miCoach – mit Hightech zur WM

Maßgeschneidert: Der Chip ist in die Techfit-Shirts der Spieler eingearbeitet und sitzt zwischen den Schulterblättern.

Um für die WM in Brasilien die letzten Extra-Prozente aus den Spielern rauszukitzeln, wird ­jedes Training von dem mobilen ­Computer-System miCoach überwacht. Wir erklären, was es damit auf sich hat.

DFB-Training in Mainz: „miCoach ­Elite“-Entwickler Jan Mueller (r.) und Reporter Jan Brockhausen.
DFB-Training in Mainz: „miCoach ­Elite“-Entwickler Jan Mueller (r.) und Reporter Jan Brockhausen.

Wenn Jogi Löw die Nationalspieler zum Training bittet, steht neuerdings eine geheimnisvolle schwarz-grüne Box am Spielfeldrand. Mit der langen Teles­kop-Antenne sieht das Gerät fast wie ein überdimensionales Koffer-­Radio aus. Aber Musik beim DFB-Training? Das passt irgendwie nicht zusammen! Und warum stehen einige Teambetreuer, ausgerüstet mit iPads, um den ­Hightech-Kasten ­herum?

Daten ohne Ende: Tatsächlich kommen keine fetten Sounds aus der Box. Denn: Sie ist das Herzstück des neuartigen ­miCoach Elite-­Systems, mit dem die Nationalmannschaft seit Neuestem arbeitet. Das Hightech-System liefert dem Trainerteam – in Echtzeit, also ohne Verzögerung – Daten aus jedem Training. So erhalten die Coaches genaue ­Informationen über Geschwindigkeit, zurückgelegte Distanz, Herzfrequenz, ­Leistung oder Beschleunigung jedes einzelnen Nationalspielers! Bis zu 2.500 Daten pro Spieler sprudeln so in die Box!

Perfekte Kontrolle: „Das ­System ist eine zusätzliche Informa­tionsquelle, um die Leistungen der Spieler noch besser einordnen zu können und individuelle Trainings­pläne zu erstellen“, schwärmt ­Assistenz-Trainer Hansi Flick (48). „Dadurch wird das Training ­effizienter. Außer­dem erkennen wir Belas­tungen früher, wodurch sich die Verletzungsgefahr für die Spieler verringern kann.“

Zusätzliche Prozente: Fünf Jahre lang hat Adidas am „Computer-Coach“ gefeilt, der bereits erfolgreich in der Major League Soccer (MSL) in Amerika eingesetzt wird. „Es gibt nichts Vergleichbares auf dem Markt“, erklärt Jan Mueller (44). Der Top-Entwickler und sein Team forschen ständig daran, das „Screening“ von Fußballprofis weiter voranzu­treiben. „Theoretisch sind fast alle physiologischen Daten messbar“, ­erklärt der Experte gegenüber ­BRAVO SPORT. Praktisch sieht’s ein bisschen anders aus. Denn: Aus Datenschutz-­Gründen ist längst nicht alles erlaubt! Die sensiblen Informationen, die von ­einer „Player-Cell“ ­erfasst, von der „Base-Station“ ver­arbeitet und dann auf einem Server gespeichert werden (siehe unten), sind top ­secret. Vom „gläsernen Profi“ sind wir derzeit also weit entfernt. Übrigens: Neben der Nationalmannschaft ­nutzen auch ­Topteams wie ­Bayern München oder der AC ­Mailand die neue ­Technologie.

 

So funktioniert’s

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Über Sensoren (1) wird die Herz­frequenz der Spieler gemessen und an die Player-Cell (2) weitergegeben. Bis zu 200 Daten pro Sekunde/Spieler (Laufleistung, Speed etc.) werden verschlüsselt an die Base-Station (3) übermittelt. Über WLAN gelangen die Daten in Echtzeit auf die iPads (4) der Coaches. Die Tiefenanalyse erfolgt über eine Web-App (5).

 

Sensoren und Player-Cell am Shirt

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Das Techfit Elite Shirt ist ein maßgefertigtes ärmelloses Kompressionsshirt mit eingearbeiteten Herzfrequenz-Sensoren auf der Brustseite (Foto links). Jeder Spieler erhält eine kleine Transpondereinheit. Diese sitzt in einer Schutztasche auf der Rückseite (rechts, grünes Teil) des Shirts. So werden die Bewegungen des Spielers nicht beeinträchtigt. Diese sogenannte miCoach Elite Player-Cell ist mit einem GPS-Sender, einem Gyroskop (Beschleunigungssensor), einem Kompass sowie einem Funkmodul ausgestattet. Hightech pur!

 

Tragbarer Empfänger

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Bei miCoach werden alle Daten der robusten Base-Station (Foto links) gesammelt. Hier befinden sich auch die Steckplätze für die 30 Player-Cells. Sie ist das Herzstück der miCoach-Technologie.

 

Daten in Echtzeit

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Auf dem Dash (iPad, Foto rechts) laufen die Daten von allen Spielern in Echtzeit ein. So erhalten die Coaches ein direktes Feedback über wichtige Leis­tungsgrößen wie Speed, Distanz, Beschleunigung. Auf einem passwortgeschützten Server werden alle Daten gesammelt. Über eine zusätzliche Web-Applikation können die Coaches so die Entwicklung ihrer Schützlinge genau analysieren.