Das ist Alessandro Zanardi

Gold für den Sieg im Zeitfahren: Alessandro Zanardi bei der Siegerehrung bei den Paralympics in London 2012.

Seit einen schlimmen Unfall 2001 hat der Ex-Autorennfahrer Alessandro Zanardi keine Beine mehr. Sein Sieg bei den Olympischen Spielen für Behinderten-Sportler in diesem Sommer im Handbike bewegte Menschen weltweit. Hier erfahrt ihr alles über die außergewöhnliche Karriere und den Menschen Alessandro Zanardi.

1999 war Alessandro Zanardi Teamkollege von Ralf Schumacher (l.), Bruder des siebenfachen Weltmeisters Michael, beim F1-Team Williams.
1999 war Alessandro Zanardi Teamkollege von Ralf Schumacher (l.), Bruder des siebenfachen Weltmeisters Michael, beim F1-Team Williams.

Der am 23. Oktober 1966 geborene Italiener gibt 1991 sein Debüt in der Formel 1. Vier Jahre fährt er zunächst in der "Königsklasse" des Motorsports, absolvierte dabei 25 Rennen. Seine Ausbeute bleibt allerdings mager: nur ein Pünktchen. Er wechselt 1996 in die ameriaknische "ChampCar"-Serie – und schafft dort schnell den Durchbruch. 1997 und 1998 gewinnt er diese amerikanische Rennserie jeweils. Darauf gibt er ein Comeback in der Formel 1, geht 1999 für den Williams-Rennstall an den Start, wo auch Ralf Schumacher unter Vertrag steht. Allerdings lief's nicht gut für den Italiener – in 16 GPs schafft er es nicht ein Mal in die Punkteränge. Nach einem Jahr Pause fährt Zanardi 2001 wieder in der "Champ Car"-Serie – und am 15. September kommt es auf dem Lausitzring zu dem schrecklichen Unfall. Zanardi bleibt nach einem Boxenstopp mit seinem Boliden mitten auf der Strecke stehen - vermutlich bremste Schmutz oder Öl auf der Fahrbahn seinen Wagen. Ein nachfolgendes Auto fährt voll Karacho in ihn rein. Zanardi überlebt, verliert aber beide Beine. Eine Rückkehr in den Sport scheint unvorstellbar.

 

Irres Comeback

Sensation: Der beinamputierte Zanardi gewinnt 2005 ein Tourenwagen-Rennen.
Sensation: Der beinamputierte Zanardi gewinnt 2005 ein Tourenwagen-Rennen.

Doch Zanardi beweist einen unglaublichen Willen. Er lernt nicht nur, mit Hilfe von speziellen Beinprothesen kurze Strecken zu gehen und den Alltag zu bewältigen. Sondern: Er steigt sogar wieder in den Motorsport ein! In einem speziell für ihn umgerüsteten Wagen fährt er von 2005 an in der Tourenwagen-WM mit. Mit der Hand gibt er Gas, mit der Prothese seines rechten Beines kann er die Bremse betätigen. Dass er wieder Rennen bestreitet, ist schon eine Sensation. Aber: Er gewinnt sogar wieder. Am 29. August 2005 in Oschersleben (Österreich) triumphiert er erstmals, es folgen Siege 2006 in Istanbul (Türkei) und 2008 in Brünn (Tschechien). Und 2006 steigt er sogar noch mal in einen Formel-1-Wagen, absolviert eine Testfahrt – allerdings ist das von vornherein nur als einmalige Sache geplant. Ende 2009 dann verabschiedet er sich vom Motorsport. Er hat eine neue Liebe gefunden …

 

Der Handbike-Star

Der Italiener siegt beim Handbike-Marathon von Mailand 2011.
Der Italiener siegt beim Handbike-Marathon von Mailand 2011.

Schon seit einigen Jahren trainiert "Alex" mit dem Handbike. Die Fahrtechnik beschreibt Zanardi wie folgt: "Du drückst beziehungsweise ziehst die Kurbel mit den Händen, die Kraft dazu kommt aus den Oberarmen. Wir beanspruchen zusätzlich den gesamten Oberkörper. Wann immer wir das Pedal nach vorne drücken, drücken wir mit dem ganzen Körper. Wenn wir ziehen, machen wir dasselbe. Und jedes Mal, wenn ich den Oberkörper nach hinten ziehe, benutze ich meine Gesäßmuskeln und die Reste der Oberschenkelmuskulatur, um mich damit im Sitz quasi festzuhalten." 2007 ist Zanardi beim New-York-Marathon dabei, wird dort Vierter. Wie früher als Autorennfahrer tüftelt er auch hier kräftig selbst an der Technik des Sportgerätes mit, um das Optimum an Tempo herauszuholen. Mit gutem Grund, denn: Er setzt sich ein festes Ziel – die Teilnahme bei den Olympischen Spielen für Sportler mit Behinderung, den Paralympics, 2012 in London. Er trainiert hart, und ist seit dem Sieg beim New-York-Marathon 2011 einer der Gold-Favoriten. Und er schafft’s tatsächlich, holt in London zwei Mal Gold und ein Mal Silber. Ein Triumph, der die Welt bewegt …Wie’s jetzt weitergeht, ist noch unklar. Das Verrückte: Ein Comeback im Motorsport scheint nicht ausgeschlossen. Angeblich steht Zanardi bereits in Kontakt mit BMW und plant eine Rückkehr in die Tourenwagen-Meisterschaft.

 

Lebenslustiger Typ

Strahelnd nimmt er 2004 den Laureuas-Award als Comebacker des Jahres entgegen.
Strahelnd nimmt er 2004 den Laureuas-Award als Comebacker des Jahres entgegen.

Ich bin ein Optimist, der ein wunderbares Leben gelebt hat und es noch immer lebt; einer, der zu schätzen weiß, wie viel Gutes ihm geblieben ist“, sagt Zanardi über sich. Diese Worte zeigen: Zanardi hat eine unglaubliche positive Lebenseinstellung. Und ohne die hätte er es nach dem schrecklichen Unfall 2001 vermutlich nicht geschafft, wieder als Sportler so ins Rampenlicht zu kommen. Geholfen hat ihm dabei der Rückhalt durch seine Familie, seine Frau Daniela und Sohn Niccolo, der inzwischen 13 Jahre alt ist. Dank seiner positiven Ausstrahlung ist Zanardi auch ein beliebter Interview-Partner und gern gesehener Gast in TV-Shows und bei Events. Und immer wieder erzählt er dort von seiner unglaublichen Story …

Gefragt: Zanardi mit TV-Moderatorin Ulla Kock am Brink2004.
Gefragt: Zanardi mit TV-Moderatorin Ulla Kock am Brink2004.