Probleme mit der Anzeigetafel während des Handballspieles Deutschland vs. Argentinien

Daumen hoch? Bei dem Durcheinander mit der Anzeigetafel?

Was war da los? Während des Handball-WM-Spiels zwischen Deutschland und Argentinien gab es Probleme mit der Anzeigetafel. Das sorgte für ziemliche Verwirrung bei den Spielern. Aber wieso? Der Guru erklärt's euch!

 

Das ist passiert

Im Spiel zwischen Deutschland und Argentinien brach in der zweiten Halbzeit zwischenzeitlich Chaos aus. Mehrfach wurde das Spiel unterbrochen, Trainer und Funktionäre liefen zum Kampfgericht und diskutierten mit den Offiziellen. Die Anzeigetafel zeigte einen anderen Spielstand an als den tatsächlich richtigen. Dazu hat offenbar die Zeitmessung nicht funktioniert. Weder die Zeitstrafen, noch die Auszeiten wurden den Teams in der Halle angezeigt. Das brachte die deutsche Mannschaft ganz schön aus dem Rhythmus. Schließlich wusste niemand mehr, wie lange die jeweilige Strafzeit schon dauerte. Das ist aber für die Teams wichtig, da danach das Spieltempo ausgerichtet wird und die Verteidigung ihre Strategie anpasst. Dabei ist das ganze im Normalfall ganz einfach.

 

Die Aufgaben des Kampfgerichts

Am Tisch des Kampfgerichtes herrschte Chaos
Am Tisch des Kampfgerichtes herrschte Chaos

Beim Handball gibt es am Spielfeldrand das sogenannte Kampfgericht. An einem Tisch auf Höhe der Mittellinie (im Normalfall) sitzen der Zeitnehmer und der Sekretär. Sie unterstützen die beiden Schiedsrichter auf dem Feld. Besonders in Bezug auf Spielzeit, Strafzeiten und Auszeiten. Aber auch die Torfolge, Verwarnungen, Hinausstellungen, Disqualifikationen und Ausschlüsse werden vom Kampfgericht notiert. Der Zeitnehmer kontrolliert üblicherweise auch die Anzeigetafel und die dort angezeigte Spielzeit und die Zeitstrafen. Dieser Job ist nicht so ganz einfach, schließlich muss er bei jeder Unterbrechung sofort die Zeit anhalten und gegebenenfalls zurückstellen. Besonders knifflig wird es für ihn, wenn die Technik streikt. Das war beim Spiel Deutschland gegen Argentinien wohl der Fall.

Der Zeitnehmer konnte die Anzeigetafel offensichtlich nicht mehr richtig kontrollieren, so dass die Ergebnis-Anzeige falsch war, Zeitstrafen nicht angezeigt wurden und die gezeigte Spielzeit nicht der tatsächlich gespielten entsprach. Was nun?

Das Problem des Spielstandes ist das geringste. Beide Schiedsrichter auf dem Feld notieren auf Karten die Tore. Dazu protokolliert der Sekretär die Torfolge. Man konnte während der Unterbrechungen sehen, wie mit allerlei Zetteln hantiert wurde. Dort wurden offensichtlich alle wichtigen Informationen aufgeschrieben. Etwas Old School, aber schlussendlich gut, dass man sich nicht vollständig auf die Anzeigetafel verlassen hat. Und was macht man in so einem Fall mit der Zeitnahme?

Der IHF-Offizielle mit Stoppuhr
Der IHF-Offizielle mit Stoppuhr

Ganz einfach: Zurück zu den Wurzeln. Am Zeitnehmertisch wurde eine kleine Uhr (roter Kreis unten) aufgestellt, die die Spielzeit zusätzlich für das Kampfgericht anzeigte. Außerdem sprang ein Offizieller des Handball-Weltverbandes IHF als zusätzlicher Zeitnehmer für die Strafzeiten ein – mit einer Stoppuhr (roter Kreis oben). Das ist zwar eigentlich nicht üblich. Aber eigentlich streikt ja auch die Technik nicht. In den Regeln heißt es:

[align:center]Bei Spielzeitunterbrechung ist vom Zeitnehmer den Mannschaftsverantwortlichen die gespielte oder noch zu spielende Zeit bekanntzugeben (ausgenommen bei öffentlicher Zeitmeßanlage).[/align]

Und:

[align:center]Sofern die Zeitmeßanlage nicht auch für die Anzeige von Hinausstellungszeiten (bei IHF-Spielen mindestens drei pro Mannschaft) eingerichtet ist, trägt der Zeitnehmer die Zeit des Wiedereintritts und die Trikotnummer des hinausgestellten Spielers in eine Karte ein, die am Zeitnehmertisch aufgestellt wird. Sollten diese Einrichtungen nicht vorhanden sein, wird die Karte dem Mannschaftsverantwortlichen ausgehändigt.[/align]

Ob tatsächlich Karten da lagen, ist nicht mehr so ganz nachvollziehbar. Schließlich funktionierte die Technik nach kurzem Chaos auch wieder so weit, dass das Spiel fortgesetzt werden konnte.

 

Die Regeln zu Zeitstrafen im Handball

Verwarnung

Als erste Verwarnung während eines Handballspiels sieht ein Spieler die gelbe Karte. Jedes Team kann maximal drei Mal die gelbe Karte sehen. Für die Vergehen danach gibt es eine zwei Minuten-Strafe, die sogenannte Hinausstellung.

Hinausstellung

Wenn die Handballspieler bereits mit der gelben Karte verwarnt wurden (oder das Team insgesamt schon drei gelbe Karten bekommen hat), werden die Spieler bei einem Vergehen für genau zwei Minuten des Spielfeldes verwiesen. Die Mannschaft spielt nun also mit einem Spieler weniger. Ein Spieler kann zwei Mal regulär zwei Minuten hinausgestellt werden, beim dritten Mal wird er disqualifiziert.

Disqualifikation

Nach der Disqualifikation des Spielers muss wieder die Zwei-Minuten-Frist eingehalten werden. Das Team spielt also zwei Minuten lang nur zu sechst. Erst dann kann ein neuer Spieler eingewechselt werden.