Was macht der Torrichter?

John Terry klärt den abgefälschten Ball von Marco Devic hinter der Torlinie.

Die Torrichter stehen nach strittigen Entscheidungen bei der Europameisterschaft im Fokus. Seit wann gibt es ihn und welche Aufgaben hat er?

Der Ukrainer Marco Dedic kommt zum Abschluss, Keeper Joe Hart ist noch dran, doch der Ball fliegt im hohen Bogen ins englische Tor. Plötzlich kommt John Terry angerauscht und schlägt den Ball weg. Die ukrainischen Spieler jubeln, sind sich sicher, dass der Ball die Torlinie passiert hat, doch der Schiedsrichter lässt weiterspielen. Er bekam kein entsprechendes Signal von seinem Torrichter. Das Tor zählt nicht! Spätestens seit dem unglücklichen Ausscheiden der Ukraine bei der heimischen Euro ist der Torrichter in aller Munde.

 

Der Torrichter und seine Aufgaben

Erstmals bei einer EM kommen Torrichter zum Einsatz.
Erstmals bei einer EM kommen Torrichter zum Einsatz.

Den Torrichter gibt es seit der Saison 2009/10. Erstmals kam er in der UEFA Europa League unter der offiziellen Bezeichnung "additional assistant referees" (AARs/Zusatz-Schiedsrichterassistent) zum Einsatz. Seit der Saison 2010/11 werden die Torrichter auch in der UEFA Champions League eingesetzt. Die EURO 2012 ist das erste internationale Turnier, bei dem die AARs dem Schiedsrichter assistieren. Mit dem Hauptschiedsrichter, den beiden Schiedsrichterassistenten (früher: Linienrichter), dem Vierten Offiziellen und seinem Vertreter (Fünfter Offizieller) sowie den beiden Torrichter umfasst das Schiedsrichtergespann insgesamt sieben Personen.

Die Torschiedsrichter sind hinter der Torlinie auf der gegenüberliegenden Seite des jeweiligen Schiedsrichterassistenten positioniert, dürfen aber auch das Spielfeld betreten. Die Hauptaufgabe ist es, zu entscheiden, ob ein Ball die Torlinie mit vollem Umfang überquert hat. Weiterhin stehen die Torrichter dem Schiedsrichter bei strittigen Entscheidungen im Strafraum, wie Fouls oder Tätlichkeiten, zur Seite. Allerdings dürfen sie keine Zeichen geben, den Arm heben oder gestikulieren. Sie geben ihre Eindrücke über Funk an den Hauptschiedsrichter weiter.

 

Kritik und Alternativen

Mit der Einführung der Torschiedsrichter wollte die UEFA Fehlentscheidungen entgegenwirken. Das nicht gegebene Tor der Ukraine und auch das elfmeterwürdige Einsteigen von Sergio Ramos gegen Mario Mandzukic im Spiel zwischen Spanien und Kroatien wird die Diskussion über technische Hilfsmittel im Fußball erneut anfachen. Auch in der Euro-League brachten die Torrichter nicht die gewünschten Effekte. Den Videobeweis, den es beispielsweise im Eishockey gibt, lehnt Uefa-Präsident Michel Platini jedoch entschieden ab: "Das wäre der Tod des Fußballs." Folgende Alternativen stehen nach ausgiebigen Tests noch zur Debatte: Die Torkamera (Hawk-Eye-Technik), die aus dem Tennis bekannt ist und der Chip im Ball. Zur WM 2014 in Brasilien wird es wohl eine technische Lösung geben.