Platz 1: Lena, 13, aus Schuttern

Silvester mit Bill von Tokio Hotel!

Discolichter blendeten mich. Der Geruch von Zigarettenrauch und Alkohol stieg in meine Nase. Überall standen, saßen und tanzten strahlende Menschen. Das Stimmengewirr vermischte sich mit der viel zu lauten Musik. Meine Ohren dröhnten. Weg hier! Ich musste unbedingt weg hier! Mit einem Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass ich noch eine Stunde bis Mitternacht hatte. Erst dann musste ich wieder hier sein. Suchend sah ich mich nach meiner Cousine Pia um. Sie saß auf dem Schoss eines mir unbekannten Jungen. Okay, sie würde ohne mich auskommen.

Ich drängte mich durch die tanzende und lachende Menge, vorbei an den Musikboxen nach draußen. Tief atmete ich die klare Nachtluft ein. Wo sollte ich jetzt die nächste Stunde verbringen? Ziellos lief ich die Straße entlang. Es war angenehm ruhig und der Sternenhimmel war über mir klar zu erkennen. Das Einzige, was man ab und zu hörte, waren die Knaller und Raketen von Leuten, die wohl nicht bis Mitternacht warten wollten. Ich entdeckte eine etwas abgelegene Bank und beschloss kurzerhand mich zu setzen.

Allerdings war ich nicht die Einzige, die dies vorhatte. Eine andere Person steuerte ebenfalls auf mein Ziel zu. Meine Schritte verlangsamten sich. Prüfend musterte ich die Gestalt. Es schien sich um einen Jungen zu handeln. Als er mich sah, zögerte er kurz, setzte sich dann allerdings doch. Meinen Blick fest auf den Jungen gerichtet, näherte ich mich langsam der Bank. Warum kam er mir bekannt vor? Abrupt blieb ich stehen. Oh du meine Güte! Natürlich kannte ich die Person! Täglich sah ich sie auf den Postern, die mein ganzes Zimmer zugekleistert hatten. Es war Bill Kaulitz von Tokio Hotel!

Was sollte ich jetzt tun? Mein Herz raste. Sollte ich mich wirklich zu ihm setzen? Klar! Es war wahrscheinlich meine einzige und bestimmt letzte Chance, ihm so nahe zu sein. In meinem Kopf schwirrten 1000 Gedanken. Wie sollte ich mich verhalten? /Was sollte ich sagen? Sollte ich ihn überhaupt ansprechen? Jetzt stand ich direkt vor der Bank. Unsicher setzte ich mich. Oje, ich zitterte ja richtig!

"Hi!", grinste er mich an. "Hallo", entgegnete ich schüchtern. Meine Stimme klang irgendwie fremd. "Alles okay mit dir? Du siehst so bleich aus?" Fragend sah er mich an. "Ja, es ist nur . . . " Oh Mann, musste ich mich so dumm anstellen? "Ich begegne nicht jeden Tag einem Star!" Lächelnd wandte er sich von mir ab und betrachtete den Sternenhimmel. Da ich nicht wusste, was ich sonst machen sollte, lehnte ich mich zurück und blickte ebenfalls in den Himmel. Verdammt, ich musste doch irgendetwas sagen! Aber was?

"Was machst du eigentlich hier?" Etwas Besseres fiel mir in diesem Moment echt nicht ein! "Ich habe ein bisschen Abstand gebraucht. Es war mir einfach zu viel." Ich musste lächeln. Das kannte ich doch irgendwo her! Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, dass Bill sich zu mir wandte. Langsam drehte ich mich zu ihm. "Und du?" Er sah mich mit seinen rehbraunen Augen an. Mit seinen wunderschönen, rehbraunen Augen. Wow! Mein Körper überzog sich mit einer Gänsehaut.

"Ich war bis eben auf einer Party", antwortete ich ohne meinen Blick von seinem makellosen Gesicht zu wenden. Er bog seine perfekt geformten Lippen zu einem Lächeln: "Hattest du auch genug?" Ich nickte. Wieder drehte er sich zum Sternenhimmel. Irgendetwas Besonderes war zwischen uns. Etwas Vertrautes. Es war, als würden wir uns schon ewig kennen. "Darf ich deinen Namen erfahren?", fragte er, nachdem wir uns eine Weile angeschwiegen hatten. "Lena." "Kommst du aus der Gegend?" "Nein. Ich mache hier in Hamburg Urlaub, bei einer Kusine." "Und, gefällt's dir?" "Eigentlich schon. Bis auf die Partys, auf die sie mich immer mitschleift."

Ich spürte seinen Blick auf mir ruhen und drehte mich erneut zu ihm. "Noch wenige Sekunden bis Mitternacht", flüsterte er. Eigentlich hieß das, dass ich mich langsam auf den Rückweg machen sollte, wenn ich nicht wollte, dass Pia sich Sorgen machte. Aber ich konnte nicht. Irgendetwas hielt mich hier bei Bill. Zumal es schließlich eine Ausnahmesituation war. Wie gesagt: Man trifft ja nicht alle Tage einen Star. Irgendwo in der Ferne hörte man eine Kirchenglocke läuten. Dann knallte und zischte es überall. Raketen, wo auch immer man hinsah.

"Happy New Year", lächelte Bill sein verdammt süßes Lächeln. Dann geschah etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte: Bill küsste mich! Ganz plötzlich. Um mich herum verschwamm alles. Die Raketen hörte ich kaum noch. Dafür war es, als löse sich in mir ein Feuerwerk aus. Ich wollte nur noch diese weichen Lippen spüren. Ich wollte ihn spüren, einfach in diesen Lippen versinken. Es war wunderschön. Na, wenn das nicht ein guter Start in 2007 war!!!

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