Corona Impfung: Jugendliche dürfen ohne Eltern entscheiden

Gegen Corona impfen oder nicht impfen? Junge Menschen unter 18 Jahren dürfen das auch gegen den Willen der Eltern selbst entscheiden. Worauf zu achten ist ...

Corona Impfung: Jugendliche dürfen ohne Eltern entscheiden
Streit um die Corona Impfung? Jugendliche können auch ohne Eltern entscheiden!
Inhalt
  1. Corona Impfung: Streitthema vieler Familien
  2. Jugendliche dürfen ohne Eltern entscheiden
  3. Impfung oder nicht … Wie ist die Lage?
  4. Hohe Impfquote soll Pandemie eindämmen
  5. Impf-Empfehlungen für junge Menschen in Deutschland
 

Corona Impfung: Streitthema vieler Familien

Sollen sich junge Menschen impfen lassen oder nicht? Diese Frage wird in vielen Familien aktuell heißt diskutiert. Die Lage ist dabei nicht einfach zu bewerten. Expert*innen weltweit schlagen Alarm und finden zum Teil drastische Worte, wenn es um die Ausbreitung und Gefahren der Delta-Variante geht. Andererseits sind die Zahlen schwerer Fälle bei jungen Menschen nicht so hoch, wie viele noch wenigen Wochen befürchtet hatten. 
Die einen Eltern sind unbedingt für eine Impfung – die anderen strikt dagegen. Und das Kind muss der Entscheidung der Eltern Folge leisten? Nein!

  • In Deutschland gibt es 4.5 Millionen Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren, die eine Impfung gegen SARS-CoV-2 in Anspruch nehmen könnten (und zum Teil schon haben).

Und viele von ihnen dürfen selbst entscheiden, ob sie eine Corona Impfung wollen oder nicht. Abseits der Vorstellungen der Eltern.  

 

Jugendliche dürfen ohne Eltern entscheiden

Jugendliche dürfen auch ohne Einwilligung der Erziehungsberechtigten über eine Impfung entscheiden, wie das RKI bestätigt.

Ab 16 Jahren ist eine Zustimmung der Eltern nicht erforderlich und junge Menschen dürfen frei und selbst entscheiden, ob sie geimpft oder nicht geimpft werden möchten – egal, wie die Eltern die Corona Situation sehen.
Denn auf die Ansichten der Eltern kommt es nicht an, sondern auf die sogenannte "Einsichtsfähigkeit" des/der Jugendlichen. Das bedeutet, ob Verständnis und Bewusstsein für die aktuelle Situation und Konsequenzen in Bezug auf die Impfung gegen SARS-CoV-2 besteht.

Ob ein/eine Jugendliche*r in der Lage ist, die Vorteile und Risiken einer Impfung zu verstehen, entscheidet der/die Impfarzt/Ärztin in einem Einzelgespräch mit dem/der Jugendlichen (ohne die Eltern). Es wird davon ausgegangen, dass Jugendliche ab 16 Jahren diese Einsichts- und Entscheidungs­fähigkeit besitzen.

Aber auch Jugendliche mit 14 Jahren und 15 Jahren können ein Einzelgespräch ohne Eltern mit dem/der Impfarzt/Ärztin – sowie die Impfung – fordern. Ob geimpft wird, sei vom Einzelfall und der jeweiligen „Einwilligungsfähigkeit“ des/der Jugendlichen abhängig.  

Für 12- bis 13-Jährige ist eine Erlaubnis der Eltern notwendig.

 

Impfung oder nicht … Wie ist die Lage?

Die Inzidenzen nach Altersgruppe liegen laut RKI  bei den jungen Menschen am höchsten:

  • Die Inzidenz für die 15- bis 19-Jährigen liegt bei 172.
     
  • Bei den 10- bis 14-Jährigen bei 182 – das ist der höchste Wert aller Altersgruppen.

