Kevin-Prince Boateng

Der einstige Bad Boy und Bundesliga-Rückkehrer Kevin-Prince Boateng knipst seine Schalker in Richtung CL.

Kevin-Prince Boateng war beim 2:1-Sieg gegen Wolfsburg an beiden Toren der Schalker maßgeblich beteiligt. Im richtungsweisenden Spiel gegen den direkten Liga-Konkurrenten aus Wolfsburg sicherte Boateng so drei unheimlich wichtige Punkte für die Knappen!

Nach dem verkorksten Saison-Start hätte sich das auf Schalke wohl kaum jemand träumen lassen: Kurz nach der Winterpause steuern die Knappen zielsicher auf die Champions League zu! Eine klasse Leistung einer Mannschaft, die – wie Kevin-Prince Boateng jüngst in einem Interview erklärte – im Trainingslager unheimlich zusammen gewachsen ist. Natürlich ist Fußball ein Mannschaftssport, doch ohne herausragende Führungspersönlichkeiten geht auch im Mannschaftssport nichts viel. Eine solche Führungspersönlichkeit ist Kevin-Prince Boateng. Der Neuzugang, der im Sommer vom AC Milan kam, war für Schalke so etwas wie ein Glücksgriff.

Gegen Wolfsburg, in der Liga ein direkter Konkurrent im Kampf um einen Champions-League-Platz, drehte Boateng wie gewohnt auf, sicherte den Königsblauen den Sieg! Auch, wenn er sich nach der Partie ein bisschen schämte. Er hatte in der ersten Halbzeit einen Hütte von Felipe Santana als seine eigene gesehen und sich über seine Torbeteiligung ein bisschen sehr gefreut – macht aber nicht, in der zweiten Halbzeit packte der Prince dann noch einmal den Hammer aus uns besorgte den 2:1-Endstand – und drei wichtige Punkte!

 

Kevin-Prince Boatengs Karriere

Kevin-Prince Boateng kommt am 06. März 1987 im Westteil des damals noch geteilten Berlin als Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters zur Welt. Schon im Alter von sieben Jahren kommt der kleine Kevin-Prince zum Berliner Traditionsverein Hertha BSC Berlin. Abgesehen von einem kurzen Gastspiel bei den Reinickendorfer Füchsen, von 1995 bis 1996, verbringt Boateng seine komplette Jugendzeit bei der Hertha. Im Jahr 2003 wird Boateng mit der U17 der Hertha deutscher B-Juniorenmeister. Ein Jahr später debütiert das Talent in der zweiten Mannschaft der Berliner und erregt auch die Aufmerksamkeit des damaligen Profi-Trainers Falko Götz.

Prince schafft den Sprung zu den Profis, für die er am 13. August 2005 gegen Eintracht Frankfurt im Alter von 18 Jahren erstmalig aufläuft. Für die Nachwuchsmannschaften des DFB ist Boateng bereits seit dem Jahr 2001 im Einsatz, 2006 wird er zum ersten Mal in die U21, dem Nachwuchsteam für die A-Mannschaft, berufen. Bei Hertha BSC reift Prince immer weiter und entwickelt sich zu einer festen Größe im Mittelfeld der Berliner. Einen ganz besonderen Moment erlebt er während der Saison 2006/2007, als er am 25. Spieltag zum ersten Mal zusammen mit Halbbruder Jérome für Hertha auf dem Platz steht.

 

Wechsel in die Premiere League

Im Sommer 2007 ist das Kapitel Hertha BSC für Boateng vorbei – in Deutschland haftet Prince bereits zu diesem Zeitpunkt das Rüpel-Image an, welches ihn lange begleiten soll. Prince wechselt zum Londoner Klub Tottenham Hotspur, für den er am 03. November 2007 sein erstes Spiel macht. Stammspieler wird Boateng bei Tottenham nicht, gewinnt aber am Saisonende den Ligapokal mit den Spurs gegen den Stadtrivalen Chelsea. Als zur Saison 2008/2009 Harry Redknapp den Klub als Trainer übernimmt, spielt Boateng eine immer unwichtigere Rolle bei den Spurs. Die Folge: "Boa" verlässt Tottenham und kehrt auf Leihbasis zu Borussia Dortmund in die Bundesliga zurück.

Beim BVB überzeugt Prince, der von Tottenham für ein halbes Jahr ausgeliehen wird, auf Anhieb. Allerdings ist ein Kauf für die Dortmunder kein Thema – "Boa" ist zu teuer. Dies sieht der FC Portsmouth anders und sichert sich für eine Ablöse von etwa 4 Millionen Pfund die Dienste des "Bad Boys". Das Image, dass ihm in Deutschland nach wie vor anhaftet, soll sich für Prince im Trikot des FC Portsmouth noch einmal drastisch verschlechtern. Nach dem Sieg im Halbfinale über seinen Ex-Klub Tottenham, bei dem "Boa" ein Tor vorbereitet und ein zweites selber erzielt, stehen Boateng und der FC Portsmouth 2010 im Finale des FA-Cup gegen Chelsea London – Boateng ahnt noch nicht, welch schicksalhaftes Spiel es für ihn werden wird. Am 15. Mai 2010 steigt das Spiel, in dem Boateng ein grobes Foul gegen den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft begeht. "Boa" verletzt Ballack so schwer, dass dieser seine Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika absagen muss. Für Ballack der Anfang vom Ende der Karriere – für "Boa" der Wendepunkt der Karriere.

