Bulimie: Alle Infos über diese Essstörung!

Betroffene nennen ihre Essanfälle auch Fressattacken!
Betroffene nennen ihre Essanfälle auch Fressattacken!

Bulimie gehört wie Magersucht oder die Binge-Eating-Disorder zu den sogenannten Essstörungen. Von Bulimie Betroffene haben   Heißhungerattacken, bei denen sie die Kontrolle über ihr Verhalten verlieren und ihr Sättigungsgefühl verlieren. Hinterher bereuen sie es, schämen sich für ihr Verhalten oder ekeln sich vor sich und ihrem Körper. Um das viele Essen und die Kalorien wieder loszuwerden,  versuchen viele, das Essen wieder zu erbrechen. Daher wird diese Essstörung auch Ess-Brech-Sucht genannt.

Hier erfährst du, wie sich Bulimie zeigt, was du selbst dagegen tun kannst und wo du Hilfe bekommst. Plus: Tipps für Angehörige und Freunde!

 

Woran erkenne ich eine Bulimie?

Aus medizinischer Sicht handelt es sich um eine Bulimie, wenn während Heißhungerattacken große Mengen an Essen verzehrt werden und dies mindestens zwei Mal in der Woche über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten vorkommt. Die Abstände zwischen den Essattacken können unterschiedlich sein.

Dauernd selbst Erbrechen herbeizuführen ist sehr quälend für Betroffene!
Dauernd selbst Erbrechen herbeizuführen ist sehr quälend für Betroffene!

Teil der Krankheit sind alle Versuche, dieses ungesunde Essverhalten Verhalten zu regulieren: Wie zum Beispiel durch absichtlich herbeigeführtes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, krasse Diäten und Hungern aber auch extremer Sport. Nicht alle Bulimiker erbrechen sich.

Das Äußere lässt nicht sicher auf die Erkrankung schließen. Viele Erkrankte sind normalgewichtig, einige jedoch auch unter- oder übergewichtig. Viele leiden - ähnlich wie Magersüchtige - an einer gestörten Wahrnehmung des eigenen Körpers. Deshalb fühlen sie sich vielleicht zu dick, obwohl sie es nicht sind oder sie haben große Angst vor einer Gewichtszunahme.

 

Wer ist am häufigsten betroffen?

Über 90 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Es leiden aber auch zunehmend Männer unter dieser Essstörung. Der Krankheitsverlauf beginnt oft zwischen dem 17 und 18ten Lebensjahr. Einige der Betroffenen waren vorher schon an Magersucht erkrankt.

Gefährdet sind vor allem Menschen, die ein Hobby oder einen Beruf haben, der extremes Schlanksein erfordert wie zum Beispiel bei Tänzerinnen und Models. Die Krankheit trifft aber auch Menschen, die in einer leistungsorientieren und auf Äußerlichkeiten fixierten Umgebung leben oder arbeiten.

 

Welche Folgen kann die Krankheit haben?

Das unausgewogene Essen geht nicht spurlos am Körper vorüber und auch das Erbrechen führt im Körper zu ernsthaften Mangelerscheinungen und Schädigungen.

Körperliche Folgen: 

Die möglichen Folgen: Schlafstörungen, Herzrhythmusstörungen, Neigung zu Verkrampfungen und schnelle Ermüdbarkeit der Muskulatur, Schädigung der Nieren und Nervenschädigungen. Auch häufig, vor allem bei Erkrankten mit größeren Gewichtsschwankungen: Menstruationsstörungen mit schwachen oder seltenen Blutungen. Auf Dauer nimmt auch die Konzentrationsfähigkeit ebenso wie die allgemeine Leistungsfähigkeit ab.

Häufig wird die Haut trocken und die Haare fallen aus. Die Fingernägel werden spröde und können ihre Form verändern. Es kann zu schweren Störungen des Knochenstoffwechsels kommen, der jahrelange Beschwerden nach sich ziehen kann.

 

Der obere Verschluss des Magens hin zu Speiseröhre kann durch regelmäßige Heißhungeranfälle mit anschließendem Erbrechen in seiner Funktion beeinträchtigt werden. Mögliche Folgen: Die so genannte Refluxkrankheit mit Sodbrennen und Entzündungen der Speiseröhre aufgrund der zurückfließenden Magensäure. Viele leiden auch unter Verstopfung oder anderen Magen-Darm-Problemen.

Bei andauerndem Stress und vermehrter Magensäure kann es zur Bildung von Geschwüren kommen. Durch ständiges Erbrechen werden die Zähne von der Magensäure geschädigt.

Seelische Folgen:

Bulimie (Ess-Brech-Sucht) ist meist eine heimliche Krankheit. Im Gegensatz zur Magersucht leben die Betroffenen nach außen angepasst, nehmen am gesellschaftlichen Leben teil und haben auch sexuelle Beziehungen. Sie leiden jedoch unter heftigen Schuld- und Schamgefühlen, die zu Depressionen führen können. Meist sind sich die Betroffenen durchaus bewusst, dass mit ihnen "etwas nicht stimmt", tun aber alles, um nach außen nicht aufzufallen. Auch das stresst die Seele.

 

Was sind die Ursachen?

Die Ursachen der Bulimie sind noch nicht endgültig geklärt. Es scheint sich aber um eine Kombination von körperlichen, seelischen und sozialen Faktoren zu handeln.

