Dein Coming-Out!

Es befreit, wenn Freunde und Familie bescheid wissen!
Es befreit, wenn Freunde und Familie bescheid wissen! Foto: iStock

Zwar gibt es immer weniger Leute, die Vorurteile gegen Homosexuelle haben oder krass auf sie reagieren. Aber es ist trotzdem oft noch schwer, sich den anderen als schwul oder lesbisch zu outen – denn Deine Mitmenschen haben sich vermutlich ein ganz anderes Bild von Dir gemacht. Oft braucht es Mut und Selbstbewusstsein, anderen davon zu erzählen. Wer sich allerdings endlich traut, ist fast immer erleichtert, stolz und froh.

Gerade wenn Du Dir unsicher bist, wie Deine Eltern reagieren – oute Dich erst mal woanders, wo es einfacher ist: bei Menschen, die Erfahrung damit haben und aufgeschlossen gegenüber Schwulen/Lesben sind. Zum Beispiel bei der lesbischen Tante oder dem schwulen Cousin. Oder bei einer Freundin, die einen schwulen Bruder hat. Auch ein Vertrauenslehrer in der Schule könnte der passende Ansprechpartner für Dich sein, wenn Du ihm/ihr vertraust.

So kriegst Du mit, wie andere Leute reagieren, und wie es sich für Dich anfühlt zu sagen "Ich bin schwul" oder "Ich bin lesbisch" oder "Ich stehe auf Frauen/Männer". So hast Du dann auch gleich die erste Person, die Dich unterstützt, wenn es darum geht, denen davon zu erzählen, vor denen es Dir besonders schwer fällt.

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Auf jeden Fall ist es gut, wenn die Eltern es wissen. Sie waren bei Deinem Leben von Anfang an dabei, sie haben Dich gewickelt und gefüttert, Dir die Tränen getrocknet und sich über Dein Lachen gefreut. Wenn Du ihnen sagst, dass Du ihre Unterstützung brauchst, werden sie Dich auch hier nicht allein lassen.

Erwarte jedoch nicht, dass dir alle sofort um den Hals fallen, wenn du dich outest. Viele Eltern machen sich anfangs erstmal Vorwürfe und fragen sich, was sie bei deiner Erziehung falsch gemacht haben. Andere haben einfach nur Angst vor den Reaktionen der Nachbarn, Verwandten und Kollegen.

Der richtige Zeitpunkt!

Manche Eltern machen eh kein Drama draus – wenn sie schwule oder lesbische Bekannte haben, wenn es bei Euch zuhause ein normales Thema ist. Und wenn sie noch etwas Zeit brauchen, um sich an die neue Situation zu gewöhnen, bleib geduldig: Du hast ja auch eine Weile gebraucht, bis es sich für Dich richtig angefühlt hat.

Bevor du anderen sagst, dass du lesbisch, schwul oder bi bist, solltest du dir über folgende Facts klar werden:
•    Schwul, lesbisch oder bisexuell zu sein ist weder krank, noch pervers, weder gut noch schlecht - Es ist einfach so!
•    Niemand kann zur Homo- oder Bisexualität gedrängt oder erzogen werden!
•    Genauso wenig kann man sich Homosexualität "abtrainieren"!
•    Jeder Mensch ist wie er ist! Niemand sucht sich seine sexuelle Orientierung aus!
•    Schwul, lesbisch oder bisexuell zu sein, ist keine Seltenheit. Etwa jeder zehnte Mensch ist homo- oder bisexuell.

Sprich mit anderen Homo- oder Bisexuellen!

Seine Homo- oder Bisexualität zu verheimlichen, kostet jede Menge Kraft. Wenn du dich also in einer Clique, einer Klasse oder einem Verein wohl fühlst, kann es viel leichter für dich sein, wenn du dich outest, anstatt deine sexuelle Orientierung mühsam zu verbergen.

Es nicht heimlich machen zu müssen, befreit viele Gefühle!
Es nicht heimlich machen zu müssen, befreit viele Gefühle! Foto: iStock

Bevor du einem Menschen sagst, dass du homo- oder bisexuell bist, frag dich, ob du dich in seiner Gegenwart wohl fühlst, ob euch etwas verbindet und warum es dir wichtig ist, es gerade diesem Menschen zu erzählen. Denn: Nicht jeder muss wissen, dass du homosexuell bist.

Wenn du dich entschieden hast, dich ihm gegenüber zu outen, dann sorg dafür, dass ihr genügend Zeit habt für ein ernsthaftes Gespräch.
Gut zu wissen: Ein/e gute/r Freund/in wird dir nicht gleich die Freundschaft kündigen, weil du schwul, lesbisch oder bisexuell bist. Er/sie wird Verständnis dafür haben, dass du dich nicht mehr länger verstellen und verstecken magst. Aber es kann einige Zeit dauern, bis manche Freunde damit zurechtkommen.

Gerade im Umgang mit Chefs, Lehrern oder anderen Vorgesetzten, von denen du gewissermaßen abhängig bist, erfordert das Coming Out dein Fingerspitzengefühl.
Zwar ist vom Europäischen Gerichtshof geklärt, dass die Leistungen homosexueller Arbeitnehmer (das betrifft auch Schüler und Auszubildende) mit denen heterosexueller gleichzustellen sind. Kein Arbeitgeber (Lehrer, Ausbilder) darf dich also deswegen diffamieren oder gar rauswerfen. Dennoch brauchst du nicht ungefragt mit deiner sexuellen Lebensform hausieren zu gehen. Schließlich tun das Heteros auch nicht.