Panikattacke: Wie du eine Angststörung in den Griff bekommst

Trauriger Teenager
Am schlimmsten ist die Angst vor der Angst

Eine Panikattacke, das kann der Schreck beim Anblick einer großen Spinne sein oder ein schrecklicher Zustand der Verzweiflung. Ob du einfach Angst hast oder schon eine Angststörung, das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Lies hier alles über Panikattacken, ihre Ursachen und wie du am besten dagegen angehst.

 

Angststörung - welche Ängste gibt es?

Es gibt viele verschiedene Ängste und Phobien, die zu Panikattacken führen können. Das sind die häufigsten bei Jugendlichen:

• Höhenangst – Bei großer Höhe wird den Betroffenen schwindlig, sie fühlen sich schwach, haben Angst, kriegen Schweißausbrüche. Bei manchen reicht es, auf einem Stuhl zu stehen. Die Vorstellung, Bungee Jumping oder Fallschirmspringen zu machen, kommt bei den Betroffenen einer Folter gleich, Panikattacke garantiert.

• Flugangst – Hier verbinden sich oft die Angst vor der Höhe, mit der Angst abzustürzen und der Klaustrophobie. Viele Menschen fliegen überhaupt niemals, um Panikattacken in der Luft zu vermeiden. Schon der Anblick eines Flugzeugs ruft in ihnen Angst hervor.

Flugzeug
Flugangst? Du kannst sie loswerden!

• Klaustrophobie – Nennt man gemeinhin Platzangst, aber eigentlich ist die Angst vor der Enge. Die haben sehr viele Menschen. Sie finden enge Gänge, Fahrstühle, Menschengedränge und enge Geräte wie Solarien oder MRTs schrecklich und einfach unerträglich.

• Lampenfieber – Wer im Rampenlicht steht, ist oft ein bisschen aufgeregt. Aber wenn die Panik ergreift, der kriegt Bauchschmerzen, Schweißausbrüche, zittrige Hände, einen trocken Mund und die extreme Angst zu versagen. Die Betroffenen stehen irgendwie neben sich, nehmen sich wie von außen wahr und leiden Höllenqualen.

• Angst vor Tieren oder Dingen – Spinnen lassen Arachnophobiker in Panik geraten, andere fürchten sich vor Tauben oder Vögeln überhaupt. Hier verbindet sich die Angst oft mit Ekel. Wer sich vor Hunden fürchtet, findet die dagegen gefährlich und unberechenbar. Es gibt auch Menschen, die haben Angst vor Clowns. Dunkelheit ruft vor allem bei Kindern Angst hervor, aber es leiden auch viele Erwachsene darunter.

Große Winkelspinne
Pfui! Spinne!

 

Todesangst oder Angst, verrückt zu werden – Diese Ängste sind besonders abstrakt, weil sie einen plötzlich überfallen. Wie aus heiterem Himmel, ist plötzlich irgendetwas so komisch, dass du die totale Panik bekommst. Die Stimmen der anderen klingen merkwürdig, du fühlst dich so, als wärst du nicht in deinem Körper, die Dunkelheit scheint an dir zu zerren. Und du hast keine Ahnung, warum.

 

Angst bekämpfen – so geht das!

Die Angst ist erst einmal nichts Schlechtes, denn ohne Angst würden wir viel zu langsam auf drohende Gefahren reagieren. Allerdings war das für den Neandertaler meistens eine reale Gefahr: Säbelzahntiger kommt, Panik, wegrennen. Die Ängste, die uns heutzutage Panikattacken verursachen, sind oft irrationale und abstrakte Dinge – unnötige, wenn man so will. Die Angst, so sagt man, ist ein Monster, dem man sich stellen muss, sonst wird sie größer. Also gibt nicht klein bei, sondern kämpfe dagegen an!

Mädchen hat Angst
Alpträume sorgen für unruhige Nächte
 

Panikattacken richtig einordnen

Beobachte dich selbst und finde heraus, in welchen Situationen du panisch wirst. Schreib das genau auf, merk dir auch, was genau deine Befürchtung ist (das Flugzeug stürzt ab, alle lachen über mich, ich kriege keine Luft …). Und versuch die Panik einzuordnen auf einer Skala von eins bis zehn, wobei fünf eine ziemlich schlimme Angst mit schnellem Puls, feuchten Händen und Unwohlsein ist und zehn der blanke Panik-Horror, Todesangst.

 

Wie lange dauert eine Panikattacke?