Körperbild: Bei einigen Mädchen geht der Essstörung eine sogenannte Körperschemastörung voraus. Das heißt, der eigene Körper wird trotz Normal- oder Untergewicht als zu dick empfunden. Es fällt den betroffenen jungen Frauen schwer, eine positive Haltung zu ihrer Weiblichkeit zu entwickeln. Das heißt, sie fühlen sich in ihrer Rolle als Frau nicht wirklich wohl und akzeptieren ihren Körper nicht so, wie er ist.

Scham und Ekel vor dem eigegen Körper liegen Betroffenen auf der Seele!
Scham und Ekel vor dem eigegen Körper liegen Betroffenen auf der Seele!

Unvereinbare Ansprüche: Oft wird die eigene Persönlichkeit als gespalten erlebt zwischen den Extremen "wie ich sein will" auf der einen und "wie ich bin" auf der anderen Seite. Der Konflikt zwischen perfektionistischem Anspruch an sich selbst und Versagensängsten führt zu großer innerer Anspannung, für deren Abbau Betroffene noch keine gesunde Lösung gefunden haben.

Familiäres Belastungen: In den Herkunftsfamilien der Bulimie-Kranken steht häufig der Leistungsgedanke im Vordergrund. Gefühle werden übermäßig  kontrolliert und unterdrückt. Konflikte werden oft nicht offen ausgetragen. Die Betroffenen bekommen zu wenig Unterstützung um ihre Probleme zu bewältigen. Gefährdet sind auch Menschen, in deren Familien Suchtverhalten schon bei anderen Familienmitgliedern eine Rolle gespielt hat.

Oft beginnt die Krankheit mit einer Ernährungsumstellung. So wird manchmal leicht übergewichtigen jungen Frauen von der Familie oder Ärzten eine Diät empfohlen. Missglücken aber eine oder mehrere Diäten, kann sich daraus schnell ein Teufelskreis von Hungern, Essanfällen und Erbrechen ergeben.

Neurologische Störungen: Hier sind vor allem die das Sättigungsgefühl beeinflussenden Störungen (Störungen der Serotonin-vermittelten Signalübertragung im Gehirn) zu nennen.

Erbfaktoren: Zusätzlich scheint es genetische Ursachen zu geben. Darauf weisen verschiedene Untersuchungen hin. Vermutet wird, dass es bei Essstörungen genetische Einflüsse gibt, die denen bei Angsterkrankungen und Depressionen ähneln.

 

Hier gibt es Hilfe:

Es gibt mittlerweile ganz viele Beratungsstellen für junge Menschen mit Essstörungen. Schau Dir an, welches Angebot Dir am besten gefällt. Es gibt Mail-Beratungen, Telefon-Beratung, persönliche Gesprächsangebote oder Gruppen und auch Kliniken und andere Einrichtungen, in denen eine neue Lebensweise gelernt wird. Mit einer Essstörung kannst Du Dich übrigens auch immer an eine Psychiatrie für Kinder und Jugendliche wenden. Denn dort sind Ärzte, die gleichzeitig eine therapeutische Ausbildung haben. Eine hilfreiche Mischung für Dich. Von vielen Einrichtungen wird übrigens auch Hilfe für Angehörige angeboten.

Hier eine kleine Auswahl:

Der Dajeb Beratungsstellenführer

Kabera e.V.

ANAD e.V.

Cinderella

 

Deine Freundin ist betroffen?

Du befürchtest, dass eine Freundin von Bulimie betroffen ist und möchtest ihr helfen? Hier ist Fingerspitzengefühl angesagt. Denn Betroffene schämen sich meist sehr für ihr Verhalten! Du kannst jedoch einiges tun, ihr zuhören oder auch Mut machen, sich in professionelle Hände zu begeben.

Biete deine Unterstützung an und zeige deiner Freundin/deinem Freund, dass du an Gesprächen mit ihr/ihm interessiert bist. Mache ihm/ihr das Angebot, gemeinsam zu einer Beratungsstelle zu gehen. Ermutige deine Freundin/deinen Freund, einen Arzt aufzusuchen. Möchte deine Freundin/dein Freund eine Therapie beginnen, unterstütze sie/ihn! Hör ihr/ihm zu und sei für sie/ihn da. Hilf deiner Freundin/deinem Freund, nach einer geeigneten Beratungsstelle oder Klinik zu suchen! Wenn Du das tust, hast Du schon viel für sie getan. Ab dann muss sie selber ihren Weg gehen.

Steh Deiner Freundin zur Seite!
Steh Deiner Freundin zur Seite!

Lehnt sie Hilfe ab, lass sie nicht fallen und sei nicht sauer auf sie. Bleibe für sie weiter die gute Freundin, die Du bisher warts und versuche, so normale Dinge wir früher mit ihr zu machen und nicht ständig über ihre Krankheit zu reden. Wann und ob sie sich Hilfe holt, muss sie ganz allein bzw. zusammen mit ihren Eltern entscheiden.

Denke auch an Dich!
Möglicherweise sind die Sorgen Deiner Freundin für Dich auf Dauer zu belastend. Dann ist es wichtig, dass Du auch an Deine eigene seelische Gesundheit denkst. Wenn es Dir zu viel wird, sag ihr: "Ich helfe Dir, so viel ich es kann. Doch manche Dinge musst Du wirklich mit jemand anderem besprechen, der Dir richtig professionell helfen kann. Ein Arzt oder Psychologe zum Beispiel."