EM-Teamcheck Italien

Die härteste Defensive Europas. Bei der letzten WM war Italien die größte ­Ent­täuschung. Mit altbekannter Taktik will die Mannschaft nun wieder zurück an die Spitze.

Vieles ist neu im Team des ­vier­fachen Weltmeisters. Kein ­Wunder: Immerhin hat sich ­Italien bei der letzten WM bis auf die Knochen blamiert. Letzter Platz in der Vorrunde mit zwei Unentschieden und keinem einzigen Sieg – eine ­absolute Katastrophe für die stolze "Squadra Azzurra"! Der neue Trainer Cesare Prandelli – fast zehn Jahre jünger als sein Vorgänger ­Marcello Lippi – musste schnell handeln und ein schlagkräftiges Team aufstellen. Viele Spieler verabschiedeten sich und wurden durch neue ersetzt. Nur absolute Leistungsträger durften bleiben. Folge: Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit beträgt das ­Durchschnittsalter der Top 11 nun deutlich weniger als 30 Jahre.

 

Italiens Taktik: Kontrollierte Offensive

Geändert hat sich auch die italienische Spielweise. Alle Experten hatten bei der EM ein italienisches Team erwartet, dass sich fast nur hinten rein stellt und in erster Linie versucht Tore zu verhindern. Aber weit gefehlt! Im Viertelfinale spielte Italien Gegner England phasenweise an die Wand und war insgesamt definitiv das bessere Team. Hochverdient zogen die Italiener ins Halbfinale ein, auch wenn sie dafür durchs Elfmeterschießen (Endergebnis 4:2) gehen mussten. Das Spiel ist deutlich schöner anzuschauen, als bei vergangenen Turnieren. Trotzdem steht die Abwehr. Nur zwei Gegentore während der EM (in der regulären Spielzeit) sprechen eine deutliche ­Sprache. Mit den Italienern ist ­wieder zu rechnen! Auch dank Superstar Gianluigi Buffon. Der mega-erfahrene Torwart denkt nämlich gar nicht daran aufzuhören: "­Solange ich gebraucht werde, stehe ich zur Verfügung!"

 

Wer macht die Tore?

Bisher sind die Torschützen der Italiener gleichmäßig verteilt. Mario Balotelli, Antonio Cassano, Antonio di Natale und Andrea Pirlo trafen je ein Mal. Balotelli stand vor der EM noch auf der Kippe, entwickelt sich aber neben seinen Beinahe-Skandalen und Aufregern immer mehr zu einem extrem wichtigen Spieler bei Italien. Gegen England schoß er öfter aufs gegnerische Tor, als alle Engländer zusammen – auch wenn er nicht traf. Daneben sorgt Cassano häufig für Gefahr und neben Andrea Pirlo glänzt auch der "Deutsche", Riccardo Montolivo im Mittelfeld. Er wird wegen seiner deutschen Mutter so genannt.

 

Top-Facts zu Italiens Spielweise

KNALLHARTE DEFENSIVE: Vor Super-Torwart Gianluigi Buffon ­sichert eine perfekt eingespielte Viererkette den eigenen Strafraum ab.

ERFAHRENES MITTELFELD: Auch fürs Mittelfeld gilt: Zuerst Tore verhindern! Mit Montolivo, De Rossi und Pirlo positionieren sich gleich drei defensive Mittelfeldspieler vor der eigenen Abwehr. Hier gibt es kaum ein Durchkommen für die Gegner! Mit seinen schnellen Pässen setzt "Oldie" Pirlo zudem Impulse nach vorne. Auch Montilvo schaltet sich häufig mit nach vorne ein.

DOPPEL-ANGRIFF: Für Tore sollen mit Mario Balotelli und Antonio Cassano zwei ­Angreifer sorgen, die fast auf einer Linie spielen und bei eigenem Ballbesitz nach vorne preschen.