Taktikvergleich BVB vs. FCB Borussia Dortmund vs. FC Bayern München

Ilkay Gündogan und Bastian Schweinsteiger sind Schlüsselspieler des Champions League Finales.

Dortmund vs. Bayern – Wie sehen die taktischen Grundaufstellungen und übliche Spielzüge aus? Welche Spieler ziehen das Spiel auf, wer ist wichtig für die Angriffe und wie wird verteidigt? Wir analysieren die Taktiken der beiden Teams.

Borussia Dortmund vs. Bayern München – die beiden Teams des großen Champions League-Final-Duells kennen sich bestens aus der Bundesliga. Taktische Kniffe oder Überraschungen sind daher für beide Coaches eher schwer zu verwirklichen. Aber man weiß ja nie, ob nicht einer der beiden Trainerfüchse noch eine neue Variante aus dem Hut zaubert. Die Grundausrichtungen schauen wir uns hier nochmal genauer an.

 

Die Grundordnungen der beiden Teams

Ein typisches 4-2-3-1.
Ein typisches 4-2-3-1.

Beide Mannschaften spielen in der Grundordnung ein 4-2-3-1. Vor der Viererkette spielen jeweils zwei Sechser, beide Teams setzen dabei auf einen gestaltenden Spieler (Bastian Schweinsteiger und Ilkay Gündogan) und einen robusten Sechser als Ergänzung (Javi Martínez und Sven Bender). Davor spielen drei offensive Mittelfeldspieler, hier gibt es einen kleinen Unterschied. Beim FCB spielen mit Franck Ribéry und Arjen Robben zwei sogenannte "inverse" Außenspieler. Das heißt, dass beide ihren starken Fuß innen haben und eher Richtung Tor gehen, als auf Flankenläufe zu setzen. Borussia Dortmund hat auf der rechten Seite mit Jakub Blaszczykowski einen klassischen Außen, auf der linken Seite spielt mit Marco Reus ein "inverser" Außen. Sein linker Fuß ist aber stark genug, um Flanken vor das Tor zu bringen. Im Sturm setzen beide Kontrahenten mit Mario Mandzukic und Robert Lewandowski auf torgefährliche, aber mitspielende Angreifer.

 

Der Spielaufbau von Borussia Dortmund

Bei Borussia Dortmund ist Mats Hummels die erste Anspielstation im Spielaufbau. Er entscheidet dann, welche Richtung der folgende Spielzug des BVB einschlägt. Dabei variiert Hummels zwischen langen Bällen auf Robert Lewandowski oder einen der Außenspieler. Zudem sieht man immer wieder längere, flache Pässe auf den "Zehner" oder Jakub Blaszczykowski bzw. Marco Reus. Ist ein längerer Ball nicht sinnvoll, übergibt Hummels die Spielkontrolle an Ilkay Gündogan. Der zieht das Spiel dann aus einer etwas vorgelagerten Position auf, nimmt auch gerne die beiden Außenverteidiger Lukasz Piszczek und Marcel Schmelzer mit. Im Angriffsdrittel ist Borussia Dortmund ähnlich flexibel, wie im Aufbauspiel. Angriffe über außen mit scharfen Flanken sind ebenso ein Mittel des BVB, wie Kurzpasskombinationen durch die Mitte. Auch Schüsse aus der Distanz kommen durchaus vor. Insgesamt sind die Dortmunder recht schwer auszurechnen. Nach dem Ausfall von Mario Götze, könnte sich die Aufstellung des BVB jedoch noch verändern. So könnte beispielsweise Kevin Großkreutz auf der linken Seite auflaufen und Reus ins Zentrum rücken. Oder Nuri Sahin übernimmt die Rolle von Gündogan, der dann weiter nach vorne geht.

 

Der Spielaufbau des FC Bayern

Die Verschiebungen bei den Bayern.
Die Verschiebungen bei den Bayern.

Der FC Bayern lässt den Ball im Spielaufbau ziemlich viel zirkulieren. Wichtigster Mann hierfür ist Bastian Schweinsteiger. Bei Ballbesitz der Bayern lässt sich Schweini sehr weit nach hinten fallen und beginnt den Spielaufbau. Die beiden Innenverteidiger rücken nach außen, die beiden Außenverteidiger stehen sehr hoch. Der Ball wird so lange in den eigenen Reihen gehalten, bis sich eine Lücke für einen gefährlichen Pass auftut. Oder bis einer der beiden aggressiv angreifenden Außenspieler Ribéry oder Robben eine Attacke über die Seite einleitet. Dann geht es oft blitzschnell nach vorne. Entweder direkt in Richtung Tor, oder per Passkombination in eine zentrale Position bzw. Richtung Stürmer. Hierbei sind auch die Bayern sehr variabel, rochieren zudem häufig. Franck Ribéry taucht ab und zu auch mal auf der linken Seite auf, Thomas Müller ist als Zwischenspieler sowohl Anspielstation, als auch Vollstrecker.

Hin und wieder wird der Aufbau auch anders gestaltet, dann spiel Dante aus der Abwehr heraus Diagonalbälle auf Robben oder Ribéry.

 

Die Defensivtaktiken beider Teams

Ballorientiertes Verschieben in der Verteidigung.
Ballorientiertes Verschieben in der Verteidigung.

In der Defensive spielen beide Teams eine sehr ähnliche Taktik. Sowohl die Dortmunder, als auch die Bayern setzen in erster Linie auf auf Gegenpressing. Das bedeutet, dass bei Ballverlust schon in der gegnerischen Hälfte attackiert wird. Hierbei wird in erster Linie versucht, die Zwischenspieler, also die Sechser und Zehner zu isolieren und Passwege zuzustellen. Ziel davon ist es, einen geordneten Spielaufbau zu verhindern und den Gegner zu unpräzisen Pässen zu verleiten. Ist das Gegenpressing nicht möglich, ziehen sich sowohl Dortmund, als auch Bayern zurück und verteidigen kompakt. Dabei verschiebt sich das gesamte Team auf die Seite, auf der der Ball momentan ist. Während meist ein oder zwei Spieler den Ballführenden attackieren, stellen die restlichen Akteure die Passwege zu. Der Druck auf den Spieler mit Ball wird dadurch immer größer, gefährliche Pässe unwahrscheinlicher.

 

Die Schwächen von Dortmund und Bayern

Die Schwächen der beiden besten Teams in Europa sind natürlich sehr klein. Viel kann man darüber nicht schreiben, in Finalspielen entscheiden oft völlig unvorhersehbare Details. Was beim FC Bayern definitiv in dieser und der letzten Saison aufgefallen ist, ist die Anfälligkeit bei gegnerischen Standards. Bei Ecken sahen die Bayern in der jüngeren Vergangenheit schlecht aus. Allerdings muss man hier auch relativieren, schließlich hat der FCB in Liga und Champions League nur 28 Gegentore in 46 Spielen bekommen. Der BVB war in den letzten Spielen bei Kontern durchaus gefährdet, hinzu kamen einige individuelle Fehler, die zu Toren führten. Eine echte "Schwäche" ist das zwar auch nicht, aber wir oben angedeutet – die Details können entscheidend sein.

Wer ist taktisch reifer? Wem traut ihr einen besonderen Kniff zu?