Ronny (17): "Unbekannte haben mich brutal verprügelt!"

Die Polizei ist machtlos! Trotz Überwachungskameras werden immer wieder Leute in öffentlichen Verkehrsmitteln angegriffen.

In der U-Bahn wird er verprügelt. Nur mit viel Glück konnte Ronny (17) sein Leben retten.

Nur noch wenige Meter, dann haben sie ihn! Panisch rennt Ronny durch die Gänge der U-Bahn-Station – die Angreifer hinter ihm her. Dann kriegen sie ihn zu fassen. Ein Jugendlicher hält ihn fest, dreht ihm die Arme auf den Rücken, sodass er sich nicht wehren kann. Die anderen schlagen gnadenlos zu. Ihre Fäuste landen auf dem Kopf des Opfers. Immer wieder, bis das Blut spritzt! Klingt wie eine Szene aus einem brutalen Action-Film.

Doch genau das ist Ronny aus Berlin passiert!

"Ich kam gegen 17 Uhr von der Schule. Als ich aus der U-Bahn stieg, sah ich, dass zwölf Leute eine Freundin von mir

umringt hatten. Sie blutete im Gesicht. Ich hab nicht lang überlegt – lief hin, packte sie am Arm und rannte mit ihr weg."

Es beginnt eine Verfolgungsjagd durch den Bahnhof Rudow. Kurz vor dem Ausgang haben sie die beiden,

und die Gewalt-Orgie bricht los: Während die Schläger das Mädchen nach ein paar Ohrfeigen laufen lassen, erwischt es Ronny schlimmer. Dem 17-Jährigen wird die Nase gebrochen, er hat zahlreiche Blutergüsse und

eine Gehirnerschütterung!

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"Und da hatte ich noch Glück – ich konntemich losreißen und in den nächsten Supermarkt flüchten. Sonst hätten mich die Typen vielleicht totgeschlagen!"

Im Krankenhaus wird ein komplizierter Splitterbruch der Nase festgestellt. Ronny muss unter Vollnarkose operiert werden, seine Nase wird mit einer Metallschiene fixiert. "Die musste ich sechs Wochen lang tragen. Ein ätzendes Gefühl." Doch noch unangenehmer als die Schmerzen sind die Fragen, die Ronny seit dem Überfall quälen: "Warum macht jemand so was?! Ich kannte die doch überhaupt nicht! Und warum hat niemand geholfen? Im Bahnhof waren mindestens 50 Leute. Niemanden hat es interessiert, dass ich zusammengeschlagen wurde. Alle haben es gesehen, aber niemand hat eingegriffen oder die Polizei verständigt. Das schockiert mich."

Der Angriff vor rund einem Jahr hat Spuren hinterlassen, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch: "Ich

wurde depressiv und ging zu einer Psychologin. Ein halbes Jahr lang hab ich meine Wohnung kaum verlassen – aus Angst. Bis heute habe ich Probleme, mit der U-Bahn zu fahren."

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Auch den Schulabschluss im letzten Sommer kann er nicht machen: "Der Wille war da, es ging aber einfach psychisch

nicht. Ich konnte mich überhaupt nicht konzentrieren. Mein Kopf war leer." Doch der HipHop-Fan will nicht länger das Opfer sein – er kämpft sich langsam zurück ins Leben.

"Am 1. März habe ich eine Ausbildung zum Restaurantfachmann begonnen. Das bringt mich auf andere Gedanken.“

Auch Sport tut ihm gut: „Ich spiele gern Fußball. Und wenn ich mal gefrustet bin, lasse ich meinen Ärger am Boxsack raus."

Das passiert vor allem, wenn er an den Überfall denkt. Denn bis heute wurde keiner der Täter verurteilt! "Das

ist mir ein Rätsel. Schließlich haben die Überwachungskameras in der U-Bahn alles gefilmt. Doch die Polizei

hat die Schuldigen immer noch nicht gefunden."

Trotz des Schicksalsschlags blickt er positiv in die Zukunft und engagiert sich gegen Gewalt:

"Ich möchte anderen Gewalt-Opfern helfen. Durch die eigene Erfahrung weiß ich, wie sich so jemand fühlt. Deshalb

mache ich mit bei der Anti-Gewalt-Seite merla.merla.10 auf Facebook. Dort können sich Opfer melden, und wir versuchen, sie zu unterstützen."

Autor: Stefan Weber