Zoff um Sicherheitskonzept

Nach 12 Minuten und 12 Sekunden brennt's in Cottbus!

Randale und Ausschreitungen in Stadien werden zu einem immer größeren Problem. Der Ligaverband DFL hat nun einen Katalog mit Gegenmaßnahmen vorgelegt, um die Gewalt beim Fußball-Erlebnis einzudämmen. Allerdings nicht im Interesse der Fans - diese wehren sich heftig gegen die geplanten Sicherheitsmaßnahmen. Doch was genau will die DFL eigentlich erreichen? Und welche Streitpunkte gibt es? BRAVO SPORT beantwortet die wichtigsten Fragen!

Die DFL möchte ein neues Sicherheitskonzept beim Stadionbesuch durchsetzen. Die Fans wehren sich gegen die drohenden Maßnahmen. Doch was wird da eigentlich diskutiert?

Kölner Ultras verwandeln den Fanblock in eine schwarze Wand, Düsseldorfer Anhänger stürmen den Platz vor Spielabpfiff, Dresdener Hooligans eskalieren beim DFB-Pokal: Fanausschreitungen in Stadien sind zu einem großen Problem geworden. Besonders brisante Bundesliga-Partien enden immer häufiger mit Krawallen und Verletzten. Nach den jüngsten Vorfällen hat die Politik nun den Druck auf den Ligaverband und die Vereine erhöht. Stadionbesuche sollen zu einem sicheren Erlebnis für Ordnungskräfte, Zuschauer und Spieler werden. Deshalb die Forderung: Die Liga muss handeln!!! Die DFL hat daraufhin einen Katalog von Vorschlägen erarbeitet, um die Sicherheit in Stadien besser zu gewährleisten. Heute stimmen die Vertreter der 36 Erst- und Zweitliga-Vereine über insgesamt 16 Anträge ab.

Doch welche Maßnahmen sollen das Stadionerlebnis nun sicherer machen?

 

"Sicherers Stadionerlebnis"

Die meisten der 16 Anträge fallen in die Kategorie Organisation: Die Polizei erhält mehr Befugnisse bei der Videoüberwachung, der Ordnungsdienst wird geschult, die DFL gründet eine Kommission Stadionerlebnis. Das meiste davon ist längst Realität. Andere Punkte haben jedoch einen Mega-Wirbel ausgelöst.

Das fordert die DFL:

1. Schärfere Kontrollen

Die Klubs sollen nach eigenem Ermessen an den Stadioneingängen massivere Personen-Körperkontrollen z.B. in speziellen Containern durchführen. Waffen oder Pyros sollen somit nicht mehr ins Stadion gelangen.

Absolut daneben finden die Fans:

Sie befürchten, dass es zu "Nackt-Kontrollen" kommt, die sie als "entwürdigend" empfinden.

2. Pyrotechnik-Verbot einhalten

Brennende Bengalo-Fackeln sind extrem gefährlich, entwicklen eine Hitze von mehreren Tausend Grad. Und: Sie setzen Gase frei, die die Atemwege belasten.

Absolut daneben finden die Fans:

Sie wollen auf die Atmosphäre durch die leuchtenden Pyros nicht verzichten. Und: Ihrer Meinung nach kommt niemand zu Schaden, wenn man sie kontrolliert abbrennt.

3. Vermummungsverbot

Das gesetzliche Vermummungsverbot soll strenger durchgesetzt werden. Denn: Vermummung durch Masken, Schals o.Ä. erschwert die Ermittlung von Straftätern.

Absolut daneben finden die Fans:

Sie wollen nicht mit den wenigen Chaoten in einen Topf geworfen werden.

4. Bekenntnis gegen Gewalt

Statistiken belegen die Gewaltzunahme in den Stadien: 846 Verletzte gab's 2010/11! Mehr als dreimal so viele wie zehn Jahre zuvor. In Vereinbarungen mit den Klubs sollen sich die Fans eindeutig gegen Gewalt aussprechen.

Absolut daneben finden die Fans:

Die große Masse der Fans fühlt sich damit an den Pranger gestellt. Es sei nur eine kleine Minderheit, die Randale macht.

5. Strafen für alle Fans

Verursachen Fans eines Vereins Krawalle oder verstoßen sie gegen die Regeln für Pyrotechnik, will die DFL zukünftig höhere Strafmaßnahmen ergreifen: Weniger Tickets für Auswärtsspiele, Stehplatz-Tickets sollen evtl. ganz gestrichen werden! Keine Banner oder Blockfahnen in Stadien!

Absolut daneben finden die Fans:

Sie finden es ungerecht, wenn alle oder viele für die Vergehen Einzelner bestraft werden. Und Sitzplätze können sich die meisten Fans gar nicht leisten.

 

"12:12 – Der zwölfte Mann wehrt sich"

Bundesweit protestieren die Fans gegen das DFL-Konzept "Sicheres Stadionerlebnis". Im Stadion gab es vom 14. bis zum 16. Spieltag ein "Stimmungsboykott" – mit einer 12 Minuten und 12 Sekunden andauernden Schweigezeit zeigten die Fans, dass ohne ihren lautstarken Einsatz Fußball-Partien an Emotionen und Kitzel verlieren. Auch auf der Straße machen die Fußballdemonstranten ihrem Ärger Luft und stellen klare Forderungen.

 

Wie geht es jetzt weiter?

Bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga in Frankfurt ist die Sicherheitsproblematik das zentrale Thema. Nach langen Diskussionen über das Maßnahmenpaket "Sicheres Stadionerlebnis" soll heute eine Entscheidung fallen.

Die 36 Vereine werden durch ihre Präsidenten, Vorstände oder Geschäftsführer vertreten. Über die 16 Anträge wird dann einzeln abgestimmt. Die Punkte, die von einer Mehrheit befürwortet werden, landen in einem entsprechenden Antrag beim Präsidium des DFB. Im Falle einer Ablehnung oder Verschiebung könnten die Innenminister der Länder eingreifen.

Aufgepasst!!! Denn dann drohen den Fans noch viel härtere Maßnahmen.

 

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