Der Guru: Torlinien-Technologie

Inmitten von Flutlichtscheinwerfern eine der Spezialkameras der Hawkeye-Technologie.

Die FIFA hat die Einführung technischer Hilfsmittel im Fußball endgültig für die WM 2014 in Brasilien beschlossen. "Wembley-Tore" sind damit ein für allemal Geschichte. Dabei geht es um die Entscheidung, ob ein Ball in vollem Umfang die Torlinie überschritten hat. Der Guru erklärt, welche Systeme der Torlinien-Technologie eingesetzt werden und wie sie funktionieren.

Häufig wird allgemein von der "Torkamera", manchmal auch vom "Chip im Ball" gesprochen. Dahinter verbergen sich verschiedene Systeme, die in jahrelanger Arbeit von Wissenschaftlern, Top-Ingenieuren etc. entwickelt wurden.

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Was ist das "Hawkeye"?

Hinter dem Begriff "Torkamera" steckt das System Hawkeye der gleichnamigen englischen Firma. Dieses wird zum Beispiel im Tennis seit vielen Jahren schon eingesetzt.

Es arbeitet mit mehreren High-Speed-Kameras. Diese verfolgen den Flug des Balls im Torbereich aus verschiedenen Perspektiven. Sechs Kameras pro Tor sind vorgesehen, die sich teilweise am Spielfeldrand und teilweise am Stadiondach befinden. Jede Kamera liefert bis zu 500 Bilder pro Sekunde an einen zentralen Computer. Es entscheidet nicht das menschliche Auge über die Frage, ob der Ball hinter der Linie war oder nicht. Sondern: Ein Computer errechnet die Position des Balles. Die Daten liefern ihm die verschiedenen Kameras. Lautet das Ergebnis "Tor", erhält der Schiedsrichter eine entsprechendes Signal auf seiner Uhr. Allerdings lässt sich das Ergebnis als 3D-Bild darstellen. Im Fußball sollen diese Bild-Auflösungen aber zunächst nicht den Medien und Zuschauern zugänglich gemacht werden – zumindest nicht während des Spiels. Doch diese Fragen sind noch nicht endgültig geklärt.

Was aber ist, wenn der Ball verdeckt ist? Nun, zum einen gibt es auch deswegen mehrere Kameras: Der Ball hat kaum eine Chance, allen Kameras zu entwischen. Zum anderen hat die FIFA die Präzision des Systems in umfangreichen Tests geprüft. Laut der Hersteller-Firma braucht nur ein Bruchteil des Balles sichtbar zu sein, um seine Position bestimmen zu können.

 

Wie funktioniert "GoalRef"?

Wenn vom "Chip im Ball" die Rede ist, können unterschiedliche Systeme gemeint sein. Bei der FIFA ist davon zurzeit nur noch eines im Gespräch: GoalRef. Dieses braucht zum einen eine technologische Vorrichtung im Ball. In diesen sind drei elektrische Spulen zwischen Blase und Außenhülle eingebaut. Zum anderen wird bei GoalRef im Tor ein Magnetfeld erzeugt – durch mit Kunststoff umhüllte Antennen an Torpfosten und -latte. Die Tor-Erkennung funktioniert nun so: Rollt oder fliegt der Ball in dieses Magnetfeld, wird dort eine Veränderung gemessen. Hat der Ball in vollem Umfang die Torlinie überschritten– oder überflogen –, wird über einen Sensor ein Signal an einen Zentralcomputer geleitet. Und von dort ergeht wiederum ein Signal an eine entsprechende Uhr am Handgelenk des Schiris.

Auch dieses System, entwickelt vom deutschen Fraunhofer Institut in Zusammenarbeit mit der dänischen Firma GoalRef, wurde von der FIFA auf absolute Präzision getestet. Die Technik im Ball soll dessen Roll- und Flugverhalten angeblich nicht beeinträchtigen. Auch dies wurde natürlich getestet.