Dein Coming-Out!

Es befreit, wenn Freunde und Familie bescheid wissen!
Es befreit, wenn Freunde und Familie bescheid wissen!

Das Coming-Out: So nennt man den Moment oder auch die Phase, in der Schwule/Lesben anderen von ihrer Homosexualität erzählen können. Und das ist für viele schwule und lesbische Jugendliche immer noch schwer.

Zwar gibt es immer weniger Leute, die Vorurteile gegen Homosexuelle haben oder krass auf sie reagieren. Aber es ist trotzdem oft noch schwer, sich den anderen als schwul oder lesbisch zu outen – denn Deine Mitmenschen haben sich vermutlich ein ganz anderes Bild von Dir gemacht. Oft braucht es Mut und Selbstbewusstsein, anderen davon zu erzählen. Wer sich allerdings endlich traut, ist fast immer erleichtert, stolz und froh.

Wo sollst Du damit anfangen, anderen zu erzählen, dass Du schwul/lesbisch bist? Und wie genau sollst Du es machen? Hier findest Du Tipps!

Wer es zuerst erfahren sollte?

Gerade wenn Du Dir unsicher bist, wie Deine Eltern reagieren – oute Dich erst mal woanders, wo es einfacher ist: bei Menschen, die Erfahrung damit haben und aufgeschlossen gegenüber Schwulen/Lesben sind. Zum Beispiel bei der lesbischen Tante oder dem schwulen Cousin. Oder bei einer Freundin, die einen schwulen Bruder hat. Auch ein Vertrauenslehrer in der Schule könnte der passende Ansprechpartner für Dich sein, wenn Du ihm/ihr vertraust.

So kriegst Du mit, wie andere Leute reagieren, und wie es sich für Dich anfühlt zu sagen "Ich bin schwul" oder "Ich bin lesbisch" oder "Ich stehe auf Frauen/Männer". So hast Du dann auch gleich die erste Person, die Dich unterstützt, wenn es darum geht, denen davon zu erzählen, vor denen es Dir besonders schwer fällt.

Es den Eltern erzählen. . .!

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Für die meisten Schwulen und Lesben ist es am schwierigsten, sich den Eltern zu outen. Manchmal ist es gar nicht nötig, denn die Eltern haben vielleicht schon etwas mitbekommen. Viele Mütter und auch die Väter haben ein Gefühl dafür, dass in ihrem Kind etwas los ist. In anderen Fällen fallen sie aus allen Wolken und sind erst mal erschüttert. Klar: Sie haben ein Bild, was ihr Kind so für ein Leben haben sollte – und dann ist es erst mal gewöhnungsbedürftig, zu sehen, dass ihr Kind diesem Bild vielleicht nicht entspricht.

Auf jeden Fall ist es gut, wenn die Eltern es wissen. Sie waren bei Deinem Leben von Anfang an dabei, sie haben Dich gewickelt und gefüttert, Dir die Tränen getrocknet und sich über Dein Lachen gefreut. Wenn Du ihnen sagst, dass Du ihre Unterstützung brauchst, werden sie Dich auch hier nicht allein lassen.

Lass anderen Zeit, dich zu verstehen!

Erwarte jedoch nicht, dass dir alle sofort um den Hals fallen, wenn du dich outest. Viele Eltern machen sich anfangs erstmal Vorwürfe und fragen sich, was sie bei deiner Erziehung falsch gemacht haben. Andere haben einfach nur Angst vor den Reaktionen der Nachbarn, Verwandten und Kollegen.

So wie du selbst Zeit gebraucht hast, um deine Homosexualität zu erkennen und anzunehmen, brauchen sie Zeit, um die Wahrheit zu verstehen und zu akzeptieren.

Der richtige Zeitpunkt!

Das Gute ist: Meist kannst Du den Zeitpunkt des Coming-Outs wählen. Es ist besser, es den Eltern positiv zu präsentieren – am besten, wenn Du frisch verliebt bist. "Mir geht es super, ich bin schwul!", ist auch für Dich viel besser als ein "Alles ist scheiße. Ich bin schwul!"

