Warum sehe ich auf Selfies doof aus? 7 Social Media Phänomene erklärt

Klar, wir lieben alle unser Handy und verbringen oft mehr als drei Stunden täglich damit – aber manches nervt doch total! Zum Beispiel, dass jeder schöne Selfies postet, nur die eigenen sehen sch**ße aus! Oder hast du schon mal deine eigenen Sprachnachrichten angehört? SCHRECKLICH! Wer allerdings die Erklärung dieser Phänomene kennt, erträgt sie gleich viel leichter :D

 

hässliches Selfie
 

Phänomen 1: Warum sieht man auf Selfies anders aus?

Ihr kennt das: man guckt sich im Spiegel an und denkt sich "Jap, ich seh nice aus. Zeit für ein SELFIE!" Du packst dir dein Handy und knipst drauf los . . . – aber jedes Mal, wenn du deine Aufnahme anguckst, denkst du dir: Meine Fresse! Das kann ja nicht wahr sein! Warum sehe ich im Spiegel top aus – auf dem Foto aber wie ein Depp? Und gefühlte 500 Selfies später bist du auf den Pics immer noch nicht schöner. 

Woran liegt das? Dieses Phänomen kann zwei Gründe haben: Zum einen kennst du dich größtenteils von deinen Spiegelbildern. Das heißt: du siehst dich bzw. dein Gesicht die meiste Zeit spiegelverkehrt. Pics, die du über deine Handy-Kamera aufnimmst, knipsen dich aber NICHT spiegelverkehrt. Sprich: du erkennst dich selbst nicht wieder. Manche Apps haben dieses "Problem" schon erkannt – zum Beispiel Snapchat oder Instagram. Bei Aufnahmen im Selfie-Mode ist dir sicher schon aufgefallen, dass Logos oder Schriften in Spiegelschrift sind . . . Dadurch (und natürlich wegen der Filter) kommt man sich schöner auf Selfies vor.

Der zweite Grund ist: das Selfie verzerrt dein Gesicht! Außer du hast mega lange Arme, machst du ein Selfie aus etwa 40 cm Entfernung. Das verändert die Proportionen deines Gesichts: Was näher an der Kamera ist, wirkt größer, und alles, das weiter weg ist, wird nach hinten "verzerrt". Dadurch wirkt deine Nase (die nah an der Kamera liegt) um bis zu 30 % größer. Deine Wangen (die weiter hinten liegen) wirken wiederum kleiner. Deine Ohren noch kleiner. Zum Vergleich: Aus drei Metern Entfernung sieht dein Gesicht ganz anders aus, weil die Propor­tionen stimmen. Deswegen gilt der Profi-Tipp: Mach das Bild von weiter weg, mit Selbstauslöser oder zur Not auch mit einem doofen (sieht ja keiner ;)) Selfie-Stick – und zoom dann beim Posten ran. Weitere Selfie-Tipps gibt's hier.

Selfie Vergleich
Selfies aus unterschiedlichen Entfernungen – ein deutlicher Unterschied . . .

 

 

Phänomen 2: Warum klingt die eigene Stimme auf Aufnahmen schrecklich? 

Mache niemals, NIEMALS den Fehler und höre dir Sprachnachrichten die du auf WhatsApp oder Instagram verschickst hast, selbst an! Wer seine Stimme hört, ist meist schockiert: WHAT?! So höre ich mich an?! Das müssen andere Menschen ertragen??? Jap . . . Besonders schlimm wird es, wenn man wie wir Interviews abtippen muss ;) Hör dir mal über eine Stunde die eigene Stimme an - FOLTER! Aber mach dir keinen Kopf: Die anderen hören dich immer so – sprich, sie kennen dich mit deiner Stimme. Du hingegen hörst eine ganz eigene Version von dir. Wenn du sprichst, hörst du eine Mischung aus deiner äußeren Stimme und deiner inneren Stimme. Die ­äußere Stimme kommt über die Luft, also von außen, bei deinem Ohr an, die innere Stimme wird von deinem Körper an dein Innenohr übertragen. Ein Mikrofon nimmt nur deine äußere Stimme auf, die du nicht gewohnt bist – und ehrlich gesagt will man sich auch gar nicht dran gewöhnen :P 

 

Phänomen 3: Wieso kann ich nicht mit Insta aufhören?

