Ritzen, Selbstverletzung, SVV! Infos, Tipps und Hilfen gegen selbstverletzendes Verhalten!

Ritzen ist keine Lösung für Probleme!
Ritzen ist keine Lösung für Probleme!

Schneiden bis das Blut fließt! Immer mehr Jugendliche tun sich das beim sogenannten „Ritzen“ selber an. Das heißt, sie schneiden sich mit scharfen Gegenständen absichtlich in die Haut. Doch es gibt auch noch andere Formen des selbstverletzenden Verhaltens (Abkürzung: SVV). Hier erfährst Du, warum sich Jugendliche selbst verletzen, was hilft und wieso es so schwierig ist, damit aufzuhören. Außerdem bekommst Du Tipps, wo Du selbst Hilfe bekommst, wenn Du betroffen bist, und was Du für betroffene Freunde tun kannst.

 

Ritzen ist die häufigste Form von Selbstverletzung, bei der die Betroffenen sich selbst mit scharfen Gegenständen wie Rasierklingen, Messern oder Scherben vor allem an Armen, Beinen oder in den Bauch schneiden.

Es gibt aber auch noch andere Formen von SVV, wie z.B. sich mit einer Zigarette oder dem Bügeleisen Wunden in den Arm brennen, die angeschaltete Herdplatte anfassen, den Kopf gegen die Wand schlagen oder sich selbst beißen. Manche verletzen sich nur oberflächlich und an gut sichtbaren Stellen, andere schneiden sich richtig tief, so dass die Wunden manchmal sogar genäht werden müssen und sichtbare Narben zurückbleiben.

Warum machen das einige?

Jugendliche verletzen sich aus den verschiedensten Gründen selbst. Meistens führt ein enorm belastendes Problem oder Ereignis zu selbstverletzenden Handlungen. So kann zum Beispiel Ärger in der Familie, der Schule oder im Freundeskreis dazu führen, dass Jugendliche sich ritzen.

Jeder Schnitt hinterlässt bleibende Narben!
Jeder Schnitt hinterlässt bleibende Narben!

Oft haben Betroffene Gefühle wie Wut, Schuld, Trauer, Angst oder Scham und verspüren deshalb einen Druck, den sie nicht auf eine gesunde Weise abbauen können. Durch den Schmerz beim Ritzen, versuchen sie, sich für einen Moment von dem seelischen Schmerz abzulenken. Viele Betroffene sagen auch, sie ritzen sich, um sich selbst wieder zu spüren. Dabei ist es nur ein kurzer Moment, in dem alles anders zu sein scheint. Danach kommt alles wieder. Und die Verletzungen, das schlechte Gewissen und die Narben machen alles nur noch schlimmer.

Kann das wirklich süchtig machen?

Die Gefahr ist groß. Denn bei fast allen Betroffenen tritt durch die Selbstverletzung ein kurzfristiges Gefühl der Entlastung ein, das Betroffene auf keine andere Weise so schnell herstellen können. Es ist unglaublich schwierig damit aufzuhören, wenn man keine gesunde Alternative zur Entlastung und zum Abbau von Frust und Stress kennt oder seine Probleme einfach nicht allein lösen kann.

Wie kommt man davon los?

Es gibt Jugendliche, die selbst davon wegkommen, andere schaffen es aber nur mit einer Therapie. Wie man davon loskommt, hängt sicher auch von der Schwere des Problems ab, wegen dem jemand mit dem Ritzen angefangen hat.

Stehen hinter dem selbstverletzenden Verhalten sehr belastende Probleme - zum Beispiel in der Familie oder in der Liebesbeziehung – kann eine Therapie sehr hilfreich sein. Dort bekommen Klienten Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Probleme. Und sie lernen, wie sie Stress und Druck abbauen können, ohne sich selber zu schaden.

