Nein sagen lernen: Darum ist es wichtig!

Nein sagen lernen

Ich war schon immer der klassische Ja-Sager. Auch wenn ich keine Lust auf bestimmte Dinge hatte, wollte ich nie jemanden irgendwie verletzen oder auf den Schlips treten. Dass es manchmal aber genau die richtige Entscheidung ist, Nein zu sagen, habe ich erst sehr spät gemerkt.

 

Warum kann ich nie Nein sagen?

Es gibt verschiedene Gründe, warum man ungern Nein sagt. Der größte ist wohl die Angst vor den Konsequenzen. Was ist, wenn er/sie mich dann nicht mehr mag? Wirke ich durch ein Nein egoistisch? Es ist natürlich von Fall zu Fall verschieden. Wenn man seinen Freunden nie hilft, gerät man schnell ins Abseits - und das auch nicht ganz zu Unrecht. Immerhin sollten Freunde immer füreinander da sein. Es gibt jedoch Grenzen. 

Das beste Beispiel sind irgendwelche nervigen Aufgaben, die man für einen Freund übernehmen soll. Ich hatte beispielsweise einen Freund in der Schule, der nicht so gut in Englisch war. Selbstverständlich habe ich ihm oft beim Lernen und den Hausaufgaben geholfen (oder ihn abschreiben lassen). Irgendwann kam es jedoch zu dem Punkt, dass es für ihn vollkommen normal war, dass ich mich um alles gekümmert habe. Es lief alles nach dem Motto: "Du machst das schon." 

 

Es ging sogar soweit, dass wir während der Klassenarbeit die Zettel austauschten und ich praktisch in 45 Minuten zwei Arbeiten schreiben musste. Ich habe es also jedes mal riskiert, für ihn eine 6 zu bekommen. Aber wir waren halt Freunde und ich brachte es nie übers Herz, zu ihm Nein zu sagen.

 

So lernte ich Nein zu sagen

Wenn ich mal angedeutet hatte, dass er sich vielleicht nicht immer so krass auf mich verlassen sollte, spielte er stets die Mitleids-Karte und löste in mir Schuldgefühle aus. Ich war mir irgendwann sicher, diesem Teufelskreis nicht mehr entfliehen zu können. Doch dann kam der Wendepunkt. Wir bekamen unsere Klassenarbeiten zurück. Eine 2 stand auf meinem Papier - eine 3+ auf seinem. Er war einer todsicheren 5 entgangen. Ich stellte mich innerlich schon auf eine Lobeshymne für mich ein - doch es kam anders. 

"Warum hast du eine 2 und ich eine 3? Du hast dich für mich gar nicht richtig angestrengt", sagte er zu mir vorwurfsvoll. W-T-F?! Er hatte ein halbes Jahr keinen Finger gerührt, bekam eine 3 anstatt einer 5 praktisch geschenkt und DAS war der Dank?  

Ich hoffte noch einige Sekunden, dass dies nur ein Scherz von ihm war - Fehlanzeige. In diesem Moment wurde mir klar: "Du musst öfter Nein sagen. Wirklich. Dringend." Und so kam es dann auch. Mein Freund musste sich in Zukunft selbst um seine Englisch-Noten kümmern. Er sah später übrigens zwar ein, dass seine Reaktion total kacke war. Aber ich blieb hart: Sobald ich das Gefühl bekam, er braucht nicht wirklich Hilfe, sondern lässt mich gerade wieder für sich arbeiten, war Schluss. Mögliche "Konsequenzen" eines Neins waren mir nun nämlich egal - und das merkte er. 

 

So lernst auch Du leichter Nein zu sagen  

Natürlich muss man sich nicht, so wie ich, bis zu so einem Punkt treiben lassen. Mit ein paar einfachen Tricks fällt es vielen bereits leichter: 

  • Habe keine Angst vor einem Nein! Wenn sich jemand z.B. zum x-ten Mal einen großen Betrag Geld von dir leiht und es nie zurückzahlt: Lehne die nächste Anfrage ab. Frage dich: Wenn er danach abweisend und komisch zu mir ist - seid ihr dann überhaupt wirklich Freunde?
  • Nimm dir Bedenkzeit! Sag ruhig, wenn Du Dir noch nicht sicher bist, ob Du eine bestimmte Sache tun möchtest. Du musst nicht sofort Ja sagen. Nimm Dir die Zeit und wäge ab, ob Du der Bitte nachkommen möchtest. Vielleicht ist es ja auch gar nicht so schlimm?
  • Finde heraus, warum Du nicht Nein sagen kannst! Wenn Du nur Ja sagst, um einem Streit zu entgehen, solltest Du das auf jeden Fall ansprechen. Dein/e Freund/in wird dann vielleicht verstehen, dass er/sie lieber jemand anderen um diesen Gefallen bitten sollte. 

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