Chefermittler abgezogen

Hilton Botha vom Fall Pistorius abgezogen. Im Mai muss er sich selbst wegen Moders vor Gericht verantworten.

Im Fall Pistorius wurde Chefermittler Hilton Botha vom Fall abgezogen. Die Leitung der Ermittlungen wird von jetzt an Vinesh Moonoo übernehmen. Die südafrikanische Polizei hatte Botha die Leitung der Ermittlungen entzogen, weil dieser selbst im Mai wegen siebenfachem Mordversuch vor Gericht erscheinen muss. Er hatte mit zwei weiteren Beamten – laut Polizeiangaben – während eines Einsatzes im Oktober 2011 auf einen Minivan geschossen, in dem sieben Personen saßen. Aufgrund dessen befürwortete die nationale Anklagebehörde den Abzug des Chefermittlers vom Fall Pistorius. Der Paralympics-Star hatte in der Nacht zum Valentinstag seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen.

Neben ersten widersprüchlichen Aussagen des Sportlers fand die Polizei in seinem Haus einen blutverschmierten Cricketschläger. Gleichzeitig stellte die Gerichtsmedizin fest, dass das Opfer neben den Schusswunden auch einen eingeschlagenen Schädel hatte.

Pistorius am zweiten Prozesstag vor Gericht.
Pistorius am zweiten Prozesstag vor Gericht.

Der Fall wird aber immer undurchsichtiger. Nachdem die Aussage des 26-jährigen beinamputierten Profisportlers viele Fragen aufgeworfen hatte, kommt nun heraus, dass er laut des Schusswaffenzentrums der südafrikanischen Polizei sechs weitere Waffenscheine beantragt haben soll: Für zwei Revolver, ein Gewehr sowie drei Schrotflinten. Den Waffenschein für die Neun-Millimeter-Pistole, mit der er seine Freundin, das 29-jährige Modell Steenkamp am Valentinstag erschossen hatte, besaß er bereits.

Seine Version von der Tatnacht wirft viele Fragen auf.
Seine Version von der Tatnacht wirft viele Fragen auf.

Wegen Mordes hatte die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben, seitdem sitzt Pistorius in einer Zelle im Polizeigebäude. In seiner zweiten Anhörung vor Gericht erklärte er den tragischen Vorfall wie folgt: „Ich wachte in den frühen Morgenstunden des 14. Februar 2013 auf, ging auf den Balkon, um den Ventilator reinzuholen und schloss die Schiebetüren, die Fensterläden und die Vorhänge. Ich hörte ein Geräusch im Badezimmer und merkte, dass jemand darin war. Die Tür war geschlossen, ich hörte Geräusche, das machte mir Angst. Ich glaubte, er oder sie waren durch das ungesicherte Fenster eingestiegen. Obwohl ich meine Prothesen nicht anhatte, konnte ich mich auf meinen Stümpfen fortbewegen. Ich glaubte, dass jemand in mein Haus eingedrungen sei. Ich hatte zu große Angst, das Licht anzuschalten. Ich holte meine Neun-Millimeter-Pistole unter dem Bett hervor. Es war stockdunkel im Schlafzimmer und ich dachte, Reeva wäre im Bett. Ich feuerte Schüsse auf die Toilettentür und rief Reeva zu, sie solle die Polizei rufen. Als ich das Bett erreichte, merkte ich, dass Reeva nicht darin war. Da ging mir auf, dass Reeva in der Toilette gewesen sein könnte. Ich legte meine Prothesen an, rannte zurück ins Badezimmer und versuchte die Toilettentür einzutreten. Ich ging zurück ins Schlafzimmer und nahm meinen Cricketschläger, um die Toilettentür aufzubrechen. Reeva war in sich zusammengesackt, aber am Leben. Ich trug sie nach unten, um sie ins Krankenhaus zu bringen. Unten versuchte ich ihr jede Hilfe zu leisten, die ich ihr geben konnte, aber sie starb in meinen Armen.”

Reeva Steenkamp wurde nur 29 Jahre alt.
Reeva Steenkamp wurde nur 29 Jahre alt.

Staatsanwalt Gerrie Nel will der Aussage nicht glauben und belastet Pistorius: „Er hat sich vorbereitet. Er hat sich bewaffnet. Das Motiv war: Er wollte töten.“ Ob der Sportler bis zur Verhandlung auf Kaution frei kommt, entscheidet sich höchstwahrscheinlich am Donnerstag. Mit einem Gedenk-Gottesdienst im kleinen Kreis wurde bereits am Dienstag (19.02.) dem getöteten südafrikanischen Model und Fernsehstar Reeva Steenkamp gedacht.