Das RKI gibt an, dass in der letzten Augustwoche diesen Jahres 373 Menschen im Alter zwischen 15 und 19 wegen Covid 19 im Krankenhaus behandelt werden mussten. In der Woche zuvor waren es 413. Solche und höhere Werte wurden zuletzt zwischen Oktober 2020 und Mai 2021 gemessen. Also vor und während der Ausbreitung der Delta-Variante. 
Bei den 5- bis 14-Jährigen sind aktuell 49 Patient*innen im Krankenhaus.  

Nach wie vor scheinen junge Menschen vor schweren Verläufen geschützt zu sein. Eine Impfung reduziert wohl dennoch die Gefahr, schwer an Corona zu erkranken. Eine Studie aus den USA, veröffentlicht von der US Gesundheitsbehörde CDC,  legt dar, dass die Krankenhausrate für ungeimpfte Menschen zwischen 12 und 17 Jahren, zehnmal höher sei, als bei vollständig geimpften Gleichaltrigen. Die Studie untersuchte einen Zeitpunkt, zu dem die Delta-Variante in den USA bereits vorherrschend war. 

 

Hohe Impfquote soll Pandemie eindämmen

Das Bundesministerium für Gesundheit hat errechnet, dass in der jungen Bevölkerung eine Impf-Quote von über 85% und in der älteren über 90% erreicht werden müsse, um die Pandemie eindämmen zu können.

Die Modellierungen zeigen, dass eine Zielimpfquote (Impfschutz durch vollständige Impfung) von 85 % für die 12– 59-Jährigen sowie von 90 % für Personen ab dem Alter von 60 Jahren für notwendig ist, um die 7-Tage-Inzidenzen unter 100 bzw. 50 Fälle pro 100.000 Personen zu halten.

Aktuell liegt die Impfquote der vollständig Geimpften bei den 12- bis 17-Jährigen bei knapp über 22% und bei den 18- bis 59-Jährigen bei fast 66%. Die Impfquote der über 60-Jährigen liegt bei 83%. (Quelle: Statista

Impfen oder nicht ist für viele also nicht die Frage, ob man als junger Mensch schwer an SARS-CoV-2 erkranken könnte, sondern ob  – wie so oft in der Corona Pandemie – an die Allgemeinheit gedacht werden sollte.
Doch während sich die Eltern uneins sein können, ob das Kind geimpft werden sollte, aus welchen Gründen die Impfung Sinn machen oder welche Ziele damit verfolgt werden könnten, haben viele Jugendliche das Recht darauf, selbst und frei über "Ja" oder "Nein" entscheiden zu dürfen.

 

Impf-Empfehlungen für junge Menschen in Deutschland

Die Ständige Impfkommission (STIKO) ­– das ist ein unabhängiges Gremium aus Expert*innen – empfiehlt auch jungen Menschen die Impfung gegen SARS-CoV-2 und gibt offiziell an:

… eine allgemeine COVID-19-Impfempfehlung für 12- bis 17-Jährige auszusprechen. Diese Empfehlung zielt in erster Linie auf den direkten Schutz der geimpften Kinder und Jugendlichen vor COVID-19 und den damit assoziierten psychosozialen Folgeerscheinungen ab. Unverändert soll die Impfung nach ärztlicher Aufklärung zum Nutzen und Risiko erfolgen.

Zwei von vier aktuellen Impfstoffen sind für Jugendliche ab 12 Jahren (Quelle: Paul-Ehrlich-Institut) zugelassen. 

Auch wenn sich unter den Eltern Impfgegner und -Befürworter streiten, wer "Recht" habe und ob das Kind geimpft wird oder nicht – ist es am Ende in sehr vielen Fällen nicht die Entscheidung der Eltern, die zählt.
Es kommt darauf an, was der/die Jugendliche selbst für richtig empfindet. Abgesehen davon empfiehlt es sich natürlich immer, ein vernünftiges Gespräch zu führen, in dem – sollten Eltern und Jugendliche unterschiedlicher Meinung sein – die persönlichen Beweggründe erklärt und dargelegt werden.