Eure Fragen: Meine Freundin soll verheiratet werden!

Infos zur Zwangsheirat

Was ist Zwangsheirat?

Von Zwangsheirat spricht man, wenn mindestens einer der zukünftigen Ehepartner durch die Anwendung von körperlicher oder psychischer Gewalt zur Ehe gezwungen wird. Häufig werden dazu Frauen aus Deutschland verschleppt oder deren von den Familien bestimmten Ehemänner ins Land geholt. Wenn sich die Mädchen weigern, sind sie Beschimpfungen, Drohungen, Erpressungen und Prügel ausgesetzt. Manchmal werden die Mädchen eingesperrt, im Extremfall sogar im Namen der "Ehre" ermordet.

Warum gibt es Zwangsheirat?

Zwangsheirat hat nichts unmittelbar mit Religion zu tun. Sie ist das Ergebnis alter, von Männern bestimmten Traditionen und Bräuchen. Dabei geht vor allem um finanzielle Aspekte. Die so genannte Familienehre wird dabei als Argument missbraucht, Mädchen und Frauen unter Druck zu setzen. Zum Beispiel durch physische und sexuelle Gewalt, Nötigung durch Drohungen, Einsperren, Entführung, psychischer und sozialer Druck sowie emotionale Erpressung, Einschränkung in Bezug auf Lebensstil und Bewegungsspielraum und andere erniedrigende, entwertende und kontrollierende Handlungen.

Wie viele Fälle von Zwangsheirat gibt es?

Es gibt kaum verlässliche Zahlen über das Ausmaß von Zwangsheirat in Deutschland. Die einzigen konkreten Zahlen liefert eine Untersuchung des Berliner Senats bei über 50 Jugend- und Beratungseinrichtungen: Demnach sind im Jahre 2002 allein in Berlin 230 Fälle von Zwangsverheiratungen aktenkundig geworden.

Das Wohnprojekt Rosa in Stuttgart berichtet, dass monatlich durchschnittlich zehn Mädchen bzw. Frauen wegen Zwangsverheiratung um Schutz nachsuchen. Experten sind sich aber einig, dass die Dunkelziffer sehr viel höher liegt und dass die Fälle von Zwangsheirat zunehmen. Auch aus einer Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums ergibt sich, dass die Zwangsheirat heute ein erhebliches Problem ist.

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