Nur mal kurz auf Insta gucken . . . ZACK! Sind zwei Stunden vorbei! Alter . . . Kann ja nicht sein! Bin ich etwa handysüchtig? Die schlechte Nachricht: das sind wir wohl alle. Die gute Nachricht ist: du kannst nichts dafür, denn bestimmte Apps sind dazu designt, süchtig zu machen. Äh, warum? Naja, es ist ganz logisch, dass jeder App-Hersteller will, dass wir soviel Zeit wie möglich mit IHREN Apps verbringen. Also nutzen sie psychologische Tricks, die uns dazu bringen, "süchtig" zu werden. Apps wie Instagram nutzen das Endlos-Scrolling, so kannst du unendlich durch deinen Feed oder die Suche scrollen und verlierst das Gefühl für Zeit. Dein Unter­bewusstsein spielt dir vor, nie mit Instagram fertig zu sein, nie wirklich alle Postings gesehen zu haben – also scrollst du weiter . . . und weiter . . . uuund weeeeiiiiteeeer . . . und BÄM sind zwei Stunden rum. Das machen auch beliebte Websites wie zum Beispiel 9gag. Und auch Farben spielen eine wichtige Rolle. Warme Farben wie Orange oder Rot wirken auf die Psyche und springen den meisten Menschen als Erstes ins Auge. Deswegen ploppen Benachrichtigungen deiner Apps als kleiner roter Kreis auf. ­Benachrichtigungen an sich sind übrigens ein weiterer Grund dafür, dass du ständig auf dein Handy schaust. Viele Apps schicken dir Push-Nachrichten, was dir psychologisch vorspielt, jemand würde mit dir kommunizieren wollen. Da Menschen soziale Wesen sind, die genetisch auf miteinander-reden programmiert sind, funktioniert dieser Psycho-Trick auch "wunderbar". 

 

Phänomen 4: Warum fallen wir auf Kettenbriefe rein? 

Man möchte so gut wie jeden würgen, der einem einen Kettenbrief schickt – nur um dann selbst zu einem Opfer zu werden, weil einem Reichtum oder Liebe versprochen wird, wenn man mindestens sieben Freunde belästigt. Öhm . . . warum fallen wir darauf immer rein? Immer wieder kriegt man Kettenbriefe, du musst ein Rätsel lösen, dein Profilbild ändern, kannst einen Gutschein abstauben – und musst dafür den Brief "nur" an deine Freunde weiterschicken. Noch schlimmer, ist es, wenn einem etwas Schlimmes widerfahren soll, leitet man den Brief nicht weiter. Unglück wird vorhergesagt oder gar der Tod. Kommt schon!!! ES NERVT. Trotzdem machen immer so viele mit, dass sich der Brief auch wirklich verbreitet. Und viele dieser Briefe haben Angst und Schrecken verbreitet. Wir erinnern uns bestimmt alle an Momo . . . 

Warum machen wir das? Das ist easy: Aberglaube. Das Phänomen gibt's schon seit Jahrhunderten. Eine schwarze Katze, Freitag der 13. oder zerbrochene Spiegel ... Es gibt vieles, das Unglück bringen soll. Und seit es Smartphones gibt, eben auch Kettenbriefe. Psychologen nennen das Phänomen Aberglaube auch magisches Denken. Fakt ist: Viele Menschen bringen bestimmte Situationen (Uuups: eine schwarze Katze) in einen Zusammenhang mit Befürchtungen (dann wird mein Tag schlecht) – obwohl diese Dinge nichts miteinander zu tun haben. Der Grund: Unser Gehirn versucht, das Chaos der Welt um uns herum in Ordnung zu bringen, indem wir Zusammenhänge erfinden. Das ist natürlich totaler Schwachsinn! Tipp: einfach mal aushalten und nichts weiterleiten. Wir leben bisher auch alle noch ;) WICHTIG: Klick NIEMALS einen Link in so einem Brief an! So werden Handy-Viren verbreitet! DAS ist eine echte Warnung ;)

 

Phänomen 5: Hat das Handy gerade vibriert?

