ Sex Guide: Verhütung, Tipps und Fakten für die queere Community

Geschlechteridentitäten, sexuelle Orientierungen und Sexualität – Sex ist vielfältig! Genau deshalb haben wir einen Sex-Guide für die LGBTQ+ Community erstellt und verraten, wie Verhütung funktioniert und welche Punkte bei queerem Sex zu beachten sind. 

LGBTQ+ Sex Guide: Verhütung, Tipps und Fakten für die queere Community
Let's talk about Sex in der LGBTQ+ Community!
Inhalt
  1. LGBTQ+ Sex Guide – für Spaß und Sicherheit! 
  2. Vor dem Sex: Lerne deinen Körper kennen und lieben
  3. LGBTQ+: Diese Sex-Arten gibt es
  4. Queerer Sex: Schütze dich vor ungeplanten Schwangerschaften
  5. LGBTQ+ Sex: So kannst du verhüten und dich vor Geschlechtskrankheiten schützen
  6. Sexuell übertragbare Infektionen: STI-Tests sind keine Schande! 
  7. HIV: So vermeidest du eine Ansteckung
 

LGBTQ+ Sex Guide – für Spaß und Sicherheit! 

Ein Sex-Guide nur für die LGBTQ+ Community? Traurig aber wahr: In den wenigsten Schulen wird der Sexualkundeunterricht so gestaltet, dass er die LGBTQ+ Community inkludiert. Die meisten Schulen geben sich damit zufrieden, den Schüler*innen beizubringen, wie Hetero-Sex unter Cis-Menschen funktioniert und ein Kondom übergestülpt wird. Dabei ist Sexualität heute so viel diverser: Geschlechtsidentitäten, sexuelle Orientierungen, Vorlieben und Erfahrungen. Wir wollen euch verraten, was bei Safer-Sex in der queeren Community wichtig ist und wie vielfältig das kleine Wörtchen sein kann. Welche Gespräche sollte man mit Partner*innen führen, bevor man intim wird? Wie funktioniert guter und sicherer Sex? Und wie akzeptiere ich meinen Körper? 

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Vor dem Sex: Lerne deinen Körper kennen und lieben

Es kommt nur selten vor, dass jemand in dein Leben tritt und deine sexuellen Fantasien vollends erfüllt. Partner*innen können euch nämlich am besten befriedigen, wenn ihr kommunizieren könnt, was euch sexuell stimuliert. Durch Masturbation und Berührungen lernst du dich selbst kennen, kannst deine Grenzen langsam austesten und herausfinden, welche Berührungen dir gefallen. 

 
 

LGBTQ+: Diese Sex-Arten gibt es

Sex ist genauso vielfältig wie die Pride-Flagge. Wie die Penetration sind auch Stimulationen mit der Hand und Oralsex eine Form von Sex – und nicht nur zum Vorspiel! Doch auch penetrativer Sex ist mehr als nur Geschlechtsverkehr:

  • Fingern
  • Sex mit Strap-Ons
  • Pegging
  • Prostata Stimulatoren
  • Plugs
  • Anal-/Vaginalkugeln
  • Vibratoren und viel mehr  

Ihr seht, dass die Möglichkeiten vielfältig sind und ihr habt viel Zeit mit euren Partner*innen herauszufinden, was euch am meisten Lust bereitet. Wichtig ist dabei ein kleines, magisches Wörtchen: "consent" (dt. Zustimmung). Bei jeder körperlichen Interaktion mit einem anderen Menschen (und das fängt schon bei den kleinsten Berührungen an) ist VORHER zu klären, ob beide damit einverstanden sind. So werden keine Grenzen überschritten und der Sex macht noch mehr Spaß.  

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Queerer Sex: Schütze dich vor ungeplanten Schwangerschaften

Natürlich sind auch in der queeren Community ungeplante Schwangerschaften möglich. Dafür braucht es nämlich nur zwei Dinge: Sperma und Eizellen. Hier geht es um reine Anatomie, keine Geschlechteridentitäten. Eine Person mit einem Uterus kann also schwanger werden, wenn sie mit einer Person intim wird, die Sperma produzieren kann. Auch trans*Menschen, die Hormone nehmen, können im Zweifelsfall noch schwanger werden. Deshalb sollte man grundsätzlich davon ausgehen, dass es möglich ist, außer, der Arzt*die Ärztin bestätigt eine Sterilität oder schließt eine Schwangerschaft aus. Es ist immer ratsam, mit einem Arzt*einer Ärztin über Verhütungsmittel zu sprechen, er*sie kann dir auch individuell empfehlen, welche Verhütungsart sich am besten eignet. Auch mit dem*der Partner*in solltest du unbedingt über Verhütung sprechen

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LGBTQ+ Sex: So kannst du verhüten und dich vor Geschlechtskrankheiten schützen