Einige Jugendliche, die sich ritzen, leiden an einer sogenannten Borderline-Persönlichkeitsstörung. Das ist eine ernsthafte psychische Erkrankung. Sie zeichnet sich unter anderem durch wechselhafte Stimmungen, schwierige zwischenmenschliche Beziehungen und selbstverletzendes Verhalten aus. Es gibt unter den Erkrankten  sogar einige, die sich an den Brüsten und Genitalien verletzen. Da hier sehr belastende Erlebnisse aus der Vergangenheit eine große Rolle spielen, ist bei dieser Krankheit besonders wichtig, sich in erfahrene therapeutische Hände zu begeben. Zum Beispiel in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, wo die Fachleute viel Erfahrung mit dem Thema haben.  

Wie viele Menschen verletzen sich selbst?

Genaue Zahlen, wie viele Jugendliche sich in Deutschland selbst verletzen gibt es nicht. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass sich ungefähr 5mal so viele Mädchen wie Jungen selbst verletzen. Das lässt sich unter anderem damit erklären, dass Jungen ihren Frust oftmals besser nach außen tragen können. Mädchen hingegen neigen dazu, ihre Aggressionen in sich hineinzufressen. Das kann dann zu selbstverletzendem Verhalten führen.

Das Dr.-Sommer-Team bekommt seit vielen Jahren immer wieder Hilferufe von Betroffenen, die mit dem Ritzen aufhören wollen oder Freunden helfen wollen, davon loszukommen! Deshalb wollten wir wissen, welche Rolle das Thema Ritzen bei den Usern spielt?

Das Ergebnis ist erschreckend. Tausende Jugendliche ritzen sich oder haben sich geritzt und viele haben sich deswegen schon professionelle Hilfe geholt. Das sollte eine Warnung für alle sein, die mit dem Gedanken spielen, selbst einmal zur Klinge zu greifen.

 

Umfrage-Ergebnisse!

 

Wunden müssen desinfiziert und medizinisch richtig versorgt werden!
Wunden müssen desinfiziert und medizinisch richtig versorgt werden!

 

So kannst Du einem/r Freund/in helfen!

Wenn Du eine Freundin/ einen Freund hast, die/der sich selbst verletzt, sprich sie/ihn direkt darauf an. Wenn die Person nicht darüber sprechen möchte, musst Du das akzeptieren! Vielleicht braucht sie noch etwas Zeit und möchte zu einem späteren Zeitpunkt mit dir reden oder sich lieber jemand anderem anvertrauen.

Sich jemandem anvertrauen kann sehr entlastend sein!
Sich jemandem anzuvertrauen kann sehr entlastend sein!

Zeige, dass Du für sie oder ihn da bist und dass Du das Ritzen ernst nimmt. Biete deiner Freundin oder Deinem Freund Deine Hilfe bei der Suche nach Psychotherapeuten oder Ärzten an! Wenn sie oder er möchte, kannst Du sie oder ihn auch zu einer Beratungsstelle begleiten! Du brauchst sehr viel Geduld im Umgang mit Personen, die sich selbst verletzen!

Wichtig ist auch, sich klar zu machen, dass man seiner Freundin oder seinem Freund erst helfen kann, wenn sie oder er es selbst will! Und den Therapeuten kannst Du einem Freund nicht ersetzen. Aber Du kannst zu ihm halten. Das ist schon viel Wert.

 

Hilfe für Betroffene!

Wenn Du selbst betroffen bist, solltest Du Dich unbedingt jemandem anvertrauen und Dir professionelle Hilfe suchen. Wie Du an der BRAVO-Umfrage oben siehst, haben das schon viele Jungen und Mädchen getan, die allein nicht weiter wussten.

Über folgende Links kannst Du Adressen von Beratungsstellen und Therapeuten in Deiner Nähe herausfinden.

Beratungsangebote für Jugendliche:
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung
Bundeskonferenz für Erziehungsberatung
Therapeutensuche
Telefonseelsorge

 

Erste Hilfe - wenn Du Dich wieder ritzen willst!

