So fühlt es sich an, verlassen zu werden

Velassen werden ... ist keine einfache Sache!

Mit gesenktem Kopf steht er im Türrahmen. „Komm rein“.  Jeder Schritt auf dem alten Fischgrätenparkett knarzt laut. „Was zu trinken?“ Ja, sage ich leise. Ich setze mich auf das dunkelbraune, kuschelige Sofa. Das Sofa auf dem wir schon zusammen lagen. Auf dem wir gemeinsam lachten und weinten. Das Sofa auf dem alles begann. Ich nehme einen großen Schluck.

„Weißt du, es ist so...“ Apathisch starre ich an die Wand. „Es tut mir so leid!“ Ich spüre, dass er mich verzweifelt ansieht, aber meine Kraft reicht nicht aus zurück zu gucken. Sofort würde ich weinen. Schier unerträglich erscheinen mir die nächsten Minuten. „Du und Ich, das geht einfach nicht.“ Es rauscht an mir vorbei - genau wie die U-Bahn auf die ich jeden Morgen warte – mit voller Wucht.

Nur leere Worte. Mehr war es nicht. Mein Herz tat weh. Es tat so weh, dass ich dachte es würde gleich auseinander springen. In Tausend kleine Stücke auseinander fallen. Wie ein Glas, das auf dem Boden zerschellt. Erneut nehme ich einen Schluck.

Es fühlt sich so an, als hätte er mir all meine Kraft genommen. In Schockstarre sitze ich auf der Kante des Sofas. Mein Herz pocht schmerzlich fest. Es ist vorbei. Realisieren, kann ich das jetzt noch nicht. Er war der erste Mann, den ich liebte. Der erste Mann, für den ich mich selbst zurück nahm. Alles hätte ich für ihn getan – für uns. Aber es reichte nicht. Nicht für ihn, nicht für mich, nicht für uns. Ein „UNS“ gibt es jetzt nicht mehr, wird es nie wieder geben.

„Hallo?“ Er reißt mich zurück ins Jetzt. „Ja, ist ok“, stammele ich nur. Mehr kann ich jetzt nicht sagen. Ich stelle mein Getränk ab, das ich die letzten Minuten so fest umklammerte, als wolle es mir jemand wegnehmen. Fluchtartig verlasse ich die Wohnung. Er ruft mir noch hinterher, aber ich will nur noch weg. Weg von ihm, weg von UNS!