Ah! Eine Nachricht! Den Vibrations-Alarm hab ich genau gespürt. Du blickst aufs Handy . . . Nichts . . . Hä? Hab ich mir das eingebildet? JAP! Denn wer am Phantom-Vibrations-Syndrom (kurz: PVS) leidet, bildet sich ein, dass das Handy vibrieren würde. Über die genauen Ursachen sind sich Psychologen und Ärzte noch nicht einig. Man vermutet aber folgendes: Weil du dein Handy immer mit dir rumträgst, nimmst du es irgendwann als Teil deines Körpers wahr. Noch dazu reagiert man sensibel auf Nachrichten-Töne oder -Vibrationen. Diese Kombi führt dazu, dass du Reize wie Muskelzucken als Handyvibration wahrnimmst. Tatsächlich ist diese Halluzination sehr weit verbreitet. Next Level ist dann, wenn man es klingeln hört, aber niemand anruft ;)

 

Pänomen 6: Wie entsteht ein Shitstorm?

Justin Bieber, Ariana Grande, Jonas Meier von nebenan, du, wir . . . Ein Shitstorm kann wirklich jeden treffen! Ein Bild, ein Kommentar, ein dummer Spruch reicht aus und ZACK hasst dich das ganze Internet. Mit ein paar fiesen Kommentaren fängt es an. Immer mehr Leute werden auf den Post aufmerksam, und schließlich regnet es krasse Kritik und Hass ohne Ende. Die Hater vertreten im Internet lautstark ihre Meinung, viele lassen jedoch auch ihren Ärger und Frust an anderen aus. Sie fühlen sich besser und mächtig, wenn sie ihre Mitmenschen runtermachen – und das ist im Netz besonders leicht . . . Die meisten Hater würden sich in der Realität nicht trauen, so heftig auszurasten. Das Gegenteil eines Shitstorms ist übrigens ein Candy-Storm (dt.: Süßigkeiten-Sturm). Dann wird jemand für etwas übertrieben gefeiert. Schade ist, dass das viel seltener passiert, als ein Shitstorm :( Das Gute daran: So schnell, wie ein Shitstorm kommt, so schnell geht er auch wieder. 

 

Phänomen 7: Ich hab das Gefühl, ich verpasse alles . . .

Welcome to the world of FOMO (Fear of missing out, dt.: Angst, etwas zu verpassen). Wer kennt es nicht: Auf deinem Insta Feed siehst du lauter Pics von tollen Sachen, die deine Freunde erleben. Party! Urlaub! Spaß! Und du? Alle ­haben Fun, du bist nicht dabei, nicht eingeladen, einsam . . . #HEUL! Das klingt nach einem akuten Fall von FOMO. Hinter FOMO steckt die Angst, etwas zu verpassen. Du machst dir Druck und Stress, weil du das Gefühl hast, dass dir Mega-Erlebnisse entgehen. Durch die Postflut auf Social Media wird deine FOMO noch verstärkt, denn du bekommst immer mit, was die anderen tun. Dagegen gibt's meist nur ein Mittel: Realitätscheck! Denn auch wenn deine Freunde nur geile Sachen posten – das ist nicht ihre Realität, sondern nur ein kleiner Ausschnitt davon! Klar, denn jeder postet meist nur die geilen Sachen – die langweiligen will ja keiner sehen . . . Oder doch? Dann poste mal dein Wurstbrot ;)