Struff: "Bin auf einem besseren Weg!"

Jan Lennard Struff.
Jan-Lennard Struff gehört zu den großen deutschen Tennis-Hoffnungen.

Jan-Lennard Struff gehört zu den großen deutschen Tennis-Hoffnungen. Aktuell schlägt er bei den BMW Open im München auf. Wir haben im exklusiven Interview mit ihm über seine Leidenschaft, seine Ziele und die Hürden im Leben eines Tennis-Profis gesprochen.

Frage: Was sind deine Ziele für die BMW Open?

Jan-Lennard Struff: Im letzten Jahr stand ich im Halbfinale. Natürlich will ich auch in diesem Jahr wieder weit kommen. Aber das Wichtigste ist, dass ich wieder zu meinem Spiel finde. Die Saison war bisher ziemlich taff. Die Ergebnisse waren noch nicht so gut.

Frage: Was macht die BMW Open so besonders für dich?

Struff: Es ist in Deutschland, das ist schon einmal schön. Wir sind ja immer viel unterwegs. Ich freue mich immer wieder herzukommen.

Frage: Du hast deine Saison angesprochen. Wie sehr belastet dich, dass die Ergebnisse nicht stimmen?

Struff: Es ist das erste Jahr, wo ich von Beginn an auf der ATP-Tour dabei bin. Das ist natürlich ein anderes Niveau. Jede Woche sind es harte Matches. Da kann man auch mal ein paar Runden verlieren. Dann macht man sich natürlich Druck. Aber ich habe das Gefühl, dass ich jetzt wieder auf einem besseren Weg bin.

Frage: Was gefällt dir am meisten am Leben eines Tennis-Profis?

Struff: Es war von Anfang an ein Traum von mir. Ich habe früher vor der Schule die Australien Open geschaut. Ich bin dadurch manchmal zu spät zum Sportunterricht gekommen und die Tür war schon abgeschlossen. Dann musste ich bei der Putzfrau klopfen, damit ich noch reinkomme. Dann habe ich mich beim Aufwärmen irgendwie reingeschlichen, ohne dass der Lehrer es gemerkt hat.

Frage: Wie schwer ist es dabei Freundschaften zu pflegen?

Struff: Aus der Schulzeit ist es richtig schwierig. Ich habe nur noch Kontakt zu wenigen Schulfreunden. Was sehr schade ist. Aber durch das Tennis sind sehr viele neue Freundschaften entstanden. 

Frage: Wie oft siehst du deine Familie und deine Freundin?

Struff: Meine Eltern und meine Freundin habe ich dieses Jahr noch nicht so häufig gesehen. Natürlich ist das nicht so leicht, gerade für eine Beziehung. Aber meine Freundin spielt auch Tennis, deswegen versteht sie das.

Frage: Was wäre dein Plan B gewesen, wenn du nicht Tennis-Profi geworden wärst?

Struff: Ich habe Abitur gemacht, ich hätte auf das College ins den USA gehen können. Ich hatte auch ein paar Angebote. Aber ich wollte nach der Schule befreit aufspielen und schauen, ob ich es als Profi schaffen kann. Und zum Glück habe ich meine Ziele erreicht.

Frage: Was ist in diesem Jahr dein Ziel?

Struff: Sowas behalte ich ganz gerne für mich. Es ist besser so etwas im Team zu behalten, als es öffentlich zu formulieren. Aber natürlich will ich mein Ranking verbessern.

Frage: Tennis ist in Deutschland nicht so im Rampenlicht. Woran liegt das?

Struff: Früher hatten die deutschen Spieler sehr große Erfolge. Wenn Grand-Slam-Erfolge da sind, ist das natürlich gut für die Sportart. Wir haben sehr viele gute Tennis-Spieler. Doch bei den ganz großen Turnieren sind andere Spieler momentan noch zu stark. Aber das kann sich ändern.

Frage: Du gehörst zu den großen Tennis-Talenten in Deutschland. Merkst du diesen Druck?

Struff: Es wäre natürlich schön, wenn wir in Deutschland mal wieder einen Top-Ten-Spieler hätten. Wir versuchen gut zu spielen, aber letztlich spielen wir auch für uns. Druck haben wir daher immer.

Frage: Neben dem Tennis interessierst du dich auch sehr für den Fußball. Welchem Klub drückst du die Daumen?

Struff: Borussia Dortmund!

Frage: Wie viel Zeit bleibt dir denn, die Spiele des BVB zu verfolgen?

Struff: Eigentlich recht viel sogar. Abends hat man meistens frei und da gucke ich ganz gerne Fußball. Natürlich würde ich gerne häufiger ins Stadion gehen. Aber manchmal schaffe ich es zum Glück.

Frage: Was sagst du zur Dortmunder Saison?

Struff: Als Dortmund-Fans waren wir in den letzten Jahren sehr erfolgsverwöhnt. Dieses Jahr ist es eine schwere Saison für uns. Aber vor einigen Jahren wären wir fast abgestiegen, da muss man einfach mal wertschätzen, wie sich der Verein entwickelt hat. Es kann nicht immer nur bergauf gehen.

Frage: Wann sehen wir dich in den Top-Ten?

Struff: Ich werde alles dafür tun, weiter nach vorne zu kommen. Von den Top-Ten zu reden wäre vermessen. Das ist noch ein weiter Weg. Natürlich muss man selbstbewusst sein. Wenn man hart arbeitet, kann man vieles möglich machen.