Zum Jahrestag von Fukushima: Naoto Matsumura lebt in der Sperrzone

Naoto Matsumura
Naoto Matsumura (53) lebt in Tomioka, obwohl die Gegend radioaktiv belastet ist.

Die Dreifach-Katastrophe suchte Japan am 11. März 2011 heim. Die Tohoku-Region erlebte erst ein Erdbeben, einen Tsunami und dann das defekte Atomkraftwerk. Auch heute leben noch viele Japaner, deren Zuhause durch die Katastrophe unbewohnbar wurde, in Not-Unterkünften. Diese waren mit ihren 30 Quadratmetern nur für zwei Jahre ausgelegt. Jetzt  sind es vier Jahre. Ein neues Zuhause? Noch nicht gefunden. Die vielen alten Bewohner würden am liebsten "nach Hause" zurück. Doch dies ist nicht so einfach möglich.

Einige Gegenden in Japan wurden stark radioaktiv verseucht und deswegen zur "Sperrzone" erklärt. In manchen Regionen darf niemand mehr wohnen. Wie in Tomioka, knapp 13 Kilometer vom Fukushima Dai-Ichi Atomkraftwerk entfernt. Heute ist es eine Geisterstadt. Alle sind sind weg - evakuiert.

Doch Naoto Matsumura ist geblieben. Und bei ihm sind die Tiere, die von ihren Besitzern auf der Flucht vor der Radioaktivität zurückgelassen wurden. Seit 2012 darf er auch offiziel hier leben. 

"Ich habe gearbeitet, als das Erdbeben kam, und wir haben im Radio gehört, dass ein Tsunami kommt. Deswegen haben wir gewartet, bis wir nach Hause gefahren sind. Dann haben wir eine Explosion im Atomkraftwerk gehört. Niemand musste mir sagen, was das bedeutet. Die Explosion war enorm!", erzählte Naoto Matsumura von seinen Erlebnissen am 11. März 2011. Seine Frau hatte ihn bereits vor Jahren mit den Kindern verlassen, er lebte zusammen mit seinen Eltern.

Weil die Familie evakuiert wurde, mussten sie und auch die anderen Bewohner von Tomioka alles zurücklassen. Auch die Haustiere.  Die Ärzte sagten zu Naoto: "Sie sind der am meisten verstrahlte Mensch in Japan. Aber krank werden Sie erst in 30, 40 Jahren."  Verwandte wollten ihn nicht aufnehmen, er sei zu verstrahlt!

 

Also kehrte Matsumara in sein Haus in der Sperrzone zurück. Die Strahlung sorgt ihn nicht.

Seine Aufgabe: sich um die Tiere kümmern!  Er sorgt für alle Tiere der Nachbarschaft: Hunde, Katzen, Kühe, Schweine, Enten und sogar ein Straußen-Pärchen. Diese Tiere wurden nach der Katastrophe von ihren Besitzern zurückgelassen, doch jetzt hat Matsumara ein Auge auf die Tiere. Er erzählt: "Mir wird nicht langweilig. Ich bin es schon gewöhnt und außerdem, sind hier ja viele Tiere. Ich bin nie wirklich allein."

Im Ausland ist seine Geschichte mittlerweile sehr bekannt - ein Youtube-Film half dabei. Viele Menschen spenden Geld, damit er den Tieren Futter kaufen kann. Auch Besuch bekommt er hin und wieder, aber nie lange. Alle haben Angst vor der Strahlung. Strom und fließend Wasser gibt es in seinem Haus auch nicht. Um Essen zu kaufen, muss er die Sperrzone verlassen, meistens holt er sich Konserven.