Ballon d'Or: Ribery verarscht!

Schade: Ribery wurde bei der Ballon d'Or-Gala nur Dritter hinter Ronaldo und Messi.

Um 20 Uhr wurde offiziell, was Franck Ribery und seine Leute befürchtet hatten: Nicht er, sondern Cristiano Ronaldo gewann den Ballon d'Or. Der Portugiese darf sich nach 2008 zum zweiten Mal "Weltfußballer" nennen. Und Ribery geht leer aus – der Bayern-Star darf sich von den Stimmberechtigten verarscht fühlen!

Seine Reaktion war professionell: Während Cristiano Ronaldo unter Applaus, den Tränen seiner Mutter und den Küssen seiner Freundin auf die Bühne kam, um sich seinen heißbegehrten Ballon d'Or abzuholen, klatschte Franck Ribery artig Beifall. Später fragte er: "Was hätte ich noch mehr machen können, als mit Bayern alles zu gewinnen?!" Die bittere Antwort: Er kann nichts machen, so lange die Wahlberechtigten (Nationalmannschafts-Kapitäne, -Trainer und Fachjournatlisten) seine Titel und Erfolge ignorieren.

Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer: "Franck hat nach vorne gearbeitet, nach hinten gearbeitet, er hat alles gemacht. Mehr kann er erstmal nicht tun. Eine Meisterschaft und eine Champions League sind ehrliche Titel." Dazu kamen Triumphe im DFB-Pokal, UEFA-Supercup und bei der Klub-WM. Zwischendurch die Ehrung zu Europas Fußballer des Jahres. Trotzdem reichte es nicht. Mit 1.127 Punkten wurde Ribery hinter Ronaldo (1.365) UND MESSI (1.205) sogar nur Dritter! Genau, hinter dem Barça-Messi, den Ribery und Bayern im CL-Halbfinale mit 4:0 und 3:0 nach allen Regeln der Kunst vorgeführt haben.

 

5 TEAM-TITEL ZÄHLEN NICHTS

Und Ronaldo? Klar, der wurde Torschützenkönig der Champions League. Und sonst so? Ach ja, richtig: das war's schon mit den Erfolgen! CL-Aus im Halbfinale! Final-Niederlage im Pokal gegen Stadtrivale Atlético Madrid! In der Meisterschaft 15 Punkte hinter Erzfeind Barça! Auf der anderen Seite Ribery, der das 1:0 im CL-Finale gegen Dortmund einleitete und den 2:1-Siegtreffer per Hacke vorbereitete. Der die gesamte Saison über die überragende Spieler im überragenden Triple-Team der Bayern war. Zählen Titel plötzlich nichts mehr? Schwer zu glauben, nachdem zum Beispiel 2006 mit Fabio Cannavaro ein Verteidiger Weltfußballer wurde, weil er Kapitän der italienischen Weltmeister-Elf war. Dieser eine – wenn auch größte – Titel reichte, um bei der Wahl Ausnahmekönner wie Ronaldinho oder Zidane auszustechen. Auch wenn der Preis 2010 vom "Weltfußballer des Jahres" zum heute bestehenden "Ballon d'Or" umgewandelt wurde, ging es immer darum, den erfolgreichsten Spieler des Jahres zu küren. Und das muss nach diesem Wahnsinns-Jahr Franck Ribery sein!

 

UEFA-Präsident enttäuscht

Auch Michel Platini, Präsident der UEFA, die den Ballon d'Or bis 2009 an "Europas Fußballer des Jahres" vergab, hat Probleme mit dem Wahlergebnis: "Ich bin wegen Franck Ribery sehr enttäuscht. Auch wenn Ronaldo ein großartiger Weltfußballer ist – es hat sich ein bisschen was geändert, seitdem die FIFA den Preis vergibt: 50 Jahre lang wurde der Ballon d'Or für die Erfolge auf dem Platz vergeben. Jetzt geht es eher um das generelle Können der Spieler – und das ist ein Problem."