Die Formel 1 und ihre Stallorder

Stocksauer ist der Australier auf den dreifachen deutschen Weltmeister.

Das letzte Rennwochenende hat es wieder einmal gezeigt: Das Thema Stallorder entscheidet in der Formel 1 über Sieg und Niederlage – und nicht selten hängen starke Emotionen daran – aber immer ist sie die Grundlage für viele Diskussionen.

Siegesfreude sieht definitiv anders aus! Nach seinem ersten Saisonsieg in diesem Jahr war Sebastian Vettel nicht wirklich zum Feiern zu Mute. Der 25-Jährige hatte die Stallorder seines Teams missachtet, seinen Teamkollegen Mark Webber trotz Verbotes überholt und sich damit den Sieg gesichert.

In vielen Sportarten gibt es eine Nummer 1 und eine Nummer 2 im Team. Die Rangordnung ist klar, so auch beim Formel-1-Team Red Bull. Weltmeister Sebastian Vettel fährt für das Team, was Flügel verleiht, ebenso wie der australische Rennfahrer Mark Webber. Aber Vettel ist die unumstrittene Nr.1. Nicht immer entstehen unter den Kontrahenten enge Freundschaften, so auch nicht bei diesen beiden Piloten. Und seit dem Rennen von Sepang am vergangenen Sonntag dürfte feststehen, dass Vettel und Webber keine dicken Freunde mehr werden.

 

Vettel: " Ich muss mich entschuldigen!"

Aber Freundschaft hin oder her, was war genau passiert? Im Rennen hatten sich die beiden Red-Bull-Piloten wilde Überholmanöver geliefert, was auch ins Auge gehen und wertvolle Punkte hätte kosten können. Webber positionierte sich vor den Heppenheimer und konnte seine Position als Stärkerer verteidigen. Beide Piloten bekamen dann vom Kommandostand die Ansage, dass sie die Reifen schonen sollen, in Red-Bull-Sprache: „Multi 21“, was nichts anderes bedeutete als Fahrer 2 vor Fahrer 1 – also das Beibehalten der aktuellen Position – also den Sieg für den 36-jährige Australier. Sebastian Vettel ignorierte die Ansage jedoch kurzerhand, zog voll durch, vorbei am Teamkollegen und rauf aufs Siegertreppchen. Auf Platz zwei ein emotionsgeladener Mark Webber – der ewige Zweite.

   

Vor der Siegerehrung würdigte Webber den Erstplatzieren keines Blickes, wiederholte nur verärgert: „Multi 21“, „Multi 21“. War das Überhol-Manöver von Vettel in Ordnung oder eine einzige egoistische Handlung? Sebastian Vettel entschuldigte sich schon in der Pressekonferenz für seinen Ausrutscher, allerdings viel zu spät für Mark Webber, der über die Ignoranz des Heppenheimers außer sich vor Wut war. Vettels Einsicht kam jedenfalls zu spät und die Erklärung wirkte eher unprofessionell und nicht wie die eines dreifachen Formel-1-Weltmeisters: "Ich habe Mist gebaut. Ich bin jetzt das schwarze Schaf. Ich bin nicht stolz auf das, was ich getan habe."

Teamchef Christian Horner erklärte Vettels Verhalten so: „Der Wunsch des Fahrers war größer als der des Teams. Er hat das eigene Interesse über unseres gestellt.“

 

Marc Webber nach dem Rennen im Interview:

   

 

Was ist eine Stallorder?

Die Fahrer bekommen eine Anweisung, entweder im Vorfeld eines Rennens, beispielsweise in der Teamsitzung, oder via Funk währenddessen, um so auf mögliche Probleme oder Ereignisse zu reagieren. Es geht immer darum, nicht die Leistung des Einzelnen in den Vordergrund zu stellen, sondern teamorientiert zu denken und zu handeln.

Beispielsweise darf Fahrer 1 von Fahrer 2 nicht überholt werden, obwohl dieser offensichtlich der Stärkere ist. Grund dafür kann die Angst vor möglichen Ausfällen bei einem Fight sein, oder auch die Punkte, die Fahrer 1 für die WM-Endwertung unbedingt benötigt.

Auf den Sieg anstoßen? Nicht mit Vettel! Marc Webber feiert ohne seinen Teamkollegen.
Auf den Sieg anstoßen? Nicht mit Vettel! Marc Webber feiert ohne seinen Teamkollegen.

 

"Möge der Bessere gewinnen" – Das war einmal!

Was im Radsport seit Jahren gängige Methode ist, sorgte im Jahr 2002 für heftige Diskussionen in der Formel-1-Welt: Der damalige Rennfahrer Rubens Barrichello musste auf Anweisung seines Teams den damals schwächeren Michael Schumacher vorlassen und ihm somit den Sieg schenken. Dieser regelwidrige Platztausch wurde von der FIA mit 1.000.000 US-Dollar bestraft. Die größere Konsequenz aus dieser Ferrari-Stallorder war aber die Regeländerung zur nächsten Saison. 2003 wurde die Teamorder – oder auch Stallorder genannt – verboten.

In Artikel 39.1 hieß es: "Teamorder, die sich auf ein Rennergebnis auswirken, sind verboten."

Das Verbot hielt allerdings nur acht Jahre. Nach einer„stillen“ Stallorder wurde es im Jahr 2010 wieder aufgehoben. Grund dafür war eine Anweisung vom Ferrari-Kommandostand an Felipe Massa beim Deutschland Grand Prix. Ihm wurde mitgeteilt, dass Teamkollege Fernando Alsonso schneller sei, und gefragt, ob er diese Mitteilung verstanden hätte. Ja, das hatte er! Denn nur wenig später ließ er Alsonso passieren. Von der FIA gab es für die Aktion eine Geldstrafe, obwohl Smedley eine vorhandene Teamorder abstritt und erklärte, dass es sich lediglich um eine schlichte Information gehandelt habe. Die Frage der Nachweisbarkeit solcher teamorientierten Anweisungen und indirekten Stallorder wurde danach stark diskutiert und schlussendlich wegen der Grauzonen wieder abgeschafft.

Die Team- ooder auch Stalloder war acht Jahre in der Formel 1 verboten.
Die Team- ooder auch Stalloder war acht Jahre in der Formel 1 verboten.

   

 

Egoistisch oder Siegeshungrig?

Wir haben euch gefragt, was ihr über das Verhalten von Sebastian Vettel beim Malaysia Grand Prix denkt – ob er sich richtig verhalten hat, oder als Teamplayer völlig versagte. Hier das Ergebnis:

Wir haben nach eurer Meinung gefragt.
Wir haben nach eurer Meinung gefragt.