Mieses Spiel mit Sebastian Vettel!

Sebastian Vettel läuft enttäuscht die Boxengasse entlang.

Herber Rückschlag: Die Rennkommissare bestrafen Sebastian Vettels Überholmanöver gegen Jenson Button mit einer Zeitstrafe saftigen von 20 Sekunden. Das kostet den Red-Bull-Piloten den Podiumsplatz – er rutscht von Platz 2 auf Platz 5 ab, verliert wertvolle WM-Punkte. Und: es ist nicht das erste Mal, das Vettel unter Beschuss gerät. Wird ein mieses Spiel mit der deutsche WM-Hoffnung gespielt?

Das frisst an den Nerven: Immer und immer wieder gibt es von den gegnerischen Rennställen harte Kritik am RB8, dem Typ Formel-1-Boliden, mit dem die Red-Bull-Piloten Sebastian Vettel und Mark Webber an den Start gehen. Ständig machen Beanstandungen der FIA (Fédération Internationale de l’Automobile – deutsch: Internationaler Dachverband des Automobils) Umbauten nötig. Egal ob Unterboden, Auspuffanlage, Diffusor oder Motoreinstellungen. Die FIA macht dem Rennstall der Roten Bullen durch Regeländerungen das Leben schwer. Und jetzt kommt auch noch die 20-Sekunden-Strafe für Vettel. Es scheint, als hätten sich alle gegen das Red-Bull-Racing-Team verschworen.

 

Verbotenes Überholmanöver

Fest steht: Wie Sebastian Vettel Jenson Button überholt hat, war nicht regelkonform. Denn das Regelwerk legt eindeutig fest: Ein Fahrer darf einen anderen nur dann überholen, wenn er sich dabei auf der Piste befindet. Als Vettel den McLaren-Piloten Button überholt, befinden sich alle vier Rädern jenseits der Randsteine, die die Strecke begrenzen. Aber: In Bahrain überholte Lewis Hamilton Nico Rosberg ebenfalls neben der Strecke – und ging straffrei aus. "Jenson hat sich nicht beschwert", sagte Vettel und hoffte, dass sein Vergehen ungeahndet bleiben würde. Aber Pustekuchen. Wird beim zweimaligen Weltmeister Vettel mit anderem Maß gemessen?

Auch beim Großen Preis von Spanien hatte sich der Heppenheimer einen komfortablen Vorsprung erarbeitet, der durch einen Safety-Car-Einsatz nicht nur zunichte gemacht wurde, sondern auch zu einem Ausfall seines RB8s führte – die Lichtmaschine überhitze durch das langsame Tempo hinter dem Safety Car.

 

Irreguläre Motoreinstellung

Das Herzstück des Boliden: Der leistungsstarke RS8-Moto.
Das Herzstück des Boliden: Der leistungsstarke RS8-Moto.

Am Hockenheimring rutscht Sebastian Vettel vom Rang 2 ab auf Rang 5 ab, bleibt damit immerhin in den Punkten. Dabei war bis vor einer Stunde vor Rennbeginn noch unklar, ob der Red-Bull-Pilot überhaupt starten darf. Grund: Vettels Motor sei mit dem Reglement nicht vereinbar. Davon ist auch sein Team-Kollege Mark Webber betroffen. Zunächst war die Rede davon, die beiden ganz ans Ende des Feldes zu versetzen oder direkt zu disqualifizieren. Denn: die irreguläre Motoreinstellung hat positiven Einfluss auf die Aerodynamik der Red-Bull-Boliden und macht sie pro Runde 0,3 Sekunde schneller. Schon im letzten Jahr hat die FIA eine Technologie verboten, mit Hilfe derer Red Bull die Auspuffabgase nutzet, um die aerodynamischen Eigenschaften der Boliden zu verbessern. Möglicherweise war es eben diese Technologie, die Vettels Weltmeistertitel erst ermöglichten. Nach langem hin und her darf Vettel schließlich doch starten.

 

Löcher im Unterboden

Es ist nicht das erste Mal in der laufenden Rennsaison, dass die Bullen-Boliden unter Beschuss geraten. Nach Vettels Sieg in Bahrain argwöhnt die Konkurrenz über verbotene Schlitze und Löcher im Unterboden von Vettels und Webers F1-Geschossen. Die FIA entscheidet, dass die Löcher gestopft werden müssen, wenn der Bullen-Rennstall die Punkte von Bahrain behalten möchte. Versteht man es bei der Red-Bull-Racing-Crew einfach nur, Grauzonen und Schlupflöcher im Reglement geschickt auszunutzen bis ein Riegel vorgeschoben wird oder ist das ganze eine miese Kampagne gegen Vettel und seinen Rennstall, wie der Heppenheimer nach dem Rennen in Valencia selbst andeutet?

 

Machtkampf zwischen Ecclestone und FIA

Erbitterter Machtkampf: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone (l.) und FIA-Präsident Jean Todt (r.).
Erbitterter Machtkampf: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone (l.) und FIA-Präsident Jean Todt (r.).

Vielleicht ist Vettel aber auch nur unglückliches Opfer,m das mehr oder weniger zufällig zwischen die Fronten zweier mächtiger Gegenspieler geraten ist. Denn: Das Red-Bull-Racing-Team hat den Ruf, ein gutes Verhältnis zu Formel-1-Boss Bernie Ecclestone zu pflegen. Der aber hat dicken Zoff mit der FIA-Präsidenten Jean Todt – es geht dabei um Einfluss auf die Reglementierung der Zukunft. Möglicherweise ist es kein Zufall, dass gerade Vettels Rennstall unter verschärfter Beobachtung durch die FIA steht. Ein Machtkampf also, der auf Vettels Rückenausgetragen wird?