Stress mit den Eltern?

Stress mit den Eltern?

Wir geben Tipps, wie Du Deinen Eltern klarmachen kannst, was Dir gerade wichtig ist.

Regen Dich Deine Eltern gerade einfach nur auf? Dann könnten Dir unsere Tipps das Leben mit ihnen vielleicht ein bisschen leichter machen. Klar ist: Du kannst sie nicht ändern. Also musst Du einen anderen Weg finden, ihnen deutlich zu machen, warum Ihr gerade nicht die gleiche Wellenlänge habt, weshalb Du ihnen nicht jedes Detail aus Schule und Freizeit erzählen willst oder wieso Du in Deinem Zimmer nicht gestört werden möchtest. Mit Zauberei ist es leider nicht getan. Aber in Zukunft ein paar Dinge anders zu machen, kostet Dich nicht mehr Nerven, als wenn Du Dich weiter über sie aufregst. Probier es aus. Es kann wirklich besser laufen.

Hier erfährst Du für ganz bestimmte Probleme, wie Du mit Deinen Eltern besser zu recht kommst.

Du könntest ihretwegen dauernd ausrasten?

Dann lass Deinen Ärger raus. Es spricht nichts dagegen, auch mal ärgerlich zu werden, wenn Deine Grenze erreicht oder überschritten wurde. Je nach dem, was für ein Temperament Du hast, kann es jedoch hilfreich sein, wenn Du vor einem klärenden Gespräch die erste Wut verfliegen lässt.

Wirklich etwas bewirken tust Du in einer Auseinandersetzung vor allem dann, wenn Du Deine Wut nicht in Vorwürfen zum Ausdruck bringst. Denn durch Vorwürfe fühlen sich Deine Eltern angegriffen und gehen automatisch in die Verteidigung. Außer Anschuldigungen kommt dann nichts dabei raus.

Erfolgreicher wird es meist, wenn Du sagst, was konkret Dich stört und wie es Dir damit geht. Also nicht: "Du kapierst doch gar nichts!" Sondern lieber: "Mich macht das so wütend, wenn Du über etwas urteilst, was Du gar nicht richtig kennst. Guck Dir das doch erst mal richtig an. Und dann können wir darüber reden." So merkt der andere, warum Du Dich aufregst oder an welcher Stelle er/sie Dich verletzt hat. Diese Methode kannst Du für jedes Thema anwenden.

Sie respektieren Deine Privatsphäre nicht?

Das ist nicht okay. Es kann sein, dass Deine Eltern noch nicht so richtig wahrgenommen haben, dass Du jetzt ein Jugendlicher bist und andere Bedürfnisse hast als früher. Was letztes Jahr noch okay war, stört Dich jetzt vielleicht. Und da auch ganz tolle Eltern nicht hellsehen können, musst Du ihnen sagen, was Dir wichtig ist. Einige Abmachungen müssen vielleicht auch neu verhandelt werden. Und ohne Gespräch geht das nicht.

Wenn Dir also zum Beispiel wichtig ist, dass sie nicht ohne Dich oder ungefragt in Dein Zimmer gehen, dann bleib hartnäckig. Wenn Du nach Argumenten suchst, ist das beste Argument: "Mir ist das wichtig!" Mach ihnen klar, dass Du genau wie sie nicht in Deinem Zimmer überrascht werden willst.

Wenn Deine Eltern Einwände haben, kann es hilfreich sein, etwas zu verhandeln. Biete ihnen etwas an, wodurch sie auch ein Erfolgserlebnis haben. Zum Beispiel: "Ich räume freiwillig alle eins/zwei Wochen auf, wenn Ihr dafür respektiert, dass ich mein Zimmer für mich haben möchte." Oder: "Ich verspreche, dass ich jeden Tag Teller und Gläser aus meinem Zimmer nach unten bringe, wenn Ihr dafür nicht in meinem Zimmer rumräumt." So gehst Du einen Schritt auf sie zu und erreichst schon bald, was Dir wichtig ist.

Entscheide selber, welches Angebot Du machen und einhalten kannst. Es muss realistisch sein, damit es klappt.

Du fühlst Dich unverstanden?

Du hast das Gefühl, dass Deine Eltern gerade auf einem anderen Planeten wohnen und eine andere Sprach sprechen? Das passiert vielen Jungen und Mädchen in der Pubertät. Der Grund ist ganz einfach: Du hast Dich in der letzten Zeit verändert, bist reifer geworden und interessierst Dich für andere Dinge als früher. Und Deine Eltern können noch nicht so richtig damit umgehen.

Sie sind es gewohnt, dass sie Dinge für Dich planen, dass Du Dinge erzählst, die Dich bewegen, dass Du sie um Rat fragst und so weiter. Und aus ihrer Sicht hat sich das scheinbar plötzlich alles verändert. Sie brauchen noch ein bisschen Zeit, um damit entspannt umzugehen.

Wenn Du möchtest, dass Ihr Euch wieder versteht, dann bleib fair und muffel nicht bei jeder Frage Deiner Eltern rum. Wenn sie die falschen Fragen stellen, dann kannst Du es ihnen sagen: "Mama, mich beschäftigt gerade was ganz anderes." Oder: "Mensch Mutti, das ist schon lange nicht mehr mein Ding. Ich mach jetzt. . .!" Oder: "Papa. Das interessiert mich gerade nicht so sehr. Ich mach mir viel mehr Gedanken über..." Wenn sie nicht merken, was bei Dir los ist, sag es ihnen. Das glättet die Wogen mit wenig Aufwand.

