Nationalelf: Das Kießling-Problem Warum hat Stefan Kießling so schlechte Karten bei Jogi Löw?

Stefan Kießling mit Jogi Löw – ein Bild aus dem Jahr 2010

Er ist im Moment der beste deutsche Stürmer. Er schießt in der Bundesliga jede Menge Tore und bereitet zusätzlich noch einige vor. Klar, die Rede ist von Stefan Kießling. Trotz seiner Top-Werte und stetiger Verbesserung, wird der Leverkusener nicht zur Nationalelf eingeladen. Warum hat Stefan Kießling so schlechte Karten bei Bundestrainer Jogi Löw? Der Guru versucht Gründe zu finden.

Es ist im Moment nicht so einfach Argumente gegen Stefan Kießling zu finden. Der Leverkusener Stürmer ist mit 13 Toren der beste deutsche Angreifer in der Bundesliga. Der nächste "echte Stürmer" mit deutschem Pass ist Nils Petersen mit 9 Treffern. Und der ist weit davon entfernt zur Nationalmannschaft eingeladen zu werden. Warum nimmt Bundestrainer Joachim Löw den Knipser nicht mit zu den Länderspielen? Er ist vielseitig (4 Tore mit dem Kopf, 4 mit links, 5 mit rechts), topfit, gewinnt 47 Prozent seiner Zweikämpfe (sehr gut für einen Stürmer), bringt 74 Prozent seiner Pässe an den Mann und gilt als absoluter Wühler und Fighter. Wo sind die Gründe? Der Guru hat sie gesucht und ein paar gefunden. Wie gut sie sind, müsst ihr selbst entscheiden.

 

. Stefan Kießling ist der schlechtere Klose

An Miroslav Klose gibt es im Nationalmannschaftssturm kaum ein Vorbeikommen. Der "ewige Miro" ist eigentlich immer gesetzt, wenn er fit ist. Mario Gomez steht zwar auch noch vor Kießling, allerdings ist Gomez ein anderer Stürmertyp. Während sich Klose und Kießling viel ins Spiel einschalten, sich fallen lassen und in vielen Situationen eine Art "halber Stürmer" spielen, ist Gomez eher ein klassischer Mittelstürmer und "Verwerter". Deswegen kann man Kießling und Gomez schlechter miteinander vergleichen, da sich mit Gomez auch das Spielsystem etwas verändert. Insofern ist es auch gut, einen anderen Stürmertyp im Kader zu haben. Ob Kießling im Moment tatsächlich schlechter ist als Klose ist aber nicht gesagt. Schließlich sind Kießlings Werte absolut top. Kloses größter Vorteil ist sicher, dass er seit langem zum festen Stamm der Nationalelf gehört (s.u.).

 

2. Kießling ist zu unflexibel

Kießling ist ein spielender Stürmer. Was er aber nicht ist, ist ein sogenannter "polyvalenter Spieler", also ein Spieler der mehrere Positionen ausfüllen kann. Gomez und Klose sind das auch nicht. Keiner der drei Angreifer kann eine Position weiter hinten wirklich ausfüllen. Auf der "Zehn" könnten Klose und Kießling im absoluten Notfall wohl spielen. Sehr flexibel sind sie jdeoch nicht. Im Mittelfeld hat Jogi Löw aber eine handvoll solcher Akteure. Lukas Podolski, André Schürrle und Marco Reus können genauso im Angriff eingesetzt werden, wie Bayerns Thomas Müller. Spieler mit solchen unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten sind Löw wesentlich lieber, als eindimensionale Stürmer. Zwei davon sind für Löw im 23-Mann-Kader für Turniere und Quali-Spiele wohl genug. Im Zweifel spielt er lieber ohne echten Angreifer mit der sogenannten "falschen Neun".

 

3. Kießling kann nicht kombinieren

Das ist ein Makel, der dem Leverkusener seit langem anhängt. Sicher, früher war diese Sicht absolut berechtigt. Aber Stefan Kießling hat sein Spiel stark verbessert und vor allem im Bezug auf Ballbehandlung und eben Kombinationssicherheit viel an sich gearbeitet. Seine Passwerte (s.o.) sprechen da eine eindeutige Sprache. Kießling ist ganz bestimmt technisch nicht so stark, wie Marco Reus. Muss er aber auch nicht sein. Denn im Normalfall stehen Angreifer am Ende der Kombinationskette. Bälle halten kann er, prallen lassen kann er, taktisches Verständnis hat er auch.

 

4. Kießling war lange nicht dabei und ist alt

Hört sich fies an, vor allem das mit dem Alter. Kießling ist 29 Jahre alt, früher sprach man vom besten Fußballalter. Für Bundestrainer Joachim Löw ist das aber bereits zu alt, um Spieler in sein System einzubauen. Verständlich auf der einen Seite, wenn man ein Team für die Zukunft aufbauen will, nimmt man eher junge Spieler. Aber: Es geht nicht um den Kern der Truppe, sondern um einen Einzelspieler. Kießlings letztes Länderspiel war am 12. Juli 2010. Im Kader gegen Frankreich stehen Heiko Westermann (letztes Länderspiel 12. Oktober 2010) und René Adler (17. November 2010). Also zwei Spieler, die ebenfalls lange nicht dabei waren. Adler als Torhüter mal außen vorgelassen, ist Heiko Westermann sicher als Innenverteidiger auf einer sensibleren Situation beheimatet als Kießling. Und auf einer, die mehr Eingespieltheit mit den Mitspielern benötigt.

Klar ist trotzdem, dass ein Spieler, der oft dabei ist besser mit den Teamkollegen harmoniert. Er kennt die Laufwege, kennt die Eigenheiten der Mitspieler und das gemeinsame Spielverständnis ist einfach besser. Da haben Klose und Gomez auf jeden Fall Vorteile.

 

Fazit

Es gibt Argumente gegen Stefan Kießling – stichhaltige und weniger stichhaltige. Dass man nicht unbedingt einen dritten reinen Stürmer braucht, wenn man mehrere Spieler hat, die diese Position im Zweifel ausfüllen können, ist sicher das stärkste. Bei allen anderen kommt man immer wieder schnell zu dem Punkt, dass Kießling in letzter Zeit zu selten bei der Nationalmannschaft war. Das ist aber sehr leicht zu ändern. Zur Zeit gibt es bei jedem Länderspiel eine Menge Absagen wegen Verletzungen. "Kies" einfach mal mitzunehmen und ein paar Minuten spielen zu lassen wäre so gesehen kein Problem. Oder der Bundestrainer bezieht endlich mal ganz klar Stellung, spricht mit Kießling und erklärt, dass der nicht mehr nominiert wird.

Dieses momentane Geeier nervt zumindest den Guru. Euch auch?