Manche Eltern machen eh kein Drama draus – wenn sie schwule oder lesbische Bekannte haben, wenn es bei Euch zuhause ein normales Thema ist. Und wenn sie noch etwas Zeit brauchen, um sich an die neue Situation zu gewöhnen, bleib geduldig: Du hast ja auch eine Weile gebraucht, bis es sich für Dich richtig angefühlt hat.

Mach dich mit den Fakten über Homo- und Bisexualität vertraut!

Bevor du anderen sagst, dass du lesbisch, schwul oder bi bist, solltest du dir über folgende Facts klar werden:
•    Schwul, lesbisch oder bisexuell zu sein ist weder krank, noch pervers, weder gut noch schlecht - Es ist einfach so!
•    Niemand kann zur Homo- oder Bisexualität gedrängt oder erzogen werden!
•    Genauso wenig kann man sich Homosexualität "abtrainieren"!
•    Jeder Mensch ist wie er ist! Niemand sucht sich seine sexuelle Orientierung aus!
•    Schwul, lesbisch oder bisexuell zu sein, ist keine Seltenheit. Etwa jeder zehnte Mensch ist homo- oder bisexuell.

Sprich mit anderen Homo- oder Bisexuellen!

Vor dir haben sich schon viele geoutet. Sie kennen deine Angst vor der Reaktion der anderen aus eigener Erfahrung. Diese Erfahrungen können dir nützlich sein.
Deshalb: Such den Kontakt zu anderen Schwulen, Lesben oder Bisexuellen! Am einfachsten geht das übers Internet. Dort bieten Schwulen- oder Lesbengruppen kostenlos und anonym Infos und Beratung an. Und du bekommst Tipps und Unterstützung für dein Coming Out.

Warte nicht zu lange mit deinem Outing!

Seine Homo- oder Bisexualität zu verheimlichen, kostet jede Menge Kraft. Wenn du dich also in einer Clique, einer Klasse oder einem Verein wohl fühlst, kann es viel leichter für dich sein, wenn du dich outest, anstatt deine sexuelle Orientierung mühsam zu verbergen.

Es nicht heimlich machen zu müssen, befreit viele Gefühle!
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Nimm dir Zeit für ernsthafte Gespräche!

Bevor du einem Menschen sagst, dass du homo- oder bisexuell bist, frag dich, ob du dich in seiner Gegenwart wohl fühlst, ob euch etwas verbindet und warum es dir wichtig ist, es gerade diesem Menschen zu erzählen. Denn: Nicht jeder muss wissen, dass du homosexuell bist.

Wenn du dich entschieden hast, dich ihm gegenüber zu outen, dann sorg dafür, dass ihr genügend Zeit habt für ein ernsthaftes Gespräch.
Gut zu wissen: Ein/e gute/r Freund/in wird dir nicht gleich die Freundschaft kündigen, weil du schwul, lesbisch oder bisexuell bist. Er/sie wird Verständnis dafür haben, dass du dich nicht mehr länger verstellen und verstecken magst. Aber es kann einige Zeit dauern, bis manche Freunde damit zurechtkommen.

Zeig Fingerspitzengefühl bei deinem Coming Out!

Gerade im Umgang mit Chefs, Lehrern oder anderen Vorgesetzten, von denen du gewissermaßen abhängig bist, erfordert das Coming Out dein Fingerspitzengefühl.
Zwar ist vom Europäischen Gerichtshof geklärt, dass die Leistungen homosexueller Arbeitnehmer (das betrifft auch Schüler und Auszubildende) mit denen heterosexueller gleichzustellen sind. Kein Arbeitgeber (Lehrer, Ausbilder) darf dich also deswegen diffamieren oder gar rauswerfen. Dennoch brauchst du nicht ungefragt mit deiner sexuellen Lebensform hausieren zu gehen. Schließlich tun das Heteros auch nicht.