Du möchtest mehr Freiraum?

Du bist als Jugendlicher kein Kind mehr. In den Augen Deiner Eltern bleibst Du jedoch auf eine bestimmte Art immer "ihr Kind", auch wenn sie sehen, dass Du schon viel reifer geworden bist. Du traust Dir vermutlich jetzt zu, Verantwortung für Dich zu übernehmen und Dein Leben selbst zu organisieren. Doch einigen Eltern fällt es schwer, ihren Kindern die Freiheit zu lassen, die Du Dir als Jugendlicher wünschst.

Dürfen Deine Eltern über Dich bestimmen?

Fakt ist: Bis Du 18 Jahre alt bist, haben Deinen Eltern für viele Dinge das letzte Wort. Das heißt aber nicht, dass sie in allem über Dich bestimmen können. Das hat seine Grenzen. Du darfst zum Beispiel einen Freund/eine Freundin haben, auch wenn Deine Eltern das nicht gern sehen. Solange Dir Dein Freund/Deine Freundin nicht schadet, würde es zu weit gehen, wenn sie Dir den Kontakt zu ihm/ihr verbieten. Was Ausgehzeiten für öffentliche Partys angeht, müssen sich alle an die Gesetze halten, die für Jugendliche gelten. Deine Eltern können aber auch entscheiden, dass Du früher zu Hause sein musst, wenn sie gute Gründe dafür haben. Wenn Du Dir andere Zeiten zum nach hause kommen wünschst, geht das nur auf privaten Feiern. Das kann ausgehandelt werden. Hier zählen gute Argumente.

Du möchtest alte Abmachungen verändern?

Es kann sich von Jahr zu Jahr verändern, was Dir wichtig ist. Deshalb müssen viele Abmachungen zwischen Dir und Deinen Eltern neu überdacht werden.

So verhandelst Du erfolgreich:

Wenn Du Dich aktuell zu sehr eingeschränkt fühlst, verhandle mit Deinen Eltern. Erkläre ihnen, dass Du nichts heimlich hinter ihrem Rücken machen möchtest. Sag ihnen, dass Du Dir mehr Vertrauen von ihnen wünschst. Du willst Dich ja schließlich nicht selber in Schwierigkeiten bringen. Mach ihnen ein Angebot, dass Du selber angemessen findest. Zum Beispiel: "Ich würde gern eine Stunde länger auf der Party bleiben, als sonst. Dafür verspreche ich Euch, dass ich auf keinen Fall alleine nach Hause gehe, sondern nur mit meinen Freundinnen/Freunden."

Wichtig zur Vertrauensbildung ist natürlich, dass Du Dich an Eure Absprachen hältst. Wenn sie merken, dass sie sich auf Dich verlassen können, werden sie bestimmt mit der Zeit etwas großzügiger. Das kannst Du auch freundlich einfordern: "Du siehst ja, dass Du Dich auf mich verlassen kannst. Bitte erlaube mir heute, dass ich...!"

Du möchtest Dich gut mit ihnen verstehen?

Dann zeig ihnen das ab und zu, wenn Du selber gut drauf bist. Nutze Momente, in denen Du merkst, dass Ihr gerade einen guten Draht zueinander habt. Das sind oft auch gute Momente, um ganz in Ruhe zu erzählen, wenn Dich etwas stört - oder warum Du in den letzten Tagen nicht gut auf Deine Eltern zu sprechen warst. "Ich war echt nicht gut drauf. Da haben mich Eure vielen Fragen einfach genervt." Du wirst sehen: So ein Satz wirkt Wunder. Oder: "Schön, dass wir mal wieder so entspannt zusammen sitzen." Du kannst auch interessiert nachfragen, wenn ein Elternteil gut gelaunt ist: "Du bist ja richtig gut drauf heute. Ist was besonderes passiert?" Eltern sind viel entspannter, wenn sie merken, dass ihre jugendlichen Kinder sie nicht nur blöde finden. Nutze das für Dich!

Sie haben keine Ahnung, was Dir wichtig ist?

Dann sag es ihnen. Sie wissen es wahrscheinlich wirklich nicht.

Hier ein Paar Beispiele, wie Du es Deinen Eltern freundlich aber deutlich klar machen kannst:

"Mama. Es macht mir Spaß mit meinen Freunden am PC zu sitzen. Ich verstehe auch nicht immer, warum Dir Deine Hobbies Spaß machen. Und ich sag trotzdem nichts drüber. Dann respektiere doch auch, was mir Spaß macht. Wenn Du willst, kannst Du Dir mein neues Spiel ja mal angucken." Das verstehen die meisten Eltern. Und auf diese Weise werden sie auch merken, dass Du nicht nur mit dem Kopf durch die Wand willst.

Oder: "Papa. Es kann sein, dass Du mein Styling komisch findest. Aber ich finde es super. Und ich wünsche mir, dass Du keine Sprüche mehr darüber bringst. Das verletzt mich." So ein Satz sagt sich nicht leicht, aber er trifft normalerweise ins Herz Deiner Eltern. Denn verletzen wollen sie Dich sicher nicht absichtlich.

Nutze Momente, in denen ihr Euch gut versteht. Wenn ihr gerade nicht gut miteinander reden könnt, dann werdet gemeinsam aktiv. Zusammen Sport machen, einen Film gucken oder kochen. Dabei entsteht meist ein ganz normales Gespräch, das nicht wie eine Fragestunde wirkt, sondern sich einfach so ergibt. Sehr entspannend!