Les Bleus im Check

Siegessicher: Die Equipe Tricolore vor dem ersten Gruppenspiel gegen Honduras.

Deutschland gegen Frankreich: Ein Duell mit Geschichte. Wir werfen für euch einen Blick auf die "Bleus" (Aussprache wie „Blöh“) und analysieren im Team-Check die Stärken und Schwächen des Viertelfinalgegners der deutschen Nationalmannschaft.

Vor dem Turnierstart standen viele französische Fußball-Fans unter Schock: Franck Ribery, Star der Franzosen und Ideengeber für die Offensive, musste aufgrund von Rückenproblemen die WM absagen. Ein herber Schock für die Mannschaft, auch wenn der geniale Ballkünstler des FC Bayern München in Frankreich nicht besonders beliebt ist.

Wie würden "Les Bleus" („die Blauen“, Aussprache wie „Leh Blöh“), wie sie aufgrund ihrer blauen Nationaltrikots genannt werden, den Ausfall ihres Dirigenten kompensieren? Die Antwort vieler Experten war eindeutig: Ribery ist nicht zu ersetzen und Frankreich kein Favorit auf den Titel. Das Team gab dagegen den Kritikern auf dem Platz die passende Antwort: Mit starken Leistungen schaffte es Frankreich, angetrieben durch die Tore von Karim Benzema, bis ins Viertelfinale. Die deutsche Nationalmannschaft ist nun der erste richtig harte Brocken für die "Equipe Tricolore".

 

Stärken

Die Offensiv-Abteilung und das starke Mittelfeld bilden das Prunkstück der französischen Mannschaft. Mit Karim Benzema haben sie einen treffsicheren Stürmer, der in diesem Jahr mit Real Madrid die Champions League gewann. Drei der insgesamt 10 WM-Tore Frankreichs gehen auf das Konto des bulligen eber extrem wendigen Offensivkünstlers, der sowohl als Linksaußen oder als Mittelstürmer eingesetzt werden kann.

Auch die anderen Offensivspieler brauchen sich nicht zu verstecken: Sowohl der pfeilschnelle Mathieu Valbuena, als auch Olivier Giroud vom FC Arsenal sorgen für viel Wirbel in der gegnerischen Abwehr.

Dazu hat Frankreich mit Paul Pogba eines der absoluten Top-Talente in den eigenen Reihen. Der 21-jährige Mittelfeldspieler von Juventus Turin hat den Ruf eines Genies - und er ist bereits Weltmeister! Mit der französischen U20 gewann er 2013 die WM. Mit seinem Treffer zum 1:0 gegen Nigeria ebnete er den Weg der "Bleus" Weg ins Viertelfinale.

Top-Stürmer Karim Benzema hat bereits dreimal bei dieser WM getroffen.
Top-Stürmer Karim Benzema hat bereits dreimal bei dieser WM getroffen.

 

Schwächen

Offensichtliche Schwächen sind bei den Franzosen schwer zu finden, denn auch die Defensive steht äußerst kompakt. Ein Problem der Equipe Tricolore ist ihre mangelnde Laufbereitschaft. Sobald gegnerische Teams das defensive Mittelfeld unter Druck setzen, kommt kaum ein Pass bei den Stürmern an, da diese meist weit vorne auf Bälle warten.

Im Gegensatz zur rechten Seite, die dank Valbuena einen ständigen Gefahrenherd darstellt, fällt die Leistung der linken Seite stark ab. Hier macht sich das Fehlen von Franck Ribery dann doch bemerkbar. Denn dem 33-jährigen Patrice Evra fehlen die genialen Ideen eines Ribery.

 

Turnierverlauf

Die Franzosen haben sich in ihrer Gruppe souverän durchgesetzt: Nach zwei starken Siegen gegen Honduras (3:0) und die Schweiz (5:2) reichte der Equipe Tricolore ein torloses Unentschieden gegen Ecuador für den Gruppensieg.

Was dabei auffällt: Bislang hatten die Bleus mit wenig Gegenwehr zu kämpfen. Einzig Nigeria setzte das Team von Trainer Didier Dechamps in einigen starken Momenten unter Druck. Letztlich reichten dem Team zwei starke Aktionen zum Weiterkommen.

Die deutsche Nationalmannschaft ist da ein ganz anderes Kaliber: Die Franzosen müssen zum ersten Mal im Turnier gegen einen wirklich starken Gegner antreten, der sowohl eine kompakte Abwehr, als auch eine druckvolle Offensive aufbaut. Man darf gespannt sein, wie sich die Equipe Tricolore angesichts dieser Herausforderung präsentieren wird.

 

WM-Historie

Folgenschwere Attacke: Deutschlands Toni Schumacher springt mit voller Kraft in Frankreichs Patrick Battiston.
Folgenschwere Attacke: Deutschlands Toni Schumacher springt mit voller Kraft in Frankreichs Patrick Battiston.

Deutschland und Frankreich trafen bei einer WM dreimal aufeinander: 1958 verlor Deutschland das Spiel um Platz 3 mit 6:3. 1982 folgte dann das folgenschwerste Aufeinandertreffen, dessen Ereignisse bis heute ihre Schatten auf dieses Duell werfen. Der deutsche Torwart Toni Schumacher attackierte den Franzosen Patrick Battiston so hart, dass dieser eine Gehirnerschütterung erlitt und mehrere Zähne einbüßte. Bis heute hat Schumacher in Frankreich den Spitznamen "Der Schlächter von Sevilla".

Nur vier Jahre später kam es im Halbfinale zu einer Wiederauflage. Die favorisierten Franzosen um Spielmacher Platini mussten jedoch eine herbe 0:2-Niederlage einstecken, während Deutschland ins Finale einzog.

998 und 2000 schlug endlich die Stunde der Franzosen. Unter der Regie des genialen Spielmachers Zinedine Zidane konnten die Blauen bei ihrer Heim-WM zum ersten und bislang einzigen Mal den Weltpokal in die Höhe stemmen.

2010 folgte dann die wohl dunkelste Geschichte der französischen WM-Historie: Als Vizeweltmeister schied die Equipe Tricolore mit nur einem Punkt als Gruppenletzter in der Vorrunde aus. Während des Turnier beleidigten sich Spieler und Trainer gegenseitig, es kam zu einem Trainingsboykott.

Jetzt scheint alles anders: "Les Bleus" surfen auf der Welle des Erfolges. Mal sehen, wie weit diese sie noch trägt.