 

Sommer 2010 – der Wendepunkt in "Boas" Karriere

Kevin-Prince Boatengs verhängnisvolles Foul an Michael Ballack.
Kevin-Prince Boatengs verhängnisvolles Foul an Michael Ballack.

Was im Anschluss an das Ballack-Foul über Kevin-Prince Boateng, speziell aus der deutschen Medienlandschaft, hereinbricht gleicht einer Hexenjagd. Boateng, der sich bei Ballack entschuldigt hatte, wird zum "Super-Bad-Boy" hochstilisiert und ist vor dem Beginn der WM 2010 der Buhmann für ganz Deutschland. Image und Rückhalt waren für Prince in seinem Geburtsland allerdings bereits zuvor sehr schlecht, so dass er etwa ein Jahr vor der WM bereits verkündet hatte, nicht mehr für den DFB, sondern für die Nationalmannschaft von Ghana, dem Geburtsland seines Vaters, spielen zu wollen. Mit Ghana nimmt er dann an der WM, die er Ballack verbaut hatte, teil und trifft in der Gruppe auch auf das deutsche Team. Ghana muss sich im letzten Gruppenspiel den Deutschen mit 1:0 geschlagen geben – trotzdem erreichen beide Teams das Achtelfinale. Boateng und Ghana scheitern schließlich im Viertelfinale an Uruguay.

 

Neuanfang in Italien

Letztes Spiel für den AC Mailand: "Boa"schnürt in der CL-Quali gegen PSV Eindhoven noch schnell ein Doppelpack!
Letztes Spiel für den AC Mailand: "Boa"schnürt in der CL-Quali gegen PSV Eindhoven noch schnell ein Doppelpack!

Nach der WM wechselt Boateng nach Italien zum FC Genua, der ihn direkt an den AC Mailand weiter verleiht. Prince fügt sich bei Milan gut ein und wird zum Stammspieler des italienischen Traditionsvereins. Am Ende seiner ersten Saison im Trikot der "Rossoneri" feiert Prince den Scudetto, wie der Meisterttitel in Italien heißt. Durch seine guten Leistungen, vorbildliches Verhalten und nicht zuletzt durch seine sensationelle Moonwalk-Tanzeinlage nach dem Gewinn des Titels wird "Boa" in Mailand und Italien zu einem respektierten Fußball-Star. Logische Konsequenz: Der AC Mailand verpflichtet seinen neuen Liebling engültig von Genua. Der nächste Titel für "Boa" und Milan lässt auch nicht lange auf sich warten: Im italienischen Super-Cup siegt das Team mit 2:1 gegen den Pokalsieger und Erzrivalen Inter Mailand.

Aber auch negative Erfahrungen bleiben für Prince in Italien nicht aus. Nachdem Fans eines italienischen Viertligisten in einem Testspiel mit rassistischen Schmährufen gegen Boateng aufgefallen waren, verlässt dieser, gefolgt vom gesamten Milan-Team, einfach den Platz. Die Aktion brachte Boateng einen riesen Respekt ein – Prince setzte damit ein echtes Zeichen gegen Rassismus, der speziell im italienischen Fußball große Probleme bereitet.

 

Rückkehr in die Bundesliga

Im Sommer 2013, als sich das Transferfester gerade zu schließen beginnt, kommt dann die Sensationsmeldung: Kevin-Prince Boateng kehrt in die Bundesliga zurück. Der Bad-Boy verlässt den AC Mailand und unterschreibt beim FC Schalke 04 einen Vierjahresvertrag – inklusive Option auf ein weiteres Jahr. "Wir sind glücklich, dass der Transfer geklappt hat"' sagt Schalkes Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies . "Er ist genau die Verstärkung, die wir brauchen und die wir uns gewünscht haben!"

Und Tönnies sollte Recht behalten: Bei seinem ersten Einsatz im königsblauen Dress ballert Kevin-Price Boateng die Schalker in Mainz mit dem einzigen Treffer der Partie zum Sieg – und mit den bitter nötigen drei Punkten wieder aus der Tiefe des Tabellenkellers wieder ins Mittelfeld der Bundesliga! Und Mittlerweile steuert der FC Schalke – nicht zuletzt dank KPB – wieder mit relativ sicherem Kurs auf einen Champions-League-Platzt zu.

Vom Bordstein zur Skyline: Checkt hier Kevin-Prince Boatengs Karriere in Bildern!

 

Steckbrief Kevin-Prince Boateng

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Name: Kevin-Prince Boateng

Geburtsort: Berlin, Deutschland

Geburtstag: 06.03.1987

Nationalität: deutsch & ghanaisch

Größe: 1,86 m

Position: Mittelfeld, offensiv

Marktwert: ca. 27 Millionen Euro

Bisherige Vereine als Profi: Hertha BSC Berlin (2005-2007)

Tottenham Hotspur (2007-2009)

Borussia Dortmund (2009 Leihbasis)

FC Portsmouth (2009-2010)

AC Mailand (2010-2013)

Schalke 04 (seit 2013)