Bayern präsentiert Lewandowski

Offizielle Präsentation in München: Bayern-Neuzugang Robert Lewandowski ist da.

Spielerpräsentationen gehören beim FC Bayern München zu den großen Medienereignissen. Doch Neuzugang ist nicht gleich Neuzugang. Nachdem die Präsentation von Sebastian Rode über die Bühne war, öffneten die Münchner den Vorhang ein zweites Mal mit weitaus mehr Tam Tam. Der neue Stürmer-Star Robert Lewandowski wurde von Matthias Sammer vor einer Schar von Medienleuten vorgestellt und gleich am ersten Arbeitstag wurde bereits deutlich: Beim FC Bayern wird alles auf die "neue Nummer 9" ausgelegt.

von David Vorholt

Der Presseraum gerammelt voll, der Neuzugang bereits seit Monaten bekannt. Robert Lewandowski ist unter erwartunbar großem öffentlichen Interesse beim FC Bayern präsentiert worden. Der Pole hatte zum Beginn seiner Bayern-Zeit gleich die Worte parat, die man beim Rekordmeister von ihm erwartet. "Ich denke, das Beste für alle, für die Fans, für mich und den FC Bayern, ist es, Titel zu gewinnen", so der aus einem ausgedehnten Sommerurlaub zurückgekehrte Stürmer.

Sportdirektor Matthias Sammer betonte auf der Pressekonferenz, dass man von Lewandowski "keine Wunderdinge" erwarte. Doch in die Richtung sollte es dann nach dem Geschmack des Meisters wohl schon gehen, denn Lewandowski wird zwar beim FC Bayern der Stammplatz gleich zusammen mit dem roten Teppich vor die Füße gelegt, ablesen lässt sich aber gleichzeitig auch die Erwartungshaltung an den Mann, der vier Jahre lang das Trikot des Liga-Konkurrenten Borussia Dortmund trug. Denn der viel spekulierte Abschied des bisherigen Bayern-Stürmers Mario Mandzukic wurde vom Sportdirektor ganz nebenbei nahezu wasserdicht bestätigt. Weniger Konkurrenz, mehr Druck. Unter diesem Einduck beginnt die Ära Robert Lewandowski beim Triple-Sieger von 2013.

 

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Aklimatisieren wird Lewandowski sich wohl nicht lange müssen und auch nicht dürfen. Der Pole kennt die Bundesliga und somit die Gegner seit Jahren. Zudem wird die neue Bayern-Offensive wohl strikt auf Lewandowski ausgerichtet werden. Der einstige Bayern-Schreck ist das neueste Juwel in der üpiig besetzten Star-Truppe.

Rückblick: Die 5:2-Demütigung durch den BVB im Pokalfinale 2012 versetzt dem großen FC Bayern eine lange nicht gekannte Demütigung. Es nicht nur eine Niederlage, der Marktführer im deutschen Profifußball ist bis ins Mark erschüttert. Einer der "Hauptschuldigen" damals: Robert Lewandowski. Dass der Pole, der nach einem Jahr im Wartestand hinter dem damaligen BVB-Goalgetter Lucas Barrios, einmal die große Sturmhoffnung in München sein würde, hätte in dieser Nacht in Berlin weder Lewandowski selbst, noch sonst irgendwer wohl gedacht.

Doch die Zeit lässt solche Eindrücke im Fußball schnell verwässern und unbestätigten Gerüchten zufolge sollen die Bayern-Verantwortlichen, damals noch mit Uli Hoeneß an der Spitze, in der Nacht der Pokal-Nacht die Verpflichtung des polnischen Nationalspielers beschlossen haben. Einige Zeit später ließ Lewandowski dann wissen, dass er seinen bis 2014 laufenden Vertrag beim BVB nicht verlängern werde. Real Madrid und der FC Bayern galten von Beginn an als Favoriten auf eine Lewandowski-Verpflichtung. Der Pole selbst wollte sich nie in die Karten schauen lassen, bestätigte allerdings schon lange vor dem offiziellen Wechsel, dass er sich bereits "mit einem Klub einig" sei.

Der Plan, den der Stürmer und seine Berater Cezary Kucharski und Mark Barthel, denen man mindestens eine offensive Vorgehensweise attestieren kann, sah wohl ursprünglich vor, 2013 zum FC Bayern zu stoßen. Auch einen Vorvertrag in München soll es bereits gegeben haben. Doch in Dortmund schob man dem ganzen einen Riegel vor. Zur Vertragsverlängerung konnten die Westfalen ihren wechselwilligen Stürmer nicht zwingen, zur Vertragserfüllung jedoch schon. Und genau das taten sie. Spätestens nach einer deftigen "Basta-Ansage" von BVB-Geschäfstführer Watzke war der vorzeitige Wechsel vom Tisch. Und auch die Seifenoper im Winter 2013/14 (Lewandowski warf Watzke und dem BVB gar indirekt Wortbruch vor) änderte daran nichts.

Nach der schmetzhaften Erfahrung, die die Dortmunder bei der Abwerbung ihres besten Nachwuchsmannes Mario Götze durch die Münchner Konkurrenz gemacht hatten, war die Schwarz-Gelbe FÜhrung zu allem entschlossen – das berühmte Exempel wurde statuiert, der BVB fuhr gegen die finanziell übermachtigen Bayern Kampflinie bis zum bitteren Ende und verlor dadurch zwar die Aussicht auf eine lukrative Ablösesumme für den Top-Stürmer. Doch die Botschaft im Lewandowski-Poker kam in München unmissverständlich an: Der BVB ist auch für Bayern München kein SB-Warenhaus – Geld hin oder her!

Schlacht verloren, Krieg gewonnen. Dass aus Lewandowski einmal ein Bayern-Spieler werden würde war klar, doch ungewohnter Weise musste man sich an der Säbener Straße in Geduld üben. Eine Tugend, für die der größte deutsche Klub nicht unbedingt steht, aber Lewandowkis Konfliktbereitschaft in Dortmund und nochmehr seine sportlichen Qualitäten scheinen die Bayern-Oberen beeindruckt zu haben, so dass mit dem Polen ein Vorvertrag für eine Zusammenarbeit ab 2014 geschlossen wurde. Das adelt Lewandowski, denn anstatt anderweitig für eine Millionensumme einen Stürmer zu holen, beließen es die Bayern bei ihren schon vorhandenen Offensiv-Leuten. Den Alleinunterhalter im Sturm gab ein weiteres Jahr Mario Mandzukic, der allerdings menschlich mit Pep Guardiola des öfteren aneinander geraten sein soll.