Chaos und Krise beim HSV

Rafael van der Vaart ist mit der Situation beim Hamburger SV nicht zufrieden.

Der Hamburger SV macht kurz vor dem Saisonstart mit Negativ-Meldungen in Serie auf sich aufmerksam. Auch der Sieg im DFB-Pokal gegen einen Sechstligisten bringt keine Ruhe. Chaos und Krisenstimmung beherrschen die Situation in Hamburg. Kapitän Rafael van der Vaart sieht seine Mannschaft sogar schlechter als eine B-Elf des FC Bayern München.

"Im Moment sind wir scheiße", hat Rafael van der Vaart, Kapitän des Hamburger SV nach der 0:4-Klatsche im Testspiel gegen Dynamo Dresden gesagt. Und hinzugefügt: "Jetzt geht es darum aus allem Negativen auch etwas Positives zu ziehen." Was bei den vielen negativen Dingen, die momentan in Hamburg passieren gar nicht so einfach ist. Der DFB-Pokalsieg gegen den Sechstligisten SV Schott Jena hat immerhin ein positives Ende. Wenn auch Neuzugang Lasse Sobiech danach gestehen musste: "Das war ganz schön holprig. 4:0 liest sich besser, als es war." Um das Pokalspiel gab es Theater um Dennis Aogo, der nicht für den Kader nominiert wurde, danach sagte HSV-Boss Carl Jarchow der "MOPO": "Ich war teilweise sauer, wie man so viele Chancen liegenlassen kann." Die Chancenauswertung ist im Moment ein ziemlich großes Problem in Hamburg. Offenbar lässt aber auch die Einstellung zu wünschen übrig. Wie sonst ist die Ansprache, die Manager Oliver Kreuzer nach dem Debakel in Dresden an seine Mannschaft richtete zu erklären? Dort lederte der Ex-Profi laut der "SportBild" richtig los: "Wir fliegen mit einer Privat-Maschine hier hin. Ihr habt ein Fünf-Gänge-Buffet, wir tun alles, um die besten Möglichkeiten zu schaffen. Da kann man wenigstens verlangen, sich ordentlich zu verkaufen", wetterte Kreuzer – was Kapitän Rafael van der Vaart in einem Interview mit der "Bild" nicht so wirklich gelang.

 

Van der Vaart: "Meister werden wir wohl nicht"

94 Prozent der bravosport.de-User sehen den HSV schlechter als Platz fünf.
94 Prozent der bravosport.de-User sehen den HSV schlechter als Platz fünf.

Mit seiner Aussage, dass der Hamburger SV eher geringe Chancen auf den Meistertitel hat, überrascht er wohl kaum Jemanden. Dass er aber im selben Interview davon spricht, dass "sogar die B-Elf der Bayern große Chancen auf die Schale hätte", lässt sein Team überhaupt nicht gut aussehen. Aber mögicherweise hat der Holländer gar nicht so unrecht. Am Dienstagabend zeigten die Hamburger in einem Testspiel gegen Landesligist TSV Etelsen eine katastrophale Leistung, gewannen nur mit großer Mühe mit 2:0. Trainer Torsten Fink hat bei den Gedanken an den Bundesliga-Auftakt am Sonntag gegen den FC Schalke einige Sorgenfalten im Gesicht. "Wenn wir Sonntag wieder spielen müssen, ist das einfach zu wenig. Egal, wie der Platz ist und ob ein paar junge Spieler dabei waren. Die Leistung stimmt nicht. Das muss man besser machen", sagte der Coach nach der Blamage. Das Positive? René Adler feierte nach einer Verletzungspause sein Comeback und wird aller Voraussicht nach auch am Sonntag im Tor stehen können. Definitiv nicht im Kader ist dagegen Paul Scharner. Und der macht ordentlich Stunk.

 

Scharner: "Ich kann auch Krieg führen!"

Vor einer Woche wurde Paul Scharner noch im HSV-Kader fotografiert.
Vor einer Woche wurde Paul Scharner noch im HSV-Kader fotografiert.

Letzte Saison wurde der Innenverteidiger nach England verliehen und machte dort von Februar bis Mai 14 Spiele über volle 90 Minuten. Nach seiner Rückkehr zum HSV erwartete Scharner die Chance um einen Stammplatz zu fighten. Aber er bekam sie nicht und soll nun zur U23 der Hamburger abgeschoben werden – trotz anderer Absprachen. "Vor unserem Test in Innsbruck wurde mir gesagt, dass ich nicht abgeschoben werde. Und jetzt soll ich zur U23", sagte Scharner am Dienstag vor dem Training. Der Österreicher überlegt nun, ob er das akzeptiert, wechseln soll oder doch seine Karriere beendet. Oder ob er weiter Stunk macht. "Ich werde erpresst", ließ er die Journalisten schon mal wissen. "Und ich kann Krieg führen." Scharner will wegen seiner Familie nicht ins Ausland und macht sich deshalb ernsthafte Gedanken, mit dem Fußball aufzuhören. Das wäre an sich durchaus positiv für den HSV. Aber wie immer in Hamburg, gibt es auch da einen Haken. Denn die Hamburger müssten Scharner eine Abfindung bezahlen, wenn sie seinen Vertrag beenden. Und Kohle ist keine da. Da droht weitere Unruhe.

Der HSV hat also jede Menge Baustellen, ein paar weitere wie das Theater in Aufsichtsrat und Vorstand und die anhaltende Kritik von Fans und Ex-Spielern an der Führung des Klubs haben wir noch gar nicht genauer behandelt. Geht das Spiel am Sonntag gegen Schalke in die Hose, wird es noch schwieriger für den HSV positiv weiterzumachen. Das Ziel, sich für die Europa League zu qualifizieren wurde zwar ausgegeben, angesichts der Vorbereitung wäre es aber nicht verkehrt etwas bescheidener an die schwere Bundesliga-Saison heranzugehen.