Natürlich sollte man beim Sex nicht nur verhüten, um eine Schwangerschaft zu vermeiden. Verhütung ist auch wichtig, um sexuell übertragbare Krankheiten zu verhindern. Denkt daran, der Intimbereich ist ein sehr empfindlicher Bereich, der geschützt werden muss, wenn ihr sorgenfreien Sex haben wollt. Bei Geschlechtsverkehr und Oralsex können Geschlechtskrankheiten weitergegeben werden, während bei der Stimulation mit Händen oder Fingern meist bakterielle Ansteckungen stattfinden. Wir verraten euch, mit welchen Verhütungsmitteln, ihr euch beim Sex schützen könnt: 

  • Das innere Kondom wird für das vordere Loch, die Vagina oder den Anus verwendet. Sie funktionieren, wie ein äußeres Kondom, nur andersherum. Die geschlossene Seite wird (mithilfe von Gleitmittel), so weit wie möglich, mit den Fingern in das Loch eingeführt. Die geöffnete Seite sollte dabei ein bisschen aus der Öffnung abstehen. Während der Penetration wird das Glied oder ein Sex-Toy in die Öffnung des Kondoms geführt. Beim Entfernen des inneren Kondoms empfiehlt es sich, die Öffnung vor dem Rausziehen zu schließen. 
  • Das äußere Kondom wird über eine Glied oder Sex-Toy gestülpt, bevor es für Sex oder Oralsex benutzt wird. Während man die Spitze zusammendrückt, wird das Kondom sanft abgerollt, damit oben Platz für Körperflüssigkeiten in dem Präservativ bleibt.  
  • Lecktücher oder Dental Dams können für Oralsex bei Vagina und Anus verwendet werden. Die Tücher werden über den Damm der Körperöffnung gelegt, die oral befriedigt werden soll und können danach weggeworfen werden. 
  • Fingerlinge oder Handschuhe können benutzt werden, um Stimulation/Penetration mit den Findern/der Hand sicherer zu gestalten, da sich auf den Fingern oder unter den Nägeln viele Bakterien aufhalten können. 
  • Impfungen wie Hepatitis A, Hepatitis B und HPV sind grundsätzlich zu empfehlen. Mittlerweile wird die HPV-Impfung für alle Geschlechtsidentitäten in einem Alter von 11 bis 26 Jahren empfohlen. 

Achtet bei Gleitgelen und Verhütung immer darauf, dass die Stoffe miteinander harmonieren. Sex-Toys aus Silikon sollten nicht mit Verhütungsmitteln aus Silikon benutzt werden. Außerdem verträgt sich ölhaltiges Gleitgel nicht gut mit Latex.

 

Sexuell übertragbare Infektionen: STI-Tests sind keine Schande! 

Egal welche sexuelle Orientierung man auch hat: Es ist grundsätzlich empfehlenswert, sich regelmäßig auf sexuell übertragbare Infektionen (STI) testen zu lassen. Eine frühe Diagnose hilft nicht nur bei der Behandlung, sondern verhindert auch weitere Übertragungen. STI-Tests kann man bei Ärzten*Ärztinnen machen. In größeren Städten gibt es auch oft die Möglichkeit, dies anonym in Gesundheitsämtern oder lokalen Aids-Hilfen bestimmen zu lassen. Auch Heimtests werden mittlerweile im Internet angeboten und sorgen für Anonymität. Expert*innen sind sich jedoch unschlüssig, wie präzise diese Heimtests sind. Beim Sex werden Erreger wie Viren, Bakterien oder Parasiten teilweise sehr leicht übertragen. Umso wichtiger ist es, sich selbst und andere zu schützen. Sollte bei dir eine STI festgestellt werden, ist es also auch wichtig, dass du dies an deine Sex-Partner*innen kommunizierst und diese sich umgehend testen lassen. 

 

HIV: So vermeidest du eine Ansteckung

PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe) ist ein HIV-Medikament, welches zur Prophylaxe von HIV-negativen Menschen eingenommen werden kann, die Sex mit HIV-positiven Menschen haben. Es schützt vor einer Ansteckung so gut wie Kondome oder HIV-Therapie. Die Deutsche Aidshilfe empfiehlt PrEP Menschen ab 16 Jahren mit erhöhtem HIV-Risiko, dazu gehören: 

  • Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), und trans* Personen, die in den letzten drei bis sechs Monaten Analverkehr ohne Kondom hatten und/oder voraussichtlich in den nächsten Monaten Analverkehr ohne Kondom haben werden
  • MSM und trans* Personen, die in den letzten zwölf Monaten eine Geschlechtskrankheit hatten
  • Partner*innen von Menschen mit HIV, die keine HIV-Therapie machen, bei denen die HIV-Therapie nicht richtig wirkt oder bei denen die HIV-Therapie noch nicht mindestens sechs Monate lang wirkt
  • Menschen, die Sex ohne Kondom mit Partner*innen haben, bei denen eine undiagnostizierte HIV-Infektion wahrscheinlich ist
  • Drogen injizierende Personen, die keine sterilen Spritzbestecke verwenden.