 

Hilfen gibt es bundesweit, anonym und kostenlos
Hilfen gibt es bundesweit, anonym und kostenlos

Wichtig: Wenn Du Dich regelmäßig selbst verletzt brauchst Du unbedingt professionelle Hilfe! Wende Dich an eine Jugendberatungsstelle in Deiner Nähe! Dort bekommst Du Unterstützung.

Das kannst du sofort tun:

» Atme tief durch!
» Hör Musik, die Dich beruhigt!
» Geh spazieren!
» Schreib Deine Gefühle in ein Tagebuch!
» Nimm ein Bad oder geh duschen!
» Ruf Deinen besten Freund / Deine beste Freundin an oder besuch sie!
» Ruf einen Therapeuten oder die Telefon-Seelsorge an!

Das kannst du machen, anstatt dich zu verletzen:

» Nimm einen Eiswürfel in die Hand und drück fest zu. Das macht keine Wunden!
» Lass ein Gummi-Armband auf deine Haut schnalzen!
» Mal dir rote Striche mit wasserlöslichen Filzstiften auf die Haut!
» Massier die Stelle, die Du verletzen wolltest, mit einer feinen Lotion!
» Wenn Du eigentlich wütend bist, schlag auf Dein Bett oder die Matratze ein!
» Such Dir eine Stelle im Freien, wo Du ungestört brüllen kannst!
» Stich mit einem Schraubenzieher auf ein Stück Holz ein!
» Mal ein Bild von demjenigen, der die eigentliche Ursache Deiner Wut ist!

Diese Tipps können Dir nur im ersten Augenblick helfen. Sie ersetzen nicht die therapeutische Hilfe, die Du brauchst!

 

 

Wie komme ich vom Ritzen los?

Mit Sorgen muss niemand allein bleiben!
Mit Sorgen muss niemand allein bleiben!

Julika, 14: Ich hab vor ungefähr einem Jahr angefangen, mich manchmal zu ritzen. Warum, weiß ich gar nicht mehr so genau. Mit der Zeit ist es dann immer mehr geworden. Meistens ritze ich mich, wenn ich schlechte Laune habe und mich nicht gut fühle. Ich hab schon so oft versucht, damit aufzuhören, weil ich nicht noch mehr Narben haben will. Aber ich schaff das einfach nicht. Könnt Ihr mir helfen, davon loszukommen?

DR.-SOMMER-TEAM: Wende Dich an eine Jugendberatungsstelle!

Den ersten und wichtigsten Schritt hast Du schon geschafft, liebe Julika: Du bleibst nicht länger allein mit Deinem Problem und holst Dir Unterstützung. Das ist gut, denn so, wie es aussieht, hast Du bereits ein typisches Suchtverhalten entwickelt: Obwohl Du die Gefahren kennst und Dich gar nicht verletzen willst, tust Du es trotzdem. Vermutlich aus dem gleichen Grund wie die meisten Betroffenen: Der Schmerz soll Dich von der Wut, der Trauer oder Angst ablenken, die Du in jenem Moment empfindest, nicht wahr?

Deshalb lautet auch die Lösung: Lerne, anders zu reagieren, wenn Du Dich schlecht fühlst. Überlege Dir erst mal einen "Notfallplan" und schreibe alles auf, was Dich in stressigen Situationen entspannen und vom Ritzen abhalten könnte. Zum Beispiel ein Telefonat mit der besten Freundin, eine Runde Joggen, in ein Kissen boxen . . .

Wende Dich außerdem an eine Jugendberatungsstelle in Deiner Nähe. Die Beratung ist kostenlos und anonym. Entsprechende Adressen findest Du im Telefonbuch oder im Internet auf www.dajeb.de!

Dein Dr. Sommer-Team

Hinweis: Das Foto zur Userfrage ist nachhgestellt und zeigt nicht Julika.

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