Wir erklären: Zwitter!

Wir erklären: Zwitter!

Wir erklären, warum manche Menschen gleichzeitig Mann und Frau sein können.

Zwitter stehen zwischen den Geschlechtern. Sie sind ein bisschen Mann, ein bisschen Frau, aber nicht eindeutig das eine oder das andere. Deswegen nennen sie sich auch das „3. Geschlecht“, Mediziner nennen sie „intersexuell“.

Woran merkt man, ob jemand ein Zwitter ist?

Bei manchen wird es schon bei der Geburt festgestellt: In etwa einem von zehntausend Fällen hat das neu geborene Kind kein eindeutiges Geschlecht, also einen sehr, sehr kleinen Penis, der auch als vergrößerte Klitoris gesehen werden kann, oder Penis und Vagina gleichzeitig. Bis vor wenigen Jahren wurde dann das Zentimetermaß angelegt und anhand der Größe entschieden, ob das Kind jetzt ein Junge oder ein Mädchen ist.

Bei anderen kommt es bei der Pubertät heraus, wenn sich der Körper nicht so verändert, wie er eigentlich sollte. Durch die ungewöhnliche Entwicklung der inneren oder äußeren Geschlechtsorgane verläuft die Hormonproduktion von Zwittern anders. Und das führt oftmals zu einem Pubertätsverlauf, der ganz anders ist, als bei den meisten Jungen und Mädchen. Einige Betroffene merken sogar erst nach der Pubertät, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Dieses Gefühl haben übrigens auch viele, die als Baby operiert wurden, um sie danach einem Geschlecht eindeutig zuordnen zu können.

Kann man diese Besonderheit operieren oder behandeln?

Das Problem ist, dass sich Geschlecht nicht so einfach zurechtoperieren lässt. Viele Zwitter, egal ob operiert oder nicht, kämpfen mit psychischen Problemen: Sie fühlen sich in keinem der beiden Geschlechter wohl, aber sie finden keine passende Alternative, mit der sie von der Gesellschaft akzeptiert werden. Genau dafür kämpfen jedoch Betroffene: Sie wollen die Anerkennung als drittes Geschlecht und fordern das Ende von Operationen an Babys. Ihr Wunsch: Die Menschen sollen ihr Geschlecht selbst entscheiden, wenn sie alt genug sind.

Wie viele Menschen sind davon betroffen?

Wie viele Zwitter es in Deutschland gibt, ist unklar. Nach Schätzungen ist einer von rund fünftausend zwischen den Geschlechtern, das wären grob gesagt 16.000 Menschen in ganz Deutschland – es gibt auch andere Schätzungen, die höher oder niedriger sind.

Wo gibt es Hilfe?

Da diese geschlechtliche Besonderheit für viele mit großer Unsicherheit und Scham verbunden ist, wird oft zu lange darüber geschwiegen, wenn ein Familienmitglied betroffen ist. Heute gibt es Gruppen und Vereine, die sich ausschließlich um die Bedürfnisse von Zwittern beziehungsweise intersexuellen Menschen und ihren Angehörigen kümmern.

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