Neuer HSV-Trumpf Calhanoglu Hakan

Deal für die ­Zukunft: Bereits 2012 kaufte der HSV Hakan Calhanoglu, lieh ihn dann aber ein Jahr an Karls­ruhe aus.­

Schon nach wenigen BL-Einsätzen ist ­Hakan ­Calhanoglu der große ­Hoffnungsträger in Hamburg. Der Youngster hat sogar das Zeug zum neuen Van der Vaart.

Vor zwei Wochen machte folgende ­Meldung die Runde: Hakan Calhanoglu (19) wird in Zukunft für die ­türkische Nationalmannschaft spielen. Eine Nachricht, die wohl nur Insider mitbekommen haben. Der Deutsch-Türke kickt also nicht für das DFB-Team. Na gut, macht ja nix, dachten sich die meisten. Kenn ich ja eh nicht. Heute sieht das schon anders aus, denn Calhanoglu, den sich der HSV drei Millionen Euro Ablöse kosten ließ, hat ­seinen BL-Durchbruch geschafft und ist DER neue Hoffnungsträger beim Ham­burger SV. Beim 4:0 gegen Braunschweig ­erzielte Calhanoglu seine ersten beiden Bundesliga-Tore – obwohl er erst elf ­Minuten vor Schluss eingewechselt wurde. Besonders spektakulär: ein Freistoßtor in den Winkel zum Endstand!

Freistöße wie Elfmeter: „Ich war mir sicher, dass er reingeht“, sagte der Knipser. Kein Wunder, denn in der abgelaufenen Saison avancierte er für Ex-Verein KSC zum gefährlichsten Freistoßschützen im deutschen Profifußball (siehe Kasten rechts). Calhanoglu stand da schon beim HSV unter Vertrag, war aber an den KSC ausgeliehen. Der gebürtige Mannheimer war mit 29 Scorer-Punkten entscheidend am Aufstieg seines Vereins in die 2. Bundesliga beteiligt: Nun will er den HSV nach dem verkorksten Saisonstart nach Europa führen. „Mein Bauch sagt mir, dass wir ­unsere Ziele erreichen werden“, sagt er. Langfristig will Calhanoglu den Status von Rafael van der Vaart erreichen. Der lässt ihn sogar schon Freistöße schießen und adelt seine Schusstechnik: „Er schießt ein bisschen wie Cristiano Ronaldo. Das ist irre.“

Bodenständiger Typ: Auch abseits des Platzes tut der Youngster dem HSV gut. Trainer Thorsten Fink hebt den Charakter seines Mega-Talents hervor. „Der Junge ist bodenständig, höflich und zuvorkommend.“ Star-Allüren sind Calhanoglu, der alle ­Jugend-Teams der türkischen Fußball­verbandes durchlaufen hat, also fremd. Selbstbewusst ist er dennoch: „Wenn Rafael seine Karriere beendet, will ich seinen Platz auf der 10 beim HSV übernehmen“, stellt er klar. Das Zeug dazu hat Hakan ­Calhanoglu. ­Be­weise? Hier ­kommen sie.

 

Freistoß-König

Beim 4:0 vs. Braunschweig versenkte Calhanoglu (Nr. 9) seinen 1. Freistoß in der BL.
Beim 4:0 vs. Braunschweig versenkte Calhanoglu (Nr. 9) seinen 1. Freistoß in der BL.

Bei Freistößen hat der HSV mit Rafael van der Vaart schon einen Spezialisten. Aber: Hakan Calhanoglu toppt ihn noch! Seit 2012/13 hat er für den Karlsruher SC und den HSV zusammen schon acht Tore per Freistoß erzielt – keiner im deutschen Profifußball (1. bis 3. Liga) kann Calhanoglu hier das Wasser reichen. Freistöße bis 25 Meter Torentfernung werden bei ihm zum „Elfmeter“.

 

Entlastung für Van der Vaart

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Calhanoglu (Foto rechts, r.) verfügt dank der ­Erfahrung von bisher 61 Profispielen (mit 19 Jahren!) über ein super Spielverständnis. Stehen sie gemeinsam auf dem Platz, kann er Van der Vaart (l.) einen wichtigen Teil von dessen Aufbauarbeit abnehmen – und ihm dadurch den Rücken freihalten. Wie Calhanoglu dem Holländer hilft, seht ihr auch in der Grafik links.

 

Zweikampf-Riese!

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,78 Meter groß, nur 69 Kilo schwer: Umso überraschender, dass Calhanoglu bester offensiver Zweikämpfer beim HSV ist! Er gewann in dieser Saison bisher 54 Prozent seiner Zweikämpfe – das liegt deutlich über dem Durchschnitt für Spieler auf seiner Position (ca. 45 Prozent). Grund: Der Deutsch-Türke geht extrem clever in die Duelle, ist als „Balldieb“ stark, kann aber auch dagegenhalten – und schirmt geschickt den Ball ab (Foto links)!

 

Pass-Genie

Perfektes Timing: Beim Testspiel gegen West Ham überzeugte Calhanoglu mit brillanten Pässen.
Perfektes Timing: Beim Testspiel gegen West Ham überzeugte Calhanoglu mit brillanten Pässen.

Traumpässe in die Spitze: Die kommen beim HSV fast nur von Van der Vaart – bisher! Mit seinem neuen Top-Youngster hat der Klub ­einen weiteren Typen für „Todespässe“. Schon letzte Saison wurde er in dieser Hinsicht zum überragenden Spieler beim KSC – und hat mit bis jetzt (nach dem 6. Spieltag der BL) mit 12 Assists seit 2012/13 noch vor Van der Vaart (11) die meisten direkten Tor-Vorlagen von allen aktuellen HSV-Profis.