Was ist die Abstellungsplicht? kein Finale verhindert Finalteilnahme Dante & Gustavo

Weil der brasilianische Fußball-Verband auf die pünktliche Abstellung seiner Nationalspieler pochte, haben Luiz Gustavo und Dante den Sieg im DFB-Pokal-Finale gegen den VfB Stuttgart verpasst. Der FC Bayern ließ die beiden Spieler ziehen, andernfalls drohte der Rauswurf aus dem Kader der "Selecao". BRAVO Sport erklärt den Sachverhalt.

Der brasilianische Verband hatte den FC Bayern dazu aufgefordert, Dante und Gustavo für den Confederations-Cup freizustellen. Dabei pochte man auf die von der FIFA vorgegebene Abstellungspflicht. Diese Regel besagt, dass die Spieler ihrem Team 14 Tage vor dem ersten Spiel eines internationalen Turniers zur Verfügung stehen müssen. Und diese Frist lief am Tag des Pokalendspiels um 16 Uhr ab. Somit war ein Einsatz der beiden Linksfüßer unmöglich geworden. Ansonsten wären sie aus dem Kader gestrichen worden.

Dante mit guter Miene zum bösen Spiel.
Dante mit guter Miene zum bösen Spiel.

Dante und Luiz Gustavo waren untröstlich. "Ich habe selten Spieler gesehen, die so enttäuscht waren, die so um Fassung gerungen haben", sagte Jupp Heynckes auf der Pressekonferenz vor dem Pokalfinale. "Die Spieler haben das ganze Jahr für Meisterschaft, Champions League und Pokal gearbeitet und danach gelebt - und plötzlich sagt man ihnen, nein, das geht nicht, du musst in dein Heimatland reisen, um an einem unwichtigen Vorbereitungsspiel teilzunehmen. Ich habe da überhaupt kein Verständnis für."

Dennoch blieb allen beteiligten keine Wahl. Die Defensivspezialisten mussten nach Brasilien reisen, um ihren großen Traum von der WM-Teilnahme im eigenen Land nicht zu gefährden. Auch für den FC Bayern hätte eine Nicht-Abstellung schwerwiegende Folgen haben können. "Wenn wir nicht abstellen würden, würden die Brasilianer uns bei der FIFA anzeigen." Das Strafmaß hätte laut Rummenigge sogar dazu führen können, dass das Pokalfinale gegen den FCB gewertet worden wäre

Luiz Gustavo spielte bei dem Testspiel gegen England (2:2) eine Halbzeit. Dante schmorte 90 Minuten auf der Bank!
Luiz Gustavo spielte bei dem Testspiel gegen England (2:2) eine Halbzeit. Dante schmorte 90 Minuten auf der Bank!

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hatte das Vorgehen der Brasilianer als "Psychokrieg" bezeichnet. Und Trainer Heynckes hatte noch versucht, den Trainer des WM-Gastgeberlandes, Luiz Felipe Scolari, in einem Telefonat von einer Ausnahme zu überzeugen. Darauf ließ dieser sich aber nicht ein. "Egal ob bei Barcelona oder Real Madrid. Der brasilianische Fußball hat immer so gehandelt, deshalb hatte ich da auch sehr geringe Erfolgschancen", erklärte Heynckes im Nachhinein.

 

Scolari gibt den Bayern die Schuld

Der brasilianische Nationaltrainer gab dem FC Bayern München die alleinige Schuld an der Unnachgiebigkeit seines Verbandes bei dem Hickhack um die beiden Bayern-Profis. "Wir haben ihnen ein Schreiben 15 Tage, zehn Tage, fünf Tage vorher zugestellt. Und nichts kam. Wenn sie uns mit 15 Tagen Vorlauf geantwortet hätten, wären wir zu Verhandlungen bereit gewesen. Aber sie haben sich erst zwei Tage vorher geäußert. Und da kann man das natürlich vergessen", sagte er auf der Pressekonferenz nach dem 2:2 gegen England.

Haben die Bayern sich zu sehr auf den DFB verlassen?

 

DFB weist Mitschuld von sich

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat das Vorgehen des brasilianischen Verbandes kritisiert. Gleichzeitig hat man aber auch eine Mitschuld an der Auseinandersetzung von sich gewiesen. "Fakt ist, dass wir die Terminierung des Pokalfinales im Präsidium und im Ligavorstand ausgiebig diskutiert und dann gemeinsam beschlossen haben. Dabei haben wir alle immer auch darauf vertraut, dass wie in der Vergangenheit oftmals praktiziert in Einzelfällen eine Einigung mit dem Nationalverband gefunden wird", erklärte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock. "Dass sich die Brasilianer so stur stellen, ist für uns absolut nicht nachvollziehbar."