Fans mobben Spieler weg

Kevin Pezzoni wurde beim 1. FC Köln von "Fans" massiv bedroht.

Unglaublicher Vorgang beim 1. FC Köln: Ein Profi verlässt den Verein, weil er Angst vor den eigenen Fans haben muss. Defensivspieler Kevin Pezzoni vereinbarte mit dem Klub eine vorzeitige Vertragsauflösung, nachdem ihm irre Hools sogar zu Hause aufgelauert hatten …

Für die Fans des 1. FC Köln war Kevin Pezzoni schon länger eine Reizfigur. An ihm machten sie den sportlichen Niedergang des einst ruhmreichen Klubs (zuletzt Meister 1978), der letzte Saison in die Zweite Liga abstieg, besonders fest. Die Pfiffe und Beschimpfungen waren bei dem großen und kräftigen, aber technisch oft unbeholfen wirkenden 23-Jährigen meist lauter und massiver als bei anderen Spielern. Doch richtig schlimm wurde es im Februar dieses Jahres: Bei einer Karnevals-Party schlug ein Verkleideter Pezzoni ins Gesicht, brach ihm dabei die Nase.

 

Hetzjagd

In den letzten Wochen spitzte sich die Lage zu. Nach dem katastrophalen Saisonstart der Kölner in der 2. Liga (drei Niederlagen in vier Spielen) wurde im Internet zu Aktionen gegen Pezzoni aufgerufen – und wenige Tage nach dem 0:2 in Aue (am 27. August) lauerte eine Gruppe von irren Hools Pezzoni vor dessen Haus auf. Sie bedrohten ihn und beleidigten seine Freundin. Diesen Duck hielt der Mann, der seit 2008 beim FC unter Vertrag war, nicht mehr aus – und vereinbarte mit dem Verein eine vorzeitige Vertragsauflösung. "Ich hatte große Angst um meinen Sohn. Es ging einfach nicht mehr. Wir mussten der Sache ein Ende machen", sagt sein Vater Franco Pezzoni. Der Spieler soll mittlerweile ins Ausland geflüchtet sein, will sich demnächst einen neuen Verein suchen.

 

Die Liga unter Schock

Trainer, Spieler, Funktionäre äußerten sich entsetzt über den Vorfall und sind besorgt über die Enwticklung.

"Dass in die Privatsphäre eines Spielers eingedrungen wird, ist eine neue Stufe der Eskalation. Das ist unter keinen Umständen akzeptabel." (Ligapräsident Reinhard Rauball)

„Ich finde das inakzeptabel, dass so etwas überhaupt passieren kann." (Bundestrainer Jogi Löw)

„Diese Entwicklung beunruhigt uns sehr. Solche kriminellen Dinge wollen wir im Fußball nicht sehen.“ (Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff)

"Wenn abends vor der Privatwohnung eines Spielers Leute warten und ihn bedrohen und zu körperlicher Gewalt aufrufen – dann ist es normal, wenn ein 23-Jähriger nicht mehr in Ruhe Fußball spielen kann." (Köln-Trainer Holger Stanislawski)

"Die Hemmschwelle wird immer niedriger, die Hysterie größer. Es kann nicht sein, dass Gewalttäter quasi die Aufgebote der Vereine bestimmen." (Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VDV)