Bulimie: Alles über die gefährliche Essstörung!

Ich will leben! - Erfahrungsbericht einer Bulimie-Kranken

Ich heiße Kathrin, bin 16 Jahre alt und leide seit 2 Jahren an Essstörungen. Ich war schon immer etwas pummelig, hatte anfangs aber keine Probleme mit meinem Gewicht. Angefangen hat alles, als ich dann in die siebte Klasse kam. Jan kam neu zu mir in die Klasse. Ich fand ihn schon von Anfang an toll und verliebte mich schnell in ihn. Er jedoch interessierte sich gar nicht für mich.

Er fing an, mich zu mobben!

Als er aber checkte, dass ich mich in ihn verguckt hatte, fing er an, mich zu mobben. Immer wieder bekam ich blöde Sprüche über meine Figur zu hören. Das Schlimmste war, dass Jan von allen gemocht wurde und sich keiner traute mich zu verteidigen. Anfangs versuchte ich die dummen Kommentare noch abzublocken. Aber es wurde immer schlimmer und machte mich endlos traurig.

Ich hasste meinen Körper!

Ich wollte unbedingt auch so schlank sein wie die anderen! Ich wollte auch mal die Jungs mit meiner Figur beeindrucken! Schon nach kurzer Zeit begann ich eine Diät. Ich versuchte mich nur noch gesund zu ernähren. Ich nahm zwar ab, aber mir ging das zu langsam.

Mit der Scheidung meiner Eltern wurde alles noch schlimmer!

Als sich dann auch noch meine Eltern scheiden ließen, war ich endgültig am Boden zerstört. Ich habe einfach nichts mehr gegessen. Meine Mutter war selbst mit ihren Problemen beschäftigt und ich hatte niemanden mehr. Ich trank nur noch Wasser und außer meinem Frühstücksmüsli nahm ich nichts mehr zu mir. Aber ich wurde belohnt. Die Kilos purzelten! Ich kam in einem richtigen Wahn.

Jedes abgespeckte Kilo spornte mich an, noch weniger zu Essen!

Nach einiger Zeit checkten die Leute um mich herum, dass ich schlanker geworden war. Ich war überglücklich und begann fast gar nichts mehr zu essen. Ich trank nur noch Wasser und aß manchmal nur einen Apfel am Tag. Langsam begannen sich die Leute um mich herum Sorgen zu machen. Ich wurde oft auf meinen Gewichtsverlust angesprochen. Es machte mich zwar stolz, andererseits nervte es mich, dass alle meinten, ich solle meine "Diät" beenden.

Ich war am Boden zerstört!

Tatsächlich nahm ich mir die Worte zu Herzen und begann wieder ein wenig mehr zu essen. Dann aber kam dieser eine Tag. Ich stellte mich auf die Waage und stellte fest, dass ich wieder 1 Kilo zugenommen hatte! Ich war am Boden zerstört und erbrach alles, was ich an dem Tag zu mir genommen hatte. Wie konnte das nur passieren? Ich hasste mich dafür! Warum war ich so undiszipliniert?

Nun begann der Teufelskreis der Bulimie!

Vor den anderen aß ich ganz normal meine Mahlzeiten. Sobald ich jedoch alleine war, steckte ich mir den Finger in den Hals und würgte so lange, bis alles wieder draußen war. Meinen mageren Körper versteckte ich unter weiten Pullis und Hosen. Ich wollte nicht, dass die anderen ihre Kommentare abgeben. Auch wenn alle sagten, sie fänden mich zu dünn, ICH fand mich immer noch viel zu fett!

Nach einigen Monaten wog ich nur noch 39 Kilo!

Mein Körper wurde immer schwächer, meine Tage blieben aus. Sogar meine Haare gingen mir büschelweise aus. Meine Mutter machte sich schon große Sorgen um mich. Mein ganzer Tag drehte sich nur ums Essen und wie ich es heimlich wieder aus mir herauskotzen konnte. Aber irgendwann machte mein Körper nicht mehr mit. Mir war nur noch schwindelig, mein Kreislauf klappte zusammen.

Meine Mutter überzeugte mich, zu einer Beratungsstelle zu gehen!

So langsam dämmerte mir, dass das, was ich machte, nicht in Ordnung war. Ich redete lange mit meiner Mutter über das Thema. Sie überzeugte mich, mal ein Beratungszentrum für Essgestörte Menschen zu besuchen. Auch wenn sich alles in mir dagegen sträubte, überwand ich meine Angst und ging dort hin. Ich wurde sehr nett empfangen, unterhielt mich mit einer Psychologin. Sie hörte mir zu, drängte mich zu nichts.

Langsam begann ich eine Gesprächs-Therapie!

Es tut mir gut, mich auch mal mit Mädchen zu unterhalten, die genauso krank sind wie ich. Aber trotzdem weiß ich nicht, ob ich meine Therapie durchhalten kann.

Immer noch drehen sich meine Gedanken nur ums Abnehmen!

Nächste Woche beginne ich eine weitere Therapie in einem Haus, speziell für essgestörte Mädchen. Dort soll ich lernen, wieder gesund und normal zu essen. Ich habe große Angst davor.

Ich will leben!

Aber ich weiß auch, dass ich so nicht weiter machen kann. Meine Krankheit ist lebensgefährlich! Meine Ärzte sagen, wenn ich so weitermache, werde ich sterben. Aber ich will leben!

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