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Frust: Xavi suchte bei Spaniens erstem EM-Spiel gegen Italien oft vergeblich eine Anspielstation in der Spitze.
 

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Spanien hat im ersten EM-Spiel gegen Italien in der Startaufstellung ohne einen einzigen Stürmer gespielt. Wie kann eine solche Taktik funktionieren?

Wenn eine [tag]Nationalmannschaft[/tag] ein solches System spielen kann, dann wohl Spanien. Denn deren Spiel ist ohnehin extrem auf Ballbesitz und Überzahl im Mittelfeld ausgerichtet. Gegen Italien haben sie praktisch ein 4-6-0 bzw. ein 4-3-3-0 mit einer defensiveren und einer offensiveren Mittelfeld-Reihe gespielt. Einer der Vorzüge dabei: Man kann den Gegner immer wieder überraschen, weil der schlecht einschätzen kann, welcher Mittelfeldspieler wann und von wo in die Spitze vorstößt. So kann die angreifende Mannschaft die abwehrende regelrecht "überrumpeln". Bei Spanien kam dabei Cesc Fabregas eine entscheidende Rolle zu. Speziell er nämlich sollte gezielt mit schnellen Läufen in die Spitze vorstoßen und damit für diese Überraschungsmomente sorgen. Fabregas ist der ideale Spielertyp dafür. Das Vorbild für diese Rolle ist [tag:messi]Lionel Messi[/tag], bei dem sich kein Gegner darauf einstellen kann, wo er sich hinbewegen wird.

Ein zweites wichtiges Moment des spanischen Spiels ohne Stürmer: das Kombinationsspiel aus dem Mittelfeld heraus. Das System der "Seleccion" ist darauf ausgerichtet, sich durch Kurzpass-Stafetten bis in den Strafraum vorzuarbeiten. Mit jedem Meter Raumgewinn rückt das gesamte Team auf. Indem Xavi und co. dabei gezielt im richtigen Moment das Tempo anziehen, überlaufen sie den Gegner und schaffen eine Überzahlsituation in Strafraum und Tornähe. Jedenfalls ist das in der "Theorie" so vorgesehen. In der Praxis braucht man dafür Spieler, die technisch extrem gut und äußerst beweglich sind. Das trifft zwar auf Xavi, Iniesta oder Silva zu – aber selbst für die ist das ein sehr anspruchsvolles System. Und deswegen klappt’s auch bei ihnen nicht immer.