Reifenprobleme eskalieren!

In Führung liegend explodierte Lewis Hamiltons linker Hinterreifen!

Nach vier spektakulären Reifenplatzern in Silverstone stand das Rennen kurz vor dem Abbruch. Fahrer und Verantwortliche reagierten sauer und besorgt. Der Reifenhersteller Pirelli steht unter Druck und muss bis zum Rennen am Nürburgring nächstes Wochenende eine Lösung finden. Oder liegt die Ursache nicht bei den Reifen?

Nico Rosbergs Sieg in Silverstone wurde von großen Sorgen über die Gesundheit der Fahrer überschattet: "Wegen dieser verdammten Reifen setze ich mein Leben aufs Spiel!" Lewis Hamilton war nach seinem heftigen Reifenplatzer schockiert. Der Mercedes-Pilot hatte bei seinem Heim-Grand-Prix geführt und gute Chancen das Rennen auf dem Highspeed-Kurs zu gewinnen. Doch dann explodierte sein linker Hinterreifen. Der Weltmeister von 2008 konnte sein Auto gerade noch abfangen und es sicher an die Box bringen. Doch dabei verlor er viele Positionen und wurde am Ende nur Vierter - bitter!

 

Hamiltons Reifenplatzer im Clip:

Doch Hamilton war nicht der Einzige, der durch die schwächelnden Reifen in eine gefährliche Situation kam: Nur eine Runde nach seinem Unglück zerfetzte es den Hinterreifen von Felipe Massa. Den Ferrari-Fahrer drehte es von der Strecke und er kam mit dem Schrecken davon. "Ich hätte auf dem Podest landen können", äußerte sich der Brasilianer nach dem Rennen enttäuscht. "Es war nicht mein Fehler, und auch kein Strategiefehler. Es war eine inakzeptable Reifensituation." Statt Podest kam Massa nur auf den sechsten Rang.

 

Rennen kurz vor Abbruch!

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Nur sechs Runden nach dem Massa-Crash knallte es schon wieder. Torro-Rosso-Pilot Jean-Eric Vergne war diesmal der Pechvogel! Wie bei Hamilton und Massa explodierte auch bei ihm ein Hinterreifen - verrückt! Nach der dritten Reifenpanne innerhalb weniger Runden schickte FIA-Rennleiter Charlie Whiting das Safety-Car auf die Strecke, da niemand erklären konnte, warum die Gummis reihenweise platzten. Zu dieser Phase stand der Grand Prix kurz vor dem Abbruch. Whiting gab nach dem Rennen zu, dass er darüber nachgedacht hatte, das Rennen zu beenden: "Es war knapp davor, die roten Flaggen zu zeigen. Dieser Gedanke ging mir schon durch den Kopf"

 

Gefahr nicht nur für betroffenen Fahrer

In der 49. Runde zerriss es dann auch noch den Hinterreifen von Sergio Perez. "Plötzlich ist der Reifen explodiert. Ich konnte nichts tun", erklärte der McLaren-Pilot. "Es war auf der Geraden, ich habe eine Explosion hinten links gespürt - es war der Reifen." Auch er ließ seine Wut über die gefährlichen Gummis raus: "Es ist inakzeptabel", klagte der 23-Jährige. "Wir riskieren unser Leben." Doch nicht nur für die betroffenen Fahrer wird es bei einem solchen Reifenplatzer gefährlich, vielmehr für die Fahrer dahinter. Jenson Button erklärt: "Wenn dich auf der Geraden bei Höchstgeschwindigkeit solche Reifenteile oder Trümmer treffen, dann wird es ernst. Da fliegen riesige, schwere Reifenteile herum, die auch noch Metall in sich haben".

 

Sind die Abweiser die Ursache?

Nach dem Rennen gab es auch Hinweise darauf, dass die rot-weiß gestreiften Abweiser, die in den Kurven die Strecke begrenzen die Ursache an der Reifenproblematik ausgelöst haben könnten. Sebastian Vettel bekam über Funk mitgeteilt, dass er sie umfahrenden sollte, da Red Bull die Ursache an den Randsteinen vermutete. Die Scharfe Innenkante der sogennanten "Curbs" könnte die Reifen aufgeschlitzt haben. Doppelweltmeister Fernando Alonso glaubt aber nicht daran. Der Spanier hatte voll attackiert und dabei die Abweiser regelmäßig voll überfahren. "Ich glaube nicht, dass die das Problem waren", meinte der Ferrari-Pilot. "Dies ist eine Strecke, auf der ich jetzt zwölf Jahre gefahren bin, und noch nie hatte ich diese Probleme. Ich denke, die Randsteine waren vollkommen in Ordnung."

 

Schnelle Lösung notwendig!

Nach den vielen Reifenpannen und dem Glück, dass niemand verletzt wurde, fordern die Teams eine schnelle Lösung. "Pirelli muss bis zum nächsten Rennen tun was immer möglich ist", sagte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. "Am logischsten wäre es, zu den Reifen des Vorjahres zurückzukehren. Die haben funktioniert, mit denen hatten wir solche Probleme nicht". Für Mittwoch hat die FIA eine Krisensitzung organisiert. "Es wird das allererste Thema am Morgen sein", versicherte Rennleiter Charlie Whiting. "Pirelli muss die Schäden nun analysieren und die Ursache herausfinden. Wir müssen eigentlich schon vor Mittwoch eine Lösung gefunden haben."