Jugendschützer: "eSport nicht gewaltgefährdend"

eSport-Turnier : ''Ein Rapkonzert wirkt aggressiver'', so Fazit des Offenbacher Jugendamts.
eSport-Turnier : ''Ein Rapkonzert wirkt aggressiver'', so Fazit des Offenbacher Jugendamts.

"Ein Rapkonzert wirkt aggressiver", so das Fazit des Offenbacher Jugendamts nach dem Besuch eines eSport-Turniers. Noch vor zwei Wochen hatte das Stuttgarter Bürgermeisteramt die Austragung eines eSport-Turniers untersagt, als Grund wurde der Amoklauf von Winnenden angeführt. Offenbach hingegen wollte die Spiele nicht einfach verbieten, sondern schickte einen Jugendbeauftragten.

"Ich habe hier keine Leute erwartet, die nach Gewalt lechzen", erklärt Michael Koch im Interview mit spiegel.de. Zuvor hatte der Offenbacher Jugendschutzbeauftragte ein großes eSport-Turnier besucht.

Allerdings - und das ist das spannende - hat Koch nicht aus privatem Anlass am Spiele-Turnier "Intel Friday Night Games" teilgenommen, sondern wurde vom Offenbacher Magistrat beauftragt. Bei der Turnierserie "Intel Friday Night Game" treten die besten Teams Deutschlands an und kämpfen in den Disziplinen "Warcraft 3", "Counter-Strike" und "FIFA 09" um die Deutsche Meisterschaft. Eine Liga, von der Struktur her vergleichbar mit der Fußball-Bundesliga.

Und warum das Ganze? Das Stuttgarter "Intel Friday Night Game" wurde nach den tragischen Ereignissen von Winnenden vom Stuttgarter Bürgermeisteramt untersagt. Offenbach hingegen hat sich gegen ein Verbot entschieden, stattdessen schickte das Amt Michael Koch um den Wettbewerb professionell zu begutachten.

So hat Koch beispielsweise die Zuschauer analysiert: Wenn ein Team in "Counter-Strike" den Gegner flankiert und damit besonders schnell ausschaltet, dann bricht die Menge in Beifall aus. "Im Prinzip ist der Applaus ja für ein sportliches Ereignis. Aber auch, weil jemand getötet wird".

Sein abschließendes Fazit zum "Intel Friday Night Game" in Offenbach fällt jedoch positiv aus: Ein überhöhtes Gewaltpotential könne er nicht feststellen.

Offiziell prüfte Koch für den Offenbacher Magistrat die Veranstaltung hinsichtlich des Themas Gewalt. Für ihn steht jedoch eine andere Thematik viel deutlicher im Vordergrund: die Sorge um die Sucht.

"Computerspiele können abhängig machen", so Koch zu spiegel.de. Studien hätten das eindeutig belegt. Anstatt auf den Killerspielen herumzureiten, sollte der Staat sich lieber um die Suchtprävention kümmern.

"Es kann doch nicht sein, das die Bundeszentrale, also der Staat, so eine einseitige Sicht auf Computerspiele hat".

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