So fühlt es sich an, seine Familie zum ersten Mal zu treffen!

So war es meine Familie zu treffen
Nach so vielen Jahren war es endlich so weit!

Nein, das hier ist nicht so wie bei der Sendung "Vermisst", in der Kinder nach ihren Eltern - und Mütter und Väter nach ihren verloren gegangenen Kindern suchen. Meine Geschichte ist anders, aber für mich nicht weniger emotional. Denn immer, wenn ich in der Vergangenheit neue Leute kennengelernt habe, fragten die mich relativ schnell, wo GENAU ich herkomme. Meine Antwort: Sachsen-Anhalt! Was soll ich auch sagen, so ist es nun mal. Doch in mir steckt noch mehr, als ein ostdeutsches Mädchen, das behütet und als Einzelkind in einer Kleinstadt aufgewachsen ist. 

 

"Wieso warst Du noch nie dort?"

Meine Mama ist, wie ich, in der Stadt geboren und lernte dort damals meinen Papa kennen, der aufgrund seiner Ausbildung von Afrika (genauer Luanda in Angola) nach Deutschland kam. Die beiden verliebten sich schnell ineinander und die Geschichte nahm ihren Lauf. In unserer näheren Umgebung hatten wir sehr wenige Verwandte und immer wenig Kontakt zu ihnen. Zu meinen engsten Bezugspersonen zählen bis heute meine Eltern und Großeltern. Aus vielen verschiedenen Gründen vermied dieser für mich präsente Teil meiner Familie den Umgang mit anderen Familienmitgliedern (ich kann es teilweise verstehen. . .). 

Auf der Seite meines Vaters sieht das ganz anders aus. Mit eigentlich fünf Brüdern und Schwestern (eigentlich, denn ein Bruder ist bereits verstorben) war die Bude bei ihm immer voll. Bei so vielen Onkels und Tanten nehmen die meisten Menschen auch an, dass ich vermutlich so oft es geht, nach Luanda fliegen und diese besuchen würde. Die Frage, nachdem warum ich noch nie dort war, musste ich, wie Du Dir vorstellen kannst, in den letzten Jahren unglaublich oft beantworten. Doch wenn ich ehrlich bin, gab es keine passende Antwort. Wer will denn nicht seine Oma besuchen? 

 

War ich zu feige? 

Als ich kleiner war, konnten es sich meine Eltern nicht leisten, zu dritt dorthin zu fliegen. Da meine Mom mich aufgrund ihres mütterlichen Beschützer-Instinkts nicht allein mit Papa gehen lassen wollte, ergab es sich nie. Klingt wie eine dumme Ausrede, doch, so war es. Meine Großeltern brauchten zudem jahrelang (leider!), um zu akzeptieren, dass sich ihre Tochter in einen dunkelhäutigen Mann verknallt hatte. Sie waren für die ganze Situation also auch nicht besonders förderlich. Als ich älter wurde, hatte ich (vermutlich aus pubertären Gründen) nie die Lust (und vermutlich auch nicht den Mut) mich dem zu stellen, was mich erwarten könnte. 

Heute, älter und ich möchte behaupten auch klüger als früher, weiß ich endlich, dass die Ängste von damals völlig unbegründet gewesen sind. Natürlich hat sich mein Papa die letzten Jahre nichts sehnlicher gewünscht, als dass ich seine Mama, meine Oma, kennenlerne. Vor Kurzem war es so weit. Nach so vielen Jahren durften sie mich alle endlich in ihre Arme schließen und ich sie in meine. 

 

Alles nur Fremde? 

Als ich jünger war, sagte ich mir auch immer wieder, dass diese Menschen, auf diesem so weit entfernten Kontinent doch eigentlich Fremde für mich sind. Inzwischen schäme ich mich für diese voreilige Einschätzung und kann Dir sagen, dass es sich keine Sekunde so angefühlt hat, als würden sie nicht zu mir gehören. Jeden Einzelnen habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Auch die Stadt in der sie wohnen, hat mir sofort das Gefühl gegeben, als wäre ich schon viele Male dort gewesen. 

Ich kann mich mit ihnen identifzieren und wünschte, ich hätte diese Reise viel früher gemacht! Doch da ich persönlich kein Freund von langem Trübsalblasen und Bereuen bin, sondern gern nach vorn schaue, habe ich mir schon vor Abflug vorgenommen, meine Familie im nächsten Jahr direkt wieder zu besuchen. Natürlich sind meine Großeltern auch schon alt und wirklich wundervolle Menschen. Die Zeit, die ihnen und uns noch bleibt, möchte ich auf keinen Fall verstreichen lassen! 

Und wenn mich das nächste Mal jemand fragt, woher ich komme, werde ich genauer erklären, dass ein Teil von und in mir aus Deutschland kommt, der andere aber aus Angola! (Aber sowas von ...! ;) ) 

 

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