EM-Vorschau auf Gruppe A

Gastgeber Polen, Russland, Tschechien und Griechenland – Gruppe A gilt als die schwächste bei dieser EM. Die Teams sind allerdings alles andere als langweilig: Neben vielen Bundesligastars trumpfen die Mannschaften auch mit dem ein oder anderen Megastar auf…

Polen:

Deutschland bei der WM 2006, Südkorea bei der WM 2002 (beide Halbfinale), oder Portugal bei der EM 2004 (Finale) haben gezeigt, wie weit ein euphorisches Gastgeberland sein Team tragen kann.

BVB-Star Lewandowski könnte den internationalen Durchbruch schaffen.
BVB-Star Lewandowski könnte den internationalen Durchbruch schaffen.

So oder so ist die EM im eigenen Land für Co.-Gastgeber Polen aber spätestens im Finale zu Ende. Bis dahin könnten die "Bialo-Czerwoni" (die Rot-Weißen) alle Spiele in Polen austragen, das Finale steigt in Kiew, Hauptstadt der Ukraine. Bevor es so weit kommt, sind neben den Fans aber erst mal die Spieler gefragt. Dabei kommt es vor allem auf die Deutschland-Legionäre an: Robert Lewandowski (23), Jakub "Kuba" Blaszczykowski (26), Lukasz Piszczek (27, alle BVB) und Eugen Polanski (26, Mainz 05)."Piszczu" und "Kuba" bilden die am besten eingespielte rechte Seite aller EM-Teams. "Wir verstehen uns wirklich blind, das hilft natürlich" sagt "Kuba". Sie werden das Spiel über ihre Seite mit dynamischen Dribblings und viel Hinterlaufen aufziehen und Kollege Lewandowski (22 Bundesligatore 2011/12) im Sturmzentrum mit Flanken füttern. Der Mainzer Polanski räumt vor der Abwehr ab und ordnet das Spiel. Außerdem im Kader stehen der Noch-Bremer Sebastian Boenisch (25) und Hannovers Artur Sobiech (21).

Russland:

Ex-Arsenal-Star Arshavin will ins Viertelfinale.
Ex-Arsenal-Star Arshavin will ins Viertelfinale.

Ohne Polens Gastgeber-Bonus hätte sich Russland mit der Favoritenrolle anfreunden können. 2008 schaltete die "Sbornaja" im Viertelfinale überraschend Holland aus, scheiterte erst im Halbfinale am späteren Europameister Spanien. Vier Jahre danach hat die gealterte Truppe um Andrey Arshavin (31) allerdings viel von ihrem Glanz verloren. Weltklasse dürfen sich mit Spielmacher-Juwel Alan Dzagoev (21) und Stammkeeper Igor Akinfeev (26, beide ZSKA Moskau) nur ausgerechnet die Spieler nennen, die lange verletzt fehlten. Dzagoev laborierte bis Anfang Mai zwei Monate an einem Zehenbruch, Akinfeev fiel mit Kreuzbandriss sogar sieben Monate aus. Immerhin: Nach der langen Pause hielt Akinfeev in zwei "Comeback-Länderspielen" (3:0 vs. Italien und 0:0 in Litauen) seinen Kasten sauber. Die Ex-Premier-League-Größen Arshavin und Yuri Zhirkov (28) spielten zuletzt in der russischen Liga. Dass es für die ganz große internationale Bühne noch reicht, müssen sie erst noch beweisen.

Tschechien:

Wundern könnten sich viele über die starken Tschechen! Deutschlands gemeinsamer Nachbar mit Polen ist zwar nicht mehr das Top-Team, das 1996 bis ins EM-Finale kam und die DFB-Elf 2004 sogar in der Vorrunde rauswarf, hat aber ein sehr interessantes Team.

Tschechiens Hoffnungsträger Nummer 1: Petr Cech.
Tschechiens Hoffnungsträger Nummer 1: Petr Cech.

Routiniers wie Arsenals Tomas Rosicky (31) und Milan Baros (30) von Galatasaray Istanbul gemischt mit hungrigen Bundesligaspielern: Mit Roman Hubnik (28, Hertha), Michal Kadlec (27, Leverkusen), Petr Jiracek (26) und Tomas Pekhart (23) stehen vier BL-Profis mit guten Startelf-Chancen im Kader. Hubniks Berliner Kollege Jaroslav Drobny (32) wird sich das Turnier wohl von der Bank aus ansehen müssen, denn im Tor steht der Mann, auf den bei den Tschechen alle schauen: Petr Cech (30). Der frisch gebackene Champions League-Sieger mit dem FC Chelsea ist DIE EM-Hoffnung des Teams. Abwehrspieler Tomas Sivok: "Wir wissen, dass er viel rausholt." Seit dem CL-Finale wissen das auch die Spieler des FC Bayern… Sollte Tschechien ins Elfmeterschießen kommen, sind sie jedenfalls Favorit – egal gegen wen!

Griechenland:

Abgerundet wird die Gruppe A von Griechenland. Der Europameister von 2004 ist hier der klare Außenseiter.

Schalkes "Papa" soll in Griechen-Abwehr Beton anrühren.
Schalkes "Papa" soll in Griechen-Abwehr Beton anrühren.

Schalkes Kyriakos Papadopoulos (20) hat trotzdem große Ziele: "Wir gehen mit dem Minimalziel Viertelfinale in die Europameisterschaft." Dafür wird das Team sein Glück wohl mal wieder in der Defensive suchen – und auf die ist Verlass: In der EM-Quali gab's in zehn Spielen nur fünf Gegentore! Bei seinem ersten großen Turnier lastet eine Riesen-Verantwortung auf Papadopoulos, der mit dem anderen "Papa", Bremens Sokratis Papastathopoulos (23) die Innenverteidigung bildet. Dass die beiden die griechische Legende Traianos Dellas vergessen machen können, die ihr Land 2004 als Abwehrchef und "Maurermeister" zum Sensationstitel führte, ist allerdings unwahrscheinlich. Griechenland bleibt Underdog in Gruppe A.

Prognose: Da die Mannschaften alle auf einem ähnlichen Level sind, können wir uns auf packende, enge Spiele freuen. Jedes Team wittert seine Chance und weiß: In keiner Gruppe kommt man leichter weiter, als in dieser. Am Ende wird Gastgeber Polen nicht nur aufgrund des Heimvorteils Erster, sondern auch durch die spielerisch beste Leistung. Die Dortmunder Polen können die ganz großen Gewinner der EURO 2012 werden und sich international einen Namen machen. Russland landet ganz knapp vor Tschechien auf Platz zwei – da nützt auch Elferkiller Cech nichts. Bei den Griechen kann die starke Abwehr die geringe Torgefahr nicht ausgleichen – Papadopoulos und Co. fahren ohne Sieg als Gruppenletzter nach Hause.