Was ist die Youth League? Champions League für A-Jugendliche

UEFA Youth League: Am 1. Spieltag traf der Nachwuchs von Ajax Amsterdam auf den des FC Barcelona.

Die Champions League gibt es jetzt auch für A-Jugendliche. Die UEFA hat eine internationale Jugend-Liga ins Leben gerufen. Ganz nach dem Vorbild der "Königsklasse" treten die U19-Spieler der europäischen Klubs gegeneinander an. Allerdings können die Nachwuchs-Teams sich nicht selbst qualifizieren, sondern sind abhängig von der Leistung ihrer 1. Mannschaft. Der Spielplan ist nämlich identisch zu dem in der "echten" Champions League.

An der "UEFA Youth League" nehmen die A-Jugend-Mannschaften der 32 Klubs teil, deren Profiteams auch in der "richtigen" CL mitspielen. Aus Deutschland sind also der FC Bayern, Schalke 04, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen am Start.

 

Sportlicher Vergleich auf internationaler Bühne

UEFA-Präsident Michel-Platini schwärmt von dem neuen Produkt seines Verbandes: "Wir haben damit eine Möglichkeit für Nachwuchsspieler geschaffen, auf internationalem Niveau Klubfußball unter Wettbewerbsbedingungen spielen zu können. So geben wir den Spielern Gelegenheit, sich zu entwickeln und wertvolle Erfahrungen zu sammeln."

Für die Nachwuchs-Kicker ist das natürlich eine riesen Sache! Sie spielen gegen die größten Teams Europas. So trat Bayer Leverkusen am 1. Spieltag bei Manchester United an. Und: Die Talente reisen mit den Profis! Das macht Sinn, denn die Spiele müssen am selben Tag oder einen Tag vor der Partie der "Großen" ausgetragen werden. Oliver Ruhnert, sportlicher Leiter der "Knappenschmiede" des FC Schalke, bestätigt den großen Anreiz für den Nachwuchs: "Die Jungs sind sehr aufgeregt, die haben da richtig Lust drauf. Sportlich gesehen ist das natürlich eine sehr interessante Sache."

Interessant für den Ausrichter dürften hingegen die Einnahmen durch Fernseh-Übertragung und Sponsoren sein. Und das sogar auf Kosten der Talente?

 

Werden die Jungs verheizt?

Die hohe Belastung der Jugendspieler steht dem Glanz der internationalen Bühne entgegen. Neben den Liga- und Pokalspielen nehmen die A-Jugendlichen an Verbandslehrgängen teil oder spielen in der Nationalmannschaft. Und jetzt noch Youth-League? Wann sollen die Jungs denn noch eine Ausbildung machen oder zur Schule gehen? "Viele unserer Spieler machen gerade ihr Abitur. Die haben gerade mal sechs Wochen Schule im Halbjahr, der Rest fällt aus", erklärt Ruhnert.

Neben der schulischen leidet auch die fußballerische Ausbildung. "Wir kommen gar nicht mehr dazu, zu trainieren und hetzen die Jungs von Spiel zu Spiel", gibt der 40-jährige Nachwuchskoordinator an. Kritik gab es auch von Seiten des BVB und aus Leverkusen. Doch entziehen können sich die Klubs nicht. "Man wird quasi gezwungen, daran teilzunehmen, weil wir anderenfalls mit Sanktionen zu rechnen hätten", erklärt der Schalker Manager Horst Heldt.

Nach diesen Aussagen erscheint die neue Youth League in einem anderen Licht. Ob die Ausbildung der Jugendspieler unter dem Wettbewerb leiden wird, muss sich aber erstmal zeigen. Und nachbessern kann man dann immernoch. Und auch, was die sportliche Qualität angeht...

 

Sportliche Qualität ist fragwürdig

Da sich die Teams nicht qualifizieren müssen, ist der sportliche Wert der Youth League fraglich. Denn nicht alle Spitzen-Mannschaften im Lizenzbereich haben auch einen erstklassigen Nachwuchwuchs. Andersherum leisten beispielsweise der RSC Anderlecht aus Belgien oder der FK Molde aus Norwegen beste Nachwuchsarbeit, sind aber in der "YL" nicht vertreten. So auch der amtierende A-Jugend-Meister aus Deutschland, der VfL Wolfsburg. Ruhnert formuliert es so: "Man muss nichts leisten, um da mitzuspielen."

Ob sich die Youth League etablieren kann, bleibt abzuwarten. Doch so wie sich die UEFA für den neuen Wettbewerb einsetzt, ist davon auszugehen. Die ein oder andere Reform würde der "Prinzenklasse" aber gut zu Gesicht stehen. Ruhnert schlägt vor, dass auch 21- oder 22-Jähriger spielberechtigt sein sollten. "Die sind mit der Schule fertig und altersmäßig viel näher dran an den Profis", sagt er. Das wäre mit Sicherheit im Sinne der Ausbildung.