Guardiola: „Die Gehirnwäsche ist total“

"Herr Guardiola" - so heißt ein Buch über das erste Jahr von Pep Guardiola beim FC Bayern München.
"Herr Guardiola" - so heißt ein Buch über das erste Jahr von Pep Guardiola beim FC Bayern München.

Das Buch „Herr Guardiola – Das erste Jahr mit Bayern München von Marti Perarnau schlägt hohe Wellen. Der spanische Journalist hat Bayern-Trainer Pep Guardiola ein Jahr lang begleitet. Er war bei Mannschaftssitzungen dabei, hat Trainingseinheiten angeschaut und vertrauliche Gespräche miterlebt. So nah wie er, kam sonst noch keiner an den Startrainer heran.

Marti Peranau (r.) mit Bayern-Vereinslegende Paul Breitner.
Marti Perarnau (r.) mit Bayern-Vereinslegende Paul Breitner.

So ist nachzulesen, dass ein Guardiola-Plan mit Franck Ribery gescheitert ist. Eigentlich war der Franzose für das Sturmzentrum vorgesehen, doch er habe die Bewegungsabläufe zu langsam verstanden. „Sie sind viel zu ausgeklügelt und kompliziert, weshalb Pep seinen Plan erst mal ad acta legt und auf den geeigneten Moment wartet“, schreibt Perarnau.

Auch mit Thomas Müller gab es zunächst Probleme, da der Weltmeister mehr Freiheiten auf dem Platz gefordert haben soll. „Der Trainer antwortet, dass wenn jeder Spieler der Mannschaft frei spielen wolle, es in einem Desaster enden würde.“

Laut Perarnau sieht Guardiola eine große Zukunft für Pierre-Emil Höjbjerg. Er vergleiche das Nachwuchstalent bereits mit Sergio Busquets vom FC Barcelona und Guardiola lehre ihn „das ABC des Mittelfeldspiels“. Auch Javi Martinez bekommt noch Nachhilfe in taktischen Dingen. So wird der Spanier momentan von Raum- auf Manndeckung umgeschult. „Javi irrt kopflos umher, der Trainer stoppt die Aktion, korrigiert Martinez und dann das Ganze wieder von vorn“, schreibt der Spanier: „Die Gehirnwäsche ist total.“

Jerome Boateng soll im Gespräch mit Pep Guardiola zugegeben haben, dass „ihm nie jemand beigebracht hat, wie man verteidigen muss. Boateng gesteht ihm, er habe nicht gewusst, wie man eine Abwehrkette organisieren kann, und ganz einfach geglaubt, die Kunst des Verteidigens sei angeboren.“

Zudem wird in dem Buch verraten, dass Guardiola vom ersten Tag an beim FC Bayern ein riesen Kroos-Fan gewesen sei. Er habe den Verantwortlichen gesagt, dass man sich „unter keinen Umständen von Toni Kroos trennen“ solle. „Er wird den Ton angeben“, sei sich Guardiola von Beginn an sicher gewesen. Doch inzwischen spielt der Mittelfeldspieler für Real Madrid. Guardiola sei zwar „zu 90 Prozent der Chef beim FC Bayern“, aber bei der Personalie Kroos sei hinter den Kulissen zu viel vorgefallen.

Die erste lautere Kritik hat Bayern-Trainer Guardiola nach dem 0:4-Debakel in der Champions League gegen Real Madrid einstecken müssen. Auch innerhalb der Mannschaft seien kritische Stimmen laut geworden. Die Mehrheit, allen voran Kapitän Philipp Lahm, habe Guardiola den Rücken gestärkt, doch „natürlich sind nicht alle damit einverstanden. Der eine fühlt sich nur als Ersatz und sieht die Sache distanzierter; ein anderer glaubt nicht an Pep und verhält sich abwartend; wieder ein anderer hat seit einem Jahr ein angespanntes Verhältnis zu Pep und verbirgt es nicht nur, sondern brüstet sich auch noch damit.“