Vom Freund geschlagen!

Vom Freund geschlagen! Ergebnisse einer neuen Studie!

Eine neue Studie zeigt, dass viele Jugendliche in einer Beziehung Opfer von Gewalt werden. Hier erfährst Du mehr darüber.

Eine Ohrfeige von dem Menschen, der einen angeblich liebt! Wem das passiert, der ist nicht nur total geschockt und traurig. Er oder sie schämt sich auch dafür und ist oftmals unsicher, was jetzt die richtige Reaktion ist: Verzeihen oder Schluss machen? Schließlich ist doch auch Liebe im Spiel.

Vorher hatte man gedacht, so was passiert nur anderen. Aber solche Erlebnisse kennen viel mehr Jungen und Mädchen aus Beziehungen, als die meisten Menschen sich vorstellen können.

Eine Studie der Hochschule Fulda hat 462 Jungen und Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren aus neun hessischen Schulen nach ihren Erfahrungen mit Gewalt in einer Beziehung befragt, von denen knapp 80 Prozent schon mal einen Partner oder eine Partnerin hatten. Die Ergebnisse sind erschreckend. Hier der Überblick:

Körperliche Gewalt:

Etwas über 10 Prozent der Jungen und Mädchen gaben an, Erfahrungen mit körperlicher Gewalt erlitten zu haben.

Gewalt im Zusammenhang mit Sexualität:

Rund 26 Prozent der Mädchen und knapp 13 Prozent der Jungen haben angegeben, dass sie im Zusammenhang mit Sexualität von ihrem Partner oder ihrer Partnerin dazu gedrängt oder gezwungen wurden, weiter zu gehen, als sie selber es wollten. Mädchen haben dies häufiger erlebt als Jungen und erlebten dies als bedrohlicher.

Psychisch belastendes Überschreiten der Grenzen des anderen:

Nicht immer sind es Schläge, die den Partner treffen. Es gibt auch andere Formen von Gewalt, die psychisch sehr belastend sein können. So berichten gut zwei Drittel der Mädchen und nur etwas weniger Jungen davon, dass sie mindestens eine psychisch sehr belastende Situation in einer Beziehung erlebt haben. Oft ging es dabei um Kontrollverhalten des Partners. Wenn also einer ständig wissen will, was der andere ohne ihn oder sie macht, wer angerufen hat oder gesimst und so weiter.

Jugendliche, die in der Familie (körperliche) Gewalt erlebt haben oder dabei zusehen mussten, wie sie anderen Familienmitgliedern widerfährt, werden häufiger Opfer von Gewalt in einer eigenen Beziehung als Jugendliche ohne diese Vorerfahrung.

Trotzdem, oder gerade weil man den anderen liebt oder geliebt hat, belasten solche Erlebnisse den Betroffenen oder auch die Beziehung erheblich. Schluss machen jedoch längst nicht alle, deren Grenzen von ihrem Freund oder der Freundin überschritten wurden. Nur 36 Prozent der Mädchen und 44 Prozent der Jungen haben nach so einem Vorfall die Beziehung beendet. Das hängt sicher auch mit der Schwere des Vorfalls zusammen. Aber auch Jugendliche, die oft geschlagen werden, trennen sich nicht immer gleich.

Die Scham ist groß, wenn Mädchen oder Jungen Opfer von Gewalt geworden sind. Sie trauen sich kaum, sich jemandem damit anzuvertrauen. Deshalb haben knapp 30 % der Mädchen die Aussage angekreuzt: "Ich habe gedacht, dass es besser wäre, wenn ich nicht mehr da wäre." Denn sie fühlen sich hilflos und allein mit ihrem Erlebten und möchten es am liebten ungeschehen machen.

Natürlich bleibt es auch in anderen Bereichen nicht ohne Folgen, wenn man so ein schreckliches Erlebnis mit sich herumträgt. Konzentrations- und Leistungsstörungen in der Schule sind zum Beispiel eine häufige Auswirkung. Aber auch selbstverletzendes Verhalten oder der Missbrauch von Drogen können verzweifelte Reaktionen auf das Geschehene sein.

Die besten Freunde sind für Betroffene von Gewalt in der Beziehung die Ansprechpartner Nummer eins (Mädchen: 92 %, Jungen: 73 %). Erst mit deutlichem Anstand gaben die Studienteilnehmer an, sich auch Eltern oder Geschwistern anvertrauen zu wollen. Nur knapp zwei von hundert Jugendlichen möchten sich in so einem Fall an eine Beratungsstelle wenden. 16 % der Jungen würden so eine Erfahrung sogar ganz mit sich allein ausmachen wollen. Das kann daran liegen, dass sie weniger schwere Gewalt erleben oder dass Jungen mehr Angst haben, nach so einer Situation als Schwächlinge gesehen zu werden. Dabei kann das jedem passieren – nicht nur Mädchen.

Grenzen setzen:

Gewalt meint nicht nur Schläge. Sie beginnt bereits, wenn persönliche Grenzen überschritten werden. Um unmissverständlich klar zu machen, dass eine Grenze überritten wurde, kann je nach Schwere der Verletzung Schluss machen der einzige Ausweg sein, der immer funktioniert. Sich bedrängen zu lassen und Angst zu entwickeln hat nämlich keine Zukunft. Das gilt auch, wenn er oder sie hoch und heilig verspricht, sich zu ändern.

Sich Freunden anvertrauen:

Natürlich ist es ein erster und erleichternder Schritt, sich einem Menschen von so einem Gewalt-Erlebnis zu erzählen, dem man wirklich vertraut. Und bei Jugendlichen sind das nun mal oft die besten Freunde. Ihr Rat und ihre Unterstützung können sehr hilfreich sein.

Doch wer seine Freunde ins Vertrauen zieht sollte auch bedenken, dass Freunde zwar gute Zuhörer und Vertraute sind. Es kann für sie aber auch sehr belastend sein, wenn Du ihm oder ihr ein wirklich schwerwiegendes Geheimnis anvertraust. Und aus der Situation heraushelfen können sie Dir nur schwer. Auch wenn sie es gern würden.

Professionelle Beratung:

Deshalb kann es für alle Seiten besser sein, wenn sich Betroffene an eine Beratungsstelle wenden. Denn dort kennen sich die Fachleute damit aus, wie es Betroffenen geht und was ihnen wirklich hilft. Sie haben Schweigepflicht und erzählen niemandem davon. Zusammen mit ihnen können Jungen und Mädchen einen Weg finden, wie sie die erlebten Dinge verarbeiten können und sich nicht länger der Gewalt in einer Beziehung aussetzten müssen.

Durchführung der Studie: Hochschule Fulda, Fachbereich Pflege und Gesundheit, Prof. Dr. Beate Blättner, Dr. Petra Brzank und Katharina Liepe