Manuel Neuer: der moderne Libero

Manuel Neuer rettet in höchster Not gegen Algeriens Islam Slimani.

Manuel Neuer hat die deutsche Nationalmannschaft ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft gerettet. Dabei hob der Bayern-Keeper das moderne Torwart-Spiel auf eine neue Stufe. Noch weiter vor seinem Kasten, noch offensiver, noch mutiger als sonst schon agierte der 28-Jährige als "letzter Mann", um immer wieder die gefährlichen Konter der Algerier zu verhindern. Manuel Neuer sorgt für die Rückkehr des Liberos.

Der deutschen Aufstellung war zu entnehmen: Der Mann mit der Nummer 1 spielt im Tor. Doch tatsächlich spielte Manuel Neuer weit vor seinem Tor. Er brachte den Libero zurück in den Profi-Fußball. Eine Position, die zuletzt Lothar Matthäus in der Nationalmannschaft bei der EM 2000 spielte.

Gegen Algerien wurde die deutsche Abwehrreihe immer wieder mit tiefen Bällen überrascht. Und jedes Mal sah es nach einer Großchance für die Nordafrikaner aus. Doch auch die algerischen Angreifer wurden überrascht: Immer wenn sie den Ball annehmen und auf das gegnerische Tor marschieren wollten, mussten sie feststellen, dass Manuel Neuer schon vor ihnen am Ball war.

Jogi Löw lobte seinen "überragenden" Schlussmann und erklärte: "Das ist sein Spiel, dass er wie ein Libero agiert." Neuer ignorierte seine eigentliche Position weitesgehend und gab den elften deutschen Feldspieler. Auf fast 60 Ballkontakte - davon 21 außerhalb des Strafraums - brachte er es. Nur ein Algerier hatte mehr! Noch beeindruckender: Seine Zweikämpfe gewann er alle!

Mit dieser Vorstellung hob er das Torwart-Spiel auf eine neue Stufe. Neuer gilt ohnehin schon als modernster Schlussmann, doch so offensiv zeigte sich auch der Ex-Schalker noch nicht. Neben seinen Rettungstaten zeichnete er sich durch ein starkes Umschaltspiel aus. Einen Eckball, bei dem er energisch bedrängt wurde, hielt er erst im Nachfassen. Wo andere Keeper sich sekundenlang auf den Ball legen, leitete er mit einem präzisen Abschlag eine 1:1-Situation für André Schürrle ein.

Mit seiner Spielweise hat Manuel Neuer einen neuen Torwart-Typus erschaffen. Nach Oliver Kahn, Gianluigi Buffon und Iker Casillas dürfte er als prägendste Figur seiner Zeit auf der Torhüter-Position in die Geschichtsbücher des Fußballs eingehen.

 

Lob von Kollegen – Kultfigur im Internet

Ließ sich auch von fiesen Laser-Pointer-Attacken nicht irritieren: Manuel Neuer
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Nach seinem Gala-Auftritt gab es Lob von allen Seiten. Kapitän Philipp Lahm bezeichnete ihn als "besten Keeper der Welt" und Weltmeister Bodo Illgner twitterte "Super, Manuel Neuer". In den sozialen Netzwerken wird der Bayern-Star ordentlich abgefeiert. Witzige Memes, in denen Neuer als Feldspieler und Allheilsbringer dargestellt wird, verbreiten sich rasend schnell.

Neuer selbst gab sich nach dem Abpfiff zurückhaltend: "Ich helfe, wo ich kann. Klar, ich musste einige Mal Kopf und Kragen riskieren." Auf seiner Facebook-Seite postete er nüchtern: "Wir haben gewonnen. Das zählt. Und wir wissen, dass wir uns steigern können. Freitag geht's gegen Frankreich." Fest steht: In der Aufstellung der Deutschen wird ein Neuer Libero stehen.