Versuch bei der nächsten Panikattacke die Stoppuhr deines Handys zu stellen, um herauszufinden, wie lange sie andauert. Das hört sich merkwürdig an, aber manche Menschen beruhigt es schon, wenn sie wissen, dass die Panik nach einer bestimmten Zeit von allein wieder weg ist. Denn Teil der Panik ist oft, dass die Panik niemals aufhört.

 

Was du im Alltag tun kannst

• DU MUSST EIN REFERAT HALTEN

Demnächst musst du vor der ganzen Klasse einen Vortrag halten. Aufregung und Angst machen sich breit. Bestimmt werden dich alle anstarren, und du wirst knallrot ... HÖR AUF, so zu denken! Wie? So:

Deine Anti-Panik-Strategie:

1 Woche vorher: Du solltest dein Referat ausgearbeitet haben. Geh es jeden Abend durch, sag es dir selbst laut auf, bis du die wichtigsten Punkte auswendig kannst – so vergisst du am Tag des Referats nichts!

1 Tag vorher: Trag es einer Freundin oder einem Kumpel vor. Danach heißt es: abschalten. Unternehmt was Cooles, geht ins Kino oder shoppen. Wenn du abends nicht schlafen kannst, mach was total Beruhigendes: Dokus auf Netflix (z. B. „Unser Kosmos“) gucken oder ein Buch lesen! Klingt banal, hilft aber echt!

1 Stunde vorher: Nicht durchdrehen! Du kannst dein Referat auswendig – das zählt! Denk nicht weiter darüber nach! Mach, was du sonst auch machst. Tipp: Lutsch vor dem Vortrag noch einen Traubenzucker oder iss einen Müsli-Riegel! Trink was, so hast du keinen trockenen Hals!

Mädchen Schulstress
Auch die Schule ist für Ängste verantwortlich

 

• VOR DEM ERSTEN DATE

Dein Schwarm ist echt sweet, und du willst unbedingt einen guten Eindruck hinterlassen. Es ist dir total wichtig, dass er/sie dich gut findet! Da ist es ganz logisch, dass dein Kopfkino voll durchdreht und du nächtelang grübelst, ob du auch cool genug bist ... Keinen Stress! Bist du!

Deine Anti-Panik-Strategie:

2 Tage vorher: Vor eurem Date kannst du dir überlegen, worüber ihr beim Treffen sprechen könntet. Am besten kommen gemeinsame Interessen an! Weißt du schon was? Wenn nicht: Guck doch mal auf sein/ihr Instagram- oder Facebook-Profil. Vielleicht mögt ihr die gleichen YouTuber oder Filme!

1 Tag vorher: Überleg dir ein nettes Outfit und teste, wie du deine Haare stylen möchtest. Mädchen können auch ihr Make-up ausprobieren. Abends kannst du, wenn du dich traust, deinem Date schreiben, dass du dich auf morgen freust.

1 Stunde vorher: Style dich und check, ob du alles Wichtige dabeihast (Schlüssel, Kaugummi, Bahn-/Buskarte ...)! Um abzuschalten, kannst du auf dem Weg zum Date noch eine Folge deiner Lieblingsserie gucken. Kurz davor solltest du außerdem das Handy auf stumm schalten – Dauergeklingel von neugierigen Freunden, die fragen, wie das Date läuft, kann nervig werden!

• DU WECHSELST DIE SCHULE

Du ziehst in eine neue Stadt oder wechselst die Schule und fühlst dich total fremd. Du kennst niemanden und denkst schon wochenlang darüber nach, wie du bei den anderen ankommen wirst. Immer wieder fragst du dich, ob du akzeptiert werden wirst und ob die anderen cool zu dir sein werden ...

Deine Anti-Panik-Strategie:

1 Woche vorher: Informier dich über deine neue Stadt oder coole Locations, die du gern besuchen möchtest. In Sachen neue Schule solltest du schon mal checken, wie z. B. deine Busverbindung sein wird, und wenn du Zeit hast, solltest du die Strecke schon mal testen. Vielleicht kannst du jetzt auch schon mal an der neuen Schule vorbeigehen und sie dir angucken.

1 Tag vorher: Leg dir dein Lieblings-Outfit zurecht. Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst. Style dich nicht total auf oder verkleide dich, nur weil du denkst, das kommt an. Du kannst auch Süßigkeiten wie Schoko-Bons einpacken, als nette Einschleim-Geste für deine neue Klasse.

1 Stunde vorher: Mach dich rechtzeitig auf den Weg! Als Neue/r zu spät zu kommen kann peinlich werden. Wenn du jemanden kennst, der auch auf diese Schule geht: Verabrede dich mit ihm/ihr und geht gemeinsam in die neue Schule!

Was in der Schule eigentlich jeden nervt

• DIE NÄCHSTE KLAUSUR

Wichtige Tests sind immer stressig. Du lernst, hast aber Angst zu versagen. Du kennst dich: Vor lauter Panik wirst du bei der Klausur bestimmt alles vergessen – und es endet sicher wieder mit einer schlechten Note! Muss es nicht! Du kannst das schaffen!

Deine Anti-Panik-Strategie:

1 Woche vorher: Stell dir einen Lernplan auf, wann du welches Thema lernen willst. Schreib dir einen Merkzettel und geh alles Wichtige täglich durch. Du kannst dir auch Nachhilfe vom Kumpel geben lassen und alte Aufgaben noch mal mit ihm durchgehen und wiederholen. Vielleicht gibt’s auch coole YouTube-Videos zum Test-Thema!

1 Tag vorher: Zimmertür zu! Handy aus! Jetzt noch mal konzentrieren: Lies deine Merkzettel durch und verinnerlich die wichtigsten Punkte. Geh die Punkte, bei denen du Schwierigkeiten hattest, noch mal ganz entspannt durch! Lass dir Zeit! Wenn du fertig bist (und erst dann!), solltest du dich total ablenken. Mit Sport, im Internet oder mit einem Game.

1 Stunde vorher: Blockier dich nicht selbst, weil du dir Stress machst. Sag dir selbst: „Ich kann das!“ Du hast alles gelernt. Also stell dir nicht ein Horror-Ende vor, sondern, dass es gut laufen wird. Am besten hilft es, sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Den Klassen-Schwarm vielleicht?

 

Junge im Dunkeln
Angstzustände bei Dunkelheit kennen viele

• DU MUSST DEINEN ELTERN WAS BEICHTEN

Den TV, ein Bild oder ein Fenster? Du hast irgendwas kaputt gemacht oder was Bescheuertes angestellt, wie eine Unterschrift zu fälschen – und jetzt ist der Moment da, wo du es deinen Eltern beichten MUSST! Die werden sauer sein und dir alle Freiheiten verbieten. Du hast richtig Schiss vor dem Zoff ... Cool bleiben!

Deine Anti-Panik-Strategie:

1 Stunde vorher: Egal, was du angestellt hast, es ist nicht mehr zu ändern. Jetzt geht es um Schadensbegrenzung. Wer sich einschleimen will, kann überlegen, den Tisch zu decken oder den Eltern was zu schenken. Überleg dir außerdem Vorschläge, was du in Zukunft besser machen willst. Kannst du ihnen vorschlagen, den zerstörten TV zu ersetzen? Mehr lernen? Hast du sie angelogen? Dann überleg dir, warum! Meist ist Angst der Grund für ein großes Dilemma! Das sollten deine Eltern wissen, denn so sind sie auch nicht unschuldig an deiner Situation. Wichtig ist: Warte einen guten Moment ab!

1 Minute vorher: Beichte es! Sei ehrlich! Dann hast du es hinter dir! Geh niemals mit Sorgen ins Bett. Das sind deine Eltern, keine Monster! Nimm dir vor, nicht rebellisch zu reagieren. Eltern haben das Recht, sauer zu sein, wenn du was verka*kt hast. Wenn du pampig wirst, werden sie nur noch wütender. Leg ein schuldiges Gesicht auf und sag, wie leid es dir tut!

13 nervige Fragen, die nur Eltern stellen können!

 

Ab wann brauchst du Hilfe?

Du kannst IMMER Hilfe in Anspruch nehmen, wenn du sie brauchst. Vertrau dich deinen Eltern an, spätestens, wenn du merkst, dass dich deine Angst einschränkt und unglücklich macht. Auf die Hilfe eines Psychologen solltest du zurückgreifen, wenn du nicht allein dagegen ankommst. Es gibt für jede Angst eine Strategie, ein Mittel, einen Weg! Vertrau den Ärzten, sie wissen, wie man damit umgeht. So gut wie alle Menschen schaffen das, deshalb gilt: Keine Panik vor der Panik! Am besten fragt ihr den Hausarzt oder den Kinder- und Jugendarzt nach einer geeigneten Adresse. Wenn du das tust, bist du NICHT VERRÜCKT – sondern vernünftig.

 

Krass: Manche Menschen haben GERNE Angst

Sie empfinden bei gefährlichen Situationen keine Panik, sondern einen Thrill, den sie toll finden. Im Alltag kennt man das von der Achterbahn auf der Kirmes – wenn man nicht ein bisschen Angst hätte, wäre es nicht so spannend …

Fallschirmspringer
Angst? Nö! Manche Menschen suchen "thrilling adventures"