Selbstmord: Gefangen im falschen Körper

Leelah wurde als Josh geboren - fühlte sich aber nicht als Mann!
Leelah wurde als Josh geboren - fühlte sich aber nicht als Mann!

In Ohio  (USA) hat Leelah  Alcorn, 17 Jahre alt, keine andere Lösung ihrer Probleme gesehen. Am 29. Dezember 2014 beging sie Selbstmord.

Leelah verfasste vorher noch einen Blog-Eintrag auf Tumblr. Er beginnt mit den Worten:

"Wenn du das jetzt lesen kannst, dann bedeutet es, dass ich Selbstmord begangen habe und offensichtlich diesen Beitrag nicht mehr aus der Planung entfernen konnte. Sei bitte nicht traurig, es ist besser so. Das Leben was vor mir lag, war nicht lebenswert. Ich bin transexuell. Ich könnte ins Detail gehen, warum ich so fühle, aber dieser Post wird eh schon lang genug. Um es kurz zu machen: Ich bin ein Mädchen, gefangen in dem Körper eines Jungens. Ich fühle so, seit ich vier Jahre alt bin."

Leelah fühlte sich als Mädchen. Sie wurde aber als Junge geboren - ihr echter Name ist Josh. Sie ist transsexuell und damit hatte ihre Familie ein großes Problem. Sie fand keine Unterstützung in der Familie.

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Mit 14 Jahren lernte Leelah, was "transsexuell" bedeutet, zu ihrem 16. Geburtstag verweigerten ihre christlichen Eltern ihr aber weiterhin die Zustimmung zu einer Hormontherapie, die der erste Schritt zur Geschlechtsanpassung bedeutet. Leelahs Eltern schickten sich zu christlichen Therapeuten. Doch dort wurde ihr Wunsch als Frau zu leben nicht ernst genommen. Ihr wurde gesagt, dass Gott keine Fehler macht und dass es nur "eine Phase ist".

In der Schule hat sich Leelah als schwul geoutet. Ihre Klassenkameraden fassten das Outing positiv auf, doch ihre Eltern waren sauer: sie nahmen sie aus der öffentlichen Schule, nahmen ihr Laptop und Handy weg, zwangen sie ihre Social Media Accounts zu löschen und sie durfte auch ihre Freunde aus der Schule nicht mehr sehen. Eine schwere Zeit für Leelah. Alles um sie herum zog sie immer weiter runter.

In dem Abschiedsbrief fordert Leelah Gleichberechtigung für andere transsexuelle Menschen: "Ich kann nur in Frieden ruhen, wenn eines Tages transsexuelle Menschen nicht mehr genauso behandelt werden wie ich. Sie müssen wie Menschen behandelt werden, die Gefühle und Rechte haben. (...) Mein Tod muss etwas bedeuten! Mein Tod muss in die Statistik einfließen, die dieses Jahr Selbstmord begingen. Ich will, dass die Leute sich diese Zahl angucken und sagen: 'Hey, das ist scheiße!' und etwas ändern! Ändert die Gesellschaft. Bitte."

Leelah hätte nur noch ein Jahr warten müssen. Mit 18 Jahren können Eltern in den USA ihren Kindern eine Geschlechtsanspassung nicht mehr verweigern. 

 

Was wir aus diesem traurigen Todesfall lernen sollten:

Wir sollten niemanden aufgrund seiner Transsexualität auslachen oder ausgrenzen. Wir müssen in der Gesellschaft akzeptieren, dass es Menschen gibt, die im falschen Körper geboren sind. Medizinisch ist eine Geschlechtsanpassung mittlerweile möglich. Sogar die Krankenkassen übernehmen die Umwandlung. Bis dahin muss ein transsexueller Mensch viel durchmachen, auch die Behandlung ist nicht einfach und geht über mehrere Monate. In Statistiken wurde nachgewiesen, dass die Selbstmordrate bei transsexuellen Menschen vor der Geschlechtsanpassung um einiges höher liegt, als bei nicht transexuellen Menschen liegt. 

Trotzdem sollte noch einmal erwähnt werden, dass ein Selbstmord niemals die Lösung für ein Problem sein kann. Ein Selbstmord sollte nicht missbraucht werden, um es seinen gemeinen Eltern heimzuzahlen oder um einen Standpunkt zu verdeutlichen. Es gibt bessere Wege dafür. Sehr viel bessere Wege!

Wenn du Depressionen oder sogar auch Selbstmordgedanken hast, rufe diese Nummer an:

Telefonseelsorge: 0800/ 111 0 333

Telefonseelsorge Schweiz: 143
Telefonseelsorge Österreich: 142

Selbsthilfegruppen